Was will Pegida eigentlich? Flüchtlinge aufnehmen!

In Deutschland ist ein Kulturkampf im Gange. Die Bundesregierung, die im Bundestag vertretenen Parteien, Verbände und Leitmedien kämpfen gegen eine wöchentlich stattfindende Demonstration in Dresden. 25.000 Teilnehmer hat sie inzwischen. Der Tenor ist eindeutig: Pegida ist rassistisch, antisemitisch, ausländer- und islamfeindlich, gegen Toleranz, Religionsfreiheit, ganz allgemein gegen Freiheit und gegen Demokratie. Die FAZ fasst diese Pegida-Gegner-Positionen so zusammen: Deutschlandweit Proteste gegen Islamfeinde. Aber ist Pegida überhaupt islam- oder gar so ausländerfeindlich wie sie unisono beschrieben wird?

Wir haben einen Thüringer Blogger und Pegida-Demonstranten gefragt, warum er eigentlich jeden Montag von Gera nach Dresden fährt:

Und er hat geantwortet:

    @Blogzentrale Gegen religiösen Fanatismus. Gegen Zustände wie in Berlin-Neukölln od. Görlitzer Park. Gegen Moslems,die “Juden ins Gas” rufen

    @Blogzentrale Für geregelte Einwanderungspolitik. Für Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch/religiös Verfolgte. Für Recht u Ordnung.

Auch auf Nachfragen hat er auch geantwortet. weiterlesen ….

Was er schreibt, klingt nicht nach plumper Ausländerfeindlichkeit. Es klingt eher nach “law and order” a la CDU/CSU.

Inzwischen hatten auch die Pegida-Organisatoren ein 19-Punkte-Papier veröffentlicht. Hier klingt das auch anders als in den Medien beschrieben. Auf ihrer Facebook-Seite schreiben sie:

      1. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!

      weiterlesen …

Aber wenn Pegida die Aufnahme von Flüchtlingen fordert, worauf ist dann dieser Kampf gegen Pegida zurückzuführen? Werden die Pegida-Positionen, die der öffentlichen Meinung so widersprechen, überhaupt öffentlich diskutiert und zur Disposition gestellt? Wir haben die Recherche im Internet gemacht. Google listet die erste Forderung von Pegida zur Zeit so:

google

Das erste Suchergebnis ist die Kommentarspalte bei Welt-Online. Das zweite Sucheregebnis ist ein Blog. Woran liegt, es dass die Pegida-Forderungen nicht publiziert werden, sondern stattdessen Urteile von Politikern oder Kritikern über Pegida? Die Stuttgarter Zeitung hat sich – als eine der wenigen Ausnahmen – in einer Analyse der Pegida-Positionen versucht und kommt zu folgendem Ergebnis:

      „Wenn man sich die Punkte anschaut, sind das Dinge, die in ähnlicher Form auch von demokratischen Parteien vertreten werden“, sagt Oscar Gabriel. Der emeritierte Professor der Politikwissenschaften an der Universität Stuttgart ist mit uns die 19 Punkte im Einzelnen durchgegangen. Pegida fordert eine bessere Betreuung für Flüchtlinge und eine Verteilung der Flüchtlinge in der EU nach Königsteiner Schlüssel – „das sind Dinge, die sind im Grunde politisch nicht besonders strittig“, so Gabriel. Als rechtsextrem bezeichnet Gabriel Pegida nicht. Viele Punkte fänden eine breite Unterstützung in der Öffentlichkeit.

Vielleicht liegt es ja an den Demonstrationsteilnehmern, dass Pegida öffentlich überwiegend negativ wahrgenommen wird. Viele Interviews und journalistische Hintergrundrecherchen haben ein unschönes Bild der Pegida-Demonstranten gezeichnet:

Diese Interviews strotzen von Nationalismus, Rassismus und ausländerfeindlichen Ressentiments. Und auch die Pegida-Führung hat keinen guten Leumund. Es finden sich mehrfache Vorstrafen und rassistische Hetze bei Facebook und bei Twitter.

Aber Vorbestrafte und Rassismus finden sich auch in einem CDU-Ortsverein. Was also macht Pegida eigentlich so gefährlich, dass diesem Phänomen so massiver Widerstand entgegengebracht wird? Warum wird Pegida so verzerrt dargestellt? Warum wird ein solcher Popanz aufgebaut?

Die Medienberichterstattung hinterläßt ein sehr ungutes Gefühl, auch wenn man nicht mit Pegida und ihren Forderungen sympathisiert. Und damit sind nicht nur die sogenannten “Mainstream-Medien” gemeint. Auch bei Facebook und Twitter ist man sich einig:

    PEGIDA? Das sind doch diese rechtsradikalen, kleingeistigen Spießer!

Die PEGIDA-Vertreter wollen sich in den Medien nicht äußern, weil sie fürchten, dass sie von medienerfahrenen Journalisten und Politikern in der medialen Arena vorgeführt werden sollen. Beispielhaft konnte man das am 14.12.2014 bei Günter Jauch beobachten. Eingeladen hatte man den AfD-Chef Bernd Lucke, der bei Facebook Verständnis für die PEGIDA-Positionen geäußert hatte. Lucke ist medienerfahren, aber auch er hatte Schwierigkeiten der massvien Gegenwehr standzuhalten. Lucke versuchte sich in seiner Einschätzung der Situation auf zwei Positionen zu halten:

Die anderen Diskussionsteilnehmer gingen auf diese Argumente gar nicht ein. Stattdessen präsentierten sie ihre eigenen Interpretationen der Proteste. Und sie schossen sich auf Bernd Lucke ein, der sich – vorhersehbar – als Opfer sah. Das alles wirkte vor allem wie der übliche Schaukampf und nicht wie eine Debatte, die alle Debattenteilnehmer ernst nimmt.

Die Einspieler der Jauch-Redaktion zwischen den Diskussionsbeiträgen zeigten überwiegend die äußerst fragwürdige Seite der PEGIDA. Das ist der Auftrag der Medien. Durch Hervorhebung komplizierte Dinge sichtbar und verständlich zu machen. So enstand und entsteht jedoch der von Bernd Lucke beklagte Eindruck einer medialen Hetzjagd auf den “einfachen besorgten Bürger”, der sich vom “industriell-medialen Komplex” unverstanden und verzerrt dargestellt fühlt. Dieser “tumbe Tor” gibt nur noch dem Putin-Propaganda-Sender Russia-Today Interviews, versucht dann die heute-Show klarzumachen:

Kann es sein, dass die Menschen, die da zu zehntausenden gegen die “Islamisierung des Abendlandes” demonstrieren, tatsächlich verunsichert sind? Sie beobachten jeden Tag die Gräueltaten der IS in den Medien, Enthauptungen, Vergewaltigungen, Vertreibungen. Es wird vermittelt, dass der Koran und die auf ihm aufbauende Religion, der Islam, diese Gräuel rechtfertigt oder gar fordert. Sie sehen, wie Menschen aus diesem Kulturkreis, in dem solche abscheuliche Gräueltaten möglich sind, plötzlich massenhaft nach Europa flüchten. Sie sehen gleichzeitig wie Salafisten in Deutschland medial auftrumpfen und Kämpfer rekrutieren, sie sehen wie in Brennpunkten in europäischen Großsstädten Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Muslimen und Nichtmuslimen eskalieren. Sie sehen die Ereignisse von New York, London, Paris. Und sie lesen Kirsten Heisig, Heinz Buschkowsky und Thilo Sarrazin.

Und dann erklärt Frau Schwan die Demonstrationen – im überheblichen Paternalisierungsgestus – mit sozialer Abstiegsangst. Die PEGIDA, Bernd Lucke und die AfD werden auf allen Kanälen lächerlich gemacht:

meinungalberDurch die mediale Begleitung entsteht eine Atmosphäre, in der jede kritische Postionierung die gesellschaftliche Ausgrenzung zur Folge hat. Diese Atmosphäre führt dann zu Mißtrauen gegenüber den Medien, die verkürzen, vorführen und lächerlich machen … und letztlich zu Schweigemärschen durch deutsche Großstädte.

Haben die PEGIDA-Demonstranten und deren Wortführer nun recht, wenn sie eine Hexenjagd beklagen? Dieser Eindruck entsteht. Soll man deshalb an den PEGIDA-Demonstrationen teilnehmen?

Nein, denn Pegida unterstellt, Extremismus sei ein Problem des Islam, insbesondere des gewaltverherrlichenden Koran. Tatsächlich sind Juden- und Christentum nicht weniger extremistisch in ihren Basistexten (siehe nebenstehender Ausriss). Tatsächlich handelt es sich bei Terrorismus um ein soziales und ein Gerechtigkeitsproblem. Dem begegnet man nicht, indem man Integration fordert. Integration kann man nicht erzwingen, nicht oktroyieren. Zwang schafft Parallelgesellschaften. Eine Kultur muss sich bewähren, freiwillig angenommen, individuell entwickelt werden. Und wenn sich die christlich-abendländische-aufklärerische Kultur angesichts auch gerade der monströsen Ereignisse in Paris gegen Menschen verschließt, die anderer Ansicht sind, verspielt sie ihre Chance auf Akzeptanz.

Das gilt für Islamisten – wie für Pegida. Wer Pegida entwertet, verzerrt porträtiert, ihre Gesprächsangebote ignoriert und sie stattdessen unter massiven medialen Druck setzt, schafft vielleicht irgendwann Ruhe – aber keine gelebte Toleranz.

So ein Quatsch!Klasse! (+3 von 3 Lesern finden diesen Beitrag klasse)
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2 Responses to “Was will Pegida eigentlich? Flüchtlinge aufnehmen!”

  1. sven Says:

    Silli, Du hast geschrieben:

    Bei Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) geht es doch nicht nur im Namen um den Islam oder islamische Kultur. Die Forderungen 10., 12., 13.,16 und 19 im Positionspapier der Pegida richten sich explizit oder implizit an Muslime.

    Bei Pegida laufen Hooligans, NPD und die German Defence League (eine explizit islamfeindliche und gewaltbereite Organisation, vom Verfassungsschutz beobachtet) mit.

    Du findest, das Blog Politically Incorrect sei als Informationsquelle geeignet, auch wenn da immer wieder explizit unter Niveau gegen den Islam gehetzt und für die GDL geworben wird.

    Es gibt also ganz allgemein Vorbehalte und Kritik an Asylpolitik und Asylanten – aber die Ablehnung des Islam ist besonders ausgeprägt.

    Das zeigt sich auch in der Studie der TU Dresden zum Profil der Pegida-Demonstranten:

    “Das Hauptmotiv für die Teilnahme an PEGIDA-Demonstrationen ist eine generelle „Unzufriedenheit mit der Politik“. An zweiter Stelle wird die Kritik an Medien und Öffentlichkeit genannt; an dritter Stelle folgen grundlegende Ressentiments gegenüber Zuwanderern und Asylbewerbern, dabei sind Vorbehalte gegen Muslime bzw. den Islam besonders ausgeprägt.”

    http://tu-dresden.de/aktuelles/news/pegida_pk

  2. Silli Says:

    Jetzt wird es aber albern! Ich werde mich nicht zu jedem Verein/Club/Partei, von denen jemand mitläuft, äußern.

    Weiter geht’s hier: http://www.fettgusche.net/phpBB3/viewtopic.php?f=13&t=17103&p=75726#p75726