Popcorn: Bodo Ramelow vs. Zeitungsgruppe Thüringen

Der Streit zwischen Bodo Ramelow und der Zeitungsgruppe Thüringen geht in die nächste Runde. Diesmal sind angebliche Rücktrittsforderungen Ramelows Gegenstand der Auseinandersetzung.

Popcorn02Der Fraktionschef der Linken im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, soll den Landesvorsitzenden der Thüringer Linken, Knut Korschewsky, nach dem Wahlskandal der letzten Woche zum Rücktritt aufgefordert haben. Die Thüringer Allgemeine titelte:

Nach Wahldebakel: Ramelow fordert Rücktritt Korschewskys

Im Text wird die Forderung dann so umschrieben:

“Dann steht Bodo Ramelow, der Landtagsfraktionschef, auf: Er fordert Korschewsky, der seit 2004 im Amt ist, zum Abschied auf. Wer Teil des Problems sei, sagt er, könne nicht Teil der Lösung sein.”

Bei der Thüringischen Landeszeitung las sich das so:

Fraktionschef Bodo Ramelow fordert indes im Vorstand eindeutig einen Rückzug Korschewskys. Wer das Problem sei, könne nicht Teil der Lösung sein, lautet seine Begründung.

Prompt widersprach Ramelow per Facebook, Blog und vermutlich wohl auch per Unterlassungserklärung:

Sehr geehrte Damen und Herren!
Am gestrigen Abend habe ich anlässlich der Landesvorstandssitzung der Thüringer Linken weder den Rücktritt des Landesvorsitzenden Knut Korschewsky beantragt noch verlangt.
Ich habe die Sitzung des Gremiums am späten Abend verlassen nach dem ich ausreichend Gelegenheit hatte, meine Sicht und Analyse vorzutragen und nach Geschäftsordnung meine Redezeit erschöpft war.
Die Entscheidungen des Landesvorstandes nehme ich mit Respekt zur Kenntnis.
Bodo Ramelow

Jedenfalls ist die angebliche Rücktrittsforderung nun im Onlineauftritt der Zeitungsgruppe Thüringen nicht mehr – wie ursprünglich – mit der eigentlichen Schlagzeile zu finden. Obwohl sowohl Martin Debes als auch Elmar Otto, beides erfahrene Politkorrespondenten, übereinstimmend behauptet hatten, Ramelow hätte den Rücktritt Korschewskys gefordert.

Bis hierhin hätte man das Ganze als ein kollektives Versehen oder übereifrige Hermeneutik interpretieren können. Aber die Thüringer Allgemeine legt nach: In einem Leitartikel unter dem merkwürdigen Titel “Der doppelte Ramelow” wird die Behauptung wiederholt und dann Bodo Ramelow in Rechnung gestellt: Mit zurückgenommenen Rücktrittsforderungen mache Ramelow den Parteichef Korschewsky “flügellahm”.

Hier macht die Thüringer Allgemeine offenbar Politik. Welche Art von Politik ist nicht schwer zu erraten.

Die Auseinandersetzung zwischen Bodo Ramelow und der Zeitungsgruppe Thüringen hat jedenfalls eine längere Geschichte, in der auch schonmal der Deutsche Presserat eingeschaltet wurde und in der eine ausgewogene Berichterstattung offenbar explizit eingefordert werden muss.

 

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7 Responses to “Popcorn: Bodo Ramelow vs. Zeitungsgruppe Thüringen”

  1. Martin Debes Says:

    Liebe Kollegen,

    um eventuellen Verschwörungstheorien vorzubeugen: Über Ramelows Rücktrittsforderung haben Freitagnacht und am Samstagmorgen alle relevanten Thüringer Medien berichtet, darunter auch MDR und dpa. Diese Berichte fußten auf Aussagen mehrerer Teilnehmer der Sitzung; einer dieser Teilnehmer war der Parteivorsitzende selbst. Danach kam das sogenannte Dementi Ramelows per Mail (und nicht als Unterlassungserklärung), über das die TA sofort online und später in der Printausgabe berichtet hat.

    An diesem Montag ließ Korschewsky übrigens diese Erklärung verbreiten: “Sehr geehrte Damen und Herren, wie ich bereits am Abend der Sondervorstandssitzung erklärt habe, hat Herr Ramelow in seinem Redebeitrag verschiedene Möglichkeiten und Szenarien erörtert, die zur Klärung der Situation beitragen können.
    Eine davon war auch die Möglichkeit eines Rücktritts, er hat diesen aber nicht beantragt. Die Überlegungen zu einem Rücktritt des Vorsitzenden waren lediglich Teil von Überlegungen zur Abwendung einer Krise. Ich betone noch einmal, dass ich in den Ausführungen von Bodo Ramelow keinen Vertrauensbruch sehe.”

    Soweit zur Hermeneutik.

    Mit freundlichen Grüßen, Martin Debes

  2. sven Says:

    Lieber Herr Debes,

    Sie schreiben:

    “um eventuellen Verschwörungstheorien vorzubeugen: Über Ramelows Rücktrittsforderung haben Freitagnacht und am Samstagmorgen alle relevanten Thüringer Medien berichtet, darunter auch MDR und dpa.”

    Von einer Rücktrittsforderung in dem Wortlaut und Tonfall, den Sie für Ihre – inzwischen aus dem Netz verschwundene – Überschrift wählten, berichtet keines der von Ihnen genannten Medien.

    Es werden allgemeine Erwägungen in den Raum gestellt.

    Sie schreiben weiter:

    “Diese Berichte fußten auf Aussagen mehrerer Teilnehmer der Sitzung; einer dieser Teilnehmer war der Parteivorsitzende selbst. Danach kam das sogenannte Dementi Ramelows per Mail (und nicht als Unterlassungserklärung), über das die TA sofort online und später in der Printausgabe berichtet hat.”

    Online kann ich zum Dementi nur diesen Beitrag finden:

    http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Ramelow-will-trotz-Eklat-nicht-Linke-Landeschef-werden-1710508458

    Das ist ein Beitrag vom 4.3., der offenbar mehrfach verändert wurde. Ihre Rücktrittsforderung erschien aber am 9.3..

    Sie schreiben weiter:

    An diesem Montag ließ Korschewsky übrigens diese Erklärung verbreiten: “Sehr geehrte Damen und Herren, wie ich bereits am Abend der Sondervorstandssitzung erklärt habe, hat Herr Ramelow in seinem Redebeitrag verschiedene Möglichkeiten und Szenarien erörtert, die zur Klärung der Situation beitragen können.
    Eine davon war auch die Möglichkeit eines Rücktritts, er hat diesen aber nicht beantragt. Die Überlegungen zu einem Rücktritt des Vorsitzenden waren lediglich Teil von Überlegungen zur Abwendung einer Krise. Ich betone noch einmal, dass ich in den Ausführungen von Bodo Ramelow keinen Vertrauensbruch sehe.”

    Und siehe da, hier haben wir doch eine gute Erklärung für die offenbar so zahlreichen Mißverständnisse. Einen “Rücktritt unter anderem in Erwägung zu ziehen” und einen “Rücktritt zu fordern”, sind – aus meiner unmaßgeblichen Sicht – zwei verschiedene Paar Schuhe.

    Aus diesem verunglückten hermeneutischen Zirkel jetzt aber eine schuldhafte Beschädigung des Landesvorsitzenden durch Ramelow – und damit der ganzen Partei – zu machen ist … bei allem nötigen Respekt … gelinde gesagt … dämlich. :o)

  3. Martin Debes Says:

    Lieber Sven, interessant, dass sie gleich persönlich werden. Mir und anderen Kollegen, die sich die Nacht bei der Linke um die Ohren schlugen, berichteten mehrere Teilnehmer von der Rücktrittsforderung. Korschewsky selbst bestätigte dies später offiziell.

    dpa berichtete deshalb: Korschewsky “wolle nach der Diskussion, bei der es viel Kritik und auch Rücktrittsforderungen gegeben habe, nicht aus der Verantwortung gehen und die Linke in den Bundestagswahlkampf führen, sagte Korschewsky der Nachrichtenagentur dpa. Auch der Vorsitzende der Landtagsfraktion, Bodo Ramelow, soll Korschewskys Rücktritt gefordert haben, um den Weg für einen personellen Neuanfang zu ebnen, hieß es aus Teilnehmerkreisen.”

    Und der MDR: “Der Landesvorsitzende gab bei MDR THÜRINGEN an, dass Ramelow auf der Sondersitzung seinen Rücktritt gefordert hat. Er sehe darin aber keinen Vertrauensbruch zwischem ihm und Ramelow, so Korschewsky. Ramelow dagegen bestritt, den Landesvorsitzenden zum Rücktritt aufgefordert zu haben. Auf seiner Homepage schreibt der Fraktionschef, er habe den Rücktritt weder verlangt noch beantragt.”

    Aber es ist immer schön zu sehen, wie man sich aus der Ferne Vorurteile bildet.

    Das soll’s von mir gewesen sein, ganz ohne Beleidigungen. Viele Grüße, MD

  4. sven Says:

    Ah, Vorurteile! Gut, dass Sie es erwähnen … :o)

    Ihres scheint jedenfalls zu sein, dass der, der sich ins Internet begibt, in jedem Fall beleidigt wird …

    Wenn Sie mir jetzt noch zeigen, wo Sie beleidigt wurden, würde ich mich sehr freuen.

    Wenn Sie meinen, dass ich den Tenor des Kommentars des Herrn Lübke – nämlich, dass Ramelow angeblich Korschewskys Rücktritt gefordert haben und dann wieder zurückgenommen haben soll und damit Korschewsky beschädigt – dämlich finde … möchte ich Sie fragen, ob ich etwas dämlich finden und es sagen darf. Im Internet!

    Und falls nicht, möchte ich Sie fragen, wieso Frau Göring-Eckart in der Thüringer Allgemeinen im Gespräch mit Ihnen etwas dämlich finden darf und Sie das abdrucken (Thüringer Allgemeine vom 18.09.2012, S. 2 / Politik).

    Aber das nur nebenbei. Zur Sache:

    Sie selber schreiben, dass Korschewsky den Rücktrittsvorschlag(!) kontextualisiert hat.

    Sie selbst haben oben Snippets der Beiträge des MDR und der DPA eingefügt, die zeigen, dass keiner von beiden von einer klaren Rücktrittsforderung spricht, so wie Sie dies mit der Schlagzeile taten.

    Aber sei dem wie es sei: Wieso ist denn die Schagzeile “Ramelow fordert Rücktritt Korschewskys” im Onlineauftritt der TA nicht mehr zu finden?

    Und wenn Sie sich diese Frage beantwortet haben, beantwortet sich die Frage, warum Lübkes Kommentar dämlich war von selbst.

  5. Martin Debes Says:

    Lieber Herr Dr. Oelsner (nehme ich einfach mal an). Ich wollte doch nichts mehr sagen. Hier nur noch der Link

    http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Entscheidung-vor-Mitternacht-Linke-Parteichef-Korschewsky-darf-bleiben-1771031772

    für den Text, den ich Samstagmorgen online stellte, mit Dementi. Hat sogar der Fraktionsvorsitzende gefunden, wie er mir mitteilte, da wird es ja die Blogzentrale auch schaffen. (Naja, ich glaube, der Internetauftritt meines Arbeitgebers schwächelt gerade, da ist es etwas schwierig.)

    Ansonsten darf Frau Göring-Eckardt alles, die hat Gottes Segen. Wir Erdlinge sollten nett miteinander umgehen. Einen schönen Abend noch.

  6. sven Says:

    Danke! Stimmt. Der gehört auch noch dazu. Aber dieser Beitrag ist ebenfalls ergänzt.

    In der Printausgabe und auf der Webseite stand zunächst die angebliche Rücktrittsforderung, die Sie nachträglich – nach der Intervention Ramelows – ergänzt haben.

    Ramelow hat die Erklärung zur angeblichen Rücktrittsforderung ja nur abgegeben, weil Sie ihm diese öffentlich unterstellt haben!!

    Aber wir sehen, da gibt es offenbar Mißverständnisse. Allüberall. Und mancher will einfach nicht nicht verstehen. Und muß auch nicht. Weil er es eben nicht muss. Alles menschlich. Für Erdlinge. Genauso wie andere für die eigenen Fehler in Haftung zu nehmen … Auch Ihnen einen schönen Abend! :o)

  7. Bodo Ramelow Says:

    Es ist interessant,wie mein agieren auf einer nichtöffentlichen Sitzung von Menschen beurteilt und verbreitet wird,die gar nicht anwesend waren.
    1) ich habe keinen Rücktritt gefordert oder beantragt
    (Da kann Herr Lüpke behaupten was er will!)
    2) ich gehe dagegen nicht Presserechtlich vor,sondern ich habe eine Presseerklärung am 9.3. um 7.56 Uhr veröffentlich,als ich erstmals von dieser Fehlinformation hörte und der TA habe ich zu “der doppelte Ramelow” einen offenen Brief gesendet. Alles auf meiner Homepage nachlesbar
    3)Der Satz :wer Teil des Problems ist,kann nicht Teil der Lösung sein” stammt von mir und wurde auf der Versammlung so gesagt. Unmittelbar nach diesem Satz folgten aber dann die möglichen Lösungen,die ich mir gewünscht hätte,das sie vorher nebeneinander durchdacht,geprüft und bewertet worden wären. Dann hätte der Landesvorstand gemeinsam mit dem Vorsitzenden den besten der Lösungswege bestimmen können.Der Satz bezog sich deshalb auf gemeinsame Lösungen/Lösungsvorschläge und nicht auf einseitigen Erklärungen oder gar Rücktritten
    4)Bei den Lösungsvarianten und meinen Hinweisen auf die Satzung kam auch ein möglicher Rücktritt vor und dazu erläuterte ich Konsequenzen aus Paragraf 19.2 unserer Landessatzung.Wenn ein Rücktritt erfolgen würde,wer muss dann zwingend kommissarisch die Geschäfte führen und wie lange. Da gilt es auch nach Wahlrecht einen Blick darauf zu werfen,wer dann berechtigt ist zB die Bundestagsliste Unterschreiben zu dürfen,aber auch Fragen wie Bankvollmachten,Personalvollmachten etc.
    5)Mehrere Varianten habe ich in der Versammlung vorgestellt und hatte das auch persönlich ubd schriftlich seit Montag dem Amtsinhaber und den Direktgewählten Vorstandsmitglieder zugänglich gemacht. Ab Mittwoch lag mein favorisierter Vorschlag den Teilnehmern der geschlossenen Facebook Seite Landesvorstand vor
    6) mein Favorit (also das was ich als meinen Vorschlag gekennzeichnet habe) beinhaltete ausdrücklich weder einen Rücktritt,nocb einen Rücktrittsantrag oder Misstrauensantrag.
    7)da meine Vorschläge und die dazugehörigen Satzungserläuterungen den Kreisvorsitzenden nicht bekannt waren,sie aber als allererstes das Wort ergriffen haben,habe ich danach nur noch meine Positionen erläutert. Ich habe sie nicht zur Abstimmung gestellt (was ich auch nicht kann,denn ich bin keine Vorstandsmitglied und so bin ich gar nicht Antragsberechtigt). Das die Beratung der Kreisvorsitzenden vor der Landesvorstandssitzung mit entsprechend daraus resultierenden Bitten an die LV Mitglieder stattfand habe ich als Problem beschrieben und das so leider keine Lösungen entstehen können,die von allen getragen werden.Ausdrücklich habe ich den Kreisvorsitzenden gedankt,aber wer einige Teile der Problemstellungen (Satzungsauslegung zu Pragraf 19.2 war strittig und dies führte zu unterschiedlichsten Lösungswegen) und des Informationsstandes nicht kennt,kann zu anderen Lösungsvorschlägen kommen,wie die die der Unterzeichner den LV Mitgliedern unterbreitet hat. Dennoch nehme ich die Entscheidungen des Abends mit Respekt zur Kenntnis,denn es gab noch andere vorgetragenen Gründe,so wie letztlich gewählt vorzugehen,die ich durch den Abend besser verstehen konnte.
    8)Ich habe keinen Rücktritt verlangt,sondern an Lösungen mitgearbeitet.
    Der Rest ist Behauptung,Unterstellung oder einfach nur eine Spektakuläre Meldung,die leider nicht bei mir überprüft wurde.
    Keiner der Journalisten hat mit mir gesprochen,nicht einmal darüber was der Satz,den Herr Debes richtig zitiert hat,bedeute. Klar,wenn man den Eingangssatz stehen lässt und den Rest nicht kennt,dann könnte man sogar auf diese Rücktrittsforderungen kommen. Wenn man Knut Korschewsky fragt ob ich diesen Satz gesagt habe,dann ist seine Bestätigung auch richtig. Nur wird daraus immer noch keine Rücktrittsforderung des Fraktionsvorsitzenden Ramelow!
    Deshalb musste ich auch nicht meine Meinung “wenden”