Archive for January, 2011

Jena 1987: Straßenmusiker vs. Volkskunstkollektive

via stadtmagazin.blog & astrodicticum

Neujahrsempfang der Zeitungsgruppe Thüringen

Der Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Thüringen macht – im hauseigenen Youtube-Kanal – klar, worum es dem Unternehmen geht: WERBUNG; WERBUNG WERBUNG … und in Zukunft möglichst “crossmedial”. Das bedeutet, dass die jeweilige Werbebotschaft über alle denkbaren Medienkanäle – Zeitung, Internet, Fernsehen, Radio – verbreitet werden soll, um sich in den Hirnen der Leser, Zuschauer und Zuhörer noch besser festsetzen zu können.

Die Leser der Thüringer Allgemeinen, der Thüringischen Landeszeitung und der Ostthüringer Zeitung sind also Objekte eines groß angelegten Experiments: Wie können Autohäuser, Banken oder Dienstleistungsunternehmen ihre überflüssigen Produkte noch besser an den Kunden bringen?

Na dann, viel Erfolg!

Phishing, SEO und PR-Marketing in Blogs

Blogger erhalten Mails von PR-Agenturen, die ihnen Geld für die Veröffentlichung von Jubeleinträgen über bestimmte Produkte anbieten. Mit den Preisen steigt die Eitelkeit und damit die Verführbarkeit.

Heute flatterte der THÜRINGER BLOGZENTRALE eine Mail mit einem “geschäftlichen” Angebot ins Haus: 50 Euro für einen Beitrag mit 200 Wörtern, einem “Keyword” und einem Link. Damit sollte wohl der Rang irgendeiner Webseite bei Google verbessert werden.

Das Anliegen des Verfassers ist scheinbar offensichtlich. Eine klassische PR-Anfrage. Hier sollen Fakten geschaffen und Hintergründe verschleiert werden. Allerdings könnte es sich aber bei dieser Mail auch schlicht und einfach um einen Phishing-Versuch nach Kontodaten handeln. Fünfzig Euro für einen Link ist schon ein astronomischer Preis. Eine kurze Suche nach dem Absender und Mailinhalten deutet auf einige Blogs, die heute morgen ebenfalls angeschrieben wurden und die Sache bloggten. Doch Phishing ist nicht die einzig mögliche Erklärung für diese Mail.

PR im Journalismus und auf Blogs

Das Ausmaß der Verflechtung von PR und klassischem Journalismus ist unüberschaubar. Aber während man sich einerseits vor allem in Blogs über die Praktiken der Zeitungsbranche beschwert, dass hier PR-Texte 1:1 übernommen werden – etwa bei der Regionalzeitungsbeilage Prisma oder sogar bei der Springer-Tageszeitung WELT – hat sich selbstverständlich gerade in Blogs über die letzten Jahre eine vergleichbare Schattenwirtschaft etabliert.

Simulation angeblicher “öffentlicher Meinung

Mit Suchmaschinen und sozialen Netzwerken läßt sich Relevanz und öffentliche Meinung simulieren und die spontane Entwicklung von Trends manipulieren, die viele Nutzer dieser sozialen Netwerke sogartig in ihren Bann ziehen. Mal ehrlich, wer hat sich noch nicht dabei ertappt, ein Apple-Produkt ausführlich begutachtet zu haben – trotz des Wissens, dass Apple-Produkte eigentlich überteuert, überflüssig und mit der App-Wirtschaft auch noch üble Abzocke sind.

Bezahlte Blogeinträge

Internet-Marketing- und PR-Firmen gehen gezielt auf die Suche nach entsprechenden Webseiten und Blogs, die bisher als SEO-Spammer nicht vorbelastet sind und mit relevanten Keywords über ein vergleichbar günstiges Google-Ranking verfügen. Das führt dann am Ende dazu, dass auch die THÜRINGER BLOGZENTRALE Mails mit folgendem Wortlaut erhält:

Für viele Blogger, die in aller Regel nicht über größere Einkommen oder Vermögen verfügen, ist ein solches Angebot einer PR-Firma sicherlich sehr verlockend. Und mancher Blogger, der sich zur tatsächlichen Veröffentlichung eines solchen PR-Textes hinreißen ließ, bemäntelt seine Käuflichkeit mit Scheinbegründungen, wie “Es tut ja niemandem weh, wenn da so ein Eintrag im Blog steht.” oder “Die Stammleser können ja weglesen“.

Wir fragten bei dem Anbieter nach, wie man sich einen solchen PR-Artikel denn vorstelle und wie eine Bezahlung konkret gehandhabt werden könnte. Man antwortete uns folgendermaßen:

Jeden Monat! Pro Beitrag 20 bis 30 Euro. Mit 50 solcher PR-Beträge könnte man also den Unterhalt eines täglich aktualisierten Blogs bestreiten – und sogar einen Praktikanten anstellen.

So ein unschlagbares Angebot muss stutzig machen. In Zeiten, in denen das Zeilenhonorar für Journalisten unter die Armutsgrenze gesunken ist, soll so ein einfacher Blogeintrag 30 Euro wert sein …

Wir werden es nie erfahren. Denn wir haben verzichtet. Und vielleicht hat uns unser generelles Mißtrauen gegenüber PR vor bösen Überraschungen und größeren finanziellen Einbußen bewahrt.

NACHTRAG (26. Januar 2011): Angeblich war die obengenannten Mail Bestandteil eines millionenschweren Schleichwerbeskandals siehe dazu Beiträge von Meedia und Carta!

Matthias Machnig und Bodo Hombach

Von Neidhart von Schwarzburg

Vielleicht ist es hin und wieder hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, was die Leute, die heute Spitzenpositionen in Medien und Politik einnehmen, früher so gemacht haben.

Zwei Männer, die in Thüringen eine ganz besondere Rolle spielen, sind Matthias Machnig und Bodo Hombach.

Machnig ist Wirtschaftsminister des Freistaates Thüringen – Hombach der Chef der WAZ-Mediengruppe und damit auch der drei größten Zeitungen Thüringens: Thüringische Landeszeitung, Thüringer Allgemeine und Ostthüringer Zeitung, im nördlichen Thüringen – insbesondere in den größeren Städten, Jena, Weimar und Erfurt – ein Monopolist.

Beide kennen sich aus langjähriger Zusammenarbeit für die SPD. Im Jahre 1998 führten sie gemeinsam einen Wahlkampf für Gerhard Schröder, den dieser mit überwältigender Mehrheit gewann. Die Aufgabe Machnigs und Hombachs war es, die unentschlossenen Wechselwähler mit allen Mitteln der medialen Kriegsführung für Gerhard Schröders SPD zu begeistern. In der ARTE-Dokumentation “Spin-Doktoren – Die Marionettenspieler der Macht” sprechen sie sehr freimütig über ihre Erfolge:

Kleine Randbemerkung: Den Filmausschnitt mit Hombach und Machnig hatten wir bereits im Blog. Doch leider wurde er kurz nach Veröffentlichung bei Youtube gelöscht. Man darf gespannt sein, wie lange der hier stehen bleibt.

Treuhand: Der größte Betrug der Wirtschaftsgeschichte

“Das gesamte Industriekapital der DDR wurde mit einem Schlag vernichtet. Im Grunde genommen ist es eigentlich das größte Betrugskapitel in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands”. Der grüne Europaabgeordnete Werner Schulz findet deutliche Worte für die Arbeit der Treuhand.

20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung geht die ZDF-Dokumentation Beutezug Ost der Frage nach: Wie konnte aus dem Wert der DDR-Betriebe, den der erste Treuhandpräsident Detlev Rohwedder auf 600 Milliarden D-Mark schätzte, ein Milliardendefizit von zirka 125 Milliarden Euro werden?

Dieter Nuhr über Thüringen und seine Löcher

“Facebook & Co”: EURE Doppelmoral kotzt MICH an!

Von Neidhart von Schwarzburg

Das ehemalige Nachrichten- magazin DER SPIEGEL, das in den letzten Jahren zur Kampagnen-Illustrierten verkam, hat in dieser Woche eine Titelgeschichte, die das Internet zum Kochen bringt. Denn es geht um das Internet. Aber diesmal ausnahmsweise nicht um Hobby-Blogs und -Foren und die “Kostenlos-Kultur” im Netz, sondern um die Geschäftemacher darin. Es geht um die Firmen und Konzerne, die mit den unzureichend geschützen Daten ihrer Kunden offenbar Milliarden verdienen. Der Internetgigant und -monopolist Facebook soll z.B. inzwischen an die 50 Milliarden Dollar wert sein.

DER SPIEGEL schreibt nun in seiner Titelgeschichte über die Gefahren, die im Netz auf die meist ahnungslosen Nutzer warten. Sie schreiben über Facebook, Google und Apple. Doch da haben sie sich scheinbar mit den Falschen angelegt. Denn die wissen, wie man den Protest einer scheinbar anonymen Masse simuliert und damit auch ahnungslose private Nutzer mobilisiert.

Der Journalist Richard Gutjahr hat einen Blogeintrag verfasst, der bei Twitter inzwischen annähernd 1000 mal retweetet wurde. Dieser Blogeintrag greift den SPIEGEL wegen seiner “Doppelmporal” frontal an. Einerseits wettere man im SPIEGEL über fehlenden Datenschutz bei Facebook und Co. – bleibe aber Beweise für echte Mißbrauchsfälle schuldig. Andererseits gehe man selbst nicht gerade zimperlich mit den Daten der Kunden um.

Die Kritik ist natürlich berechtigt. Der Rant von Richard selbst verdient jedoch ebenfalls Kritik. Denn angeblich richtet sich die Analyse des SPIEGEL gegen “DAS INTERNET”. Aber das ist natürlich Quatsch. Sie richtet sich gegen die Geschäftemacher darin.

Aber mit dem Feindbild “SPIEGEL” und der Identifikationschiffre “DAS INTERNET” lassen sich größere Zahlen von Nutzern ansprechen, die sich von dem SPIEGEL-Beitrag angegriffen fühlen, auch wenn sie nicht eine Zeile davon gelesen haben. Mit dieser Masche läßt sich eine scheinbar unabhängige Community aufhetzen und erzeugt den Eindruck individuellen Protests. Dass die Leute, die diesen Beitrag retweeten, vorwiegend die Leute sind, die von der SPIEGEL-Kritik selbst betroffen sind, kann der Normal-User nicht mehr unterscheiden.

Und auch die Carta-Autoren Falk Lüke und Wolfgang Michael, “Indiskretion Ehrensache” Thomas Knüwer, mspr0 oder “Was mit Medien”-Blogger Daniel Fiene stoßen in dieses Horn.

Mit dem haßerfüllten “Eure Doppelmoral kotzt mich an!” reagiert sich die gesamte Branche beim SPIEGEL stellvertretend für die Holzmedien ab und läßt ihre Muskeln spielen. Es sind die “Online-Marketing- & Social-Media-Consultants“, “Senior-Konzeptioners“, “Trendscouts“, und “Social-Media-Addicts” die sich hier selbst verwirklichen:

Die Schleimspur dieser Tagline läßt sich bei Twittersearch verfolgen und erlaubt die zuverlässige Identifikation sämtlicher Social-Media-Consultants des Landes.

Dieser unerwartet Ausbruch ist das Symptom eines zunehmend mit PR- und Marketing-Experten unterwanderten Internets. Auf einen privaten User kommen scheinbar 1000 “Senior-Social-Media-Consultants” und hundert PR-Firmen, die die Illusion eines freien und unabhängigen Internets mit demokratischer Meinungsbildung mithilfe ihrer Angestellten weiter simulieren und dazu nutzen, uns Dinge zu verkaufen, die wir nicht brauchen und Sachen zu versprechen, die nicht stimmen.

Ähnliche Kampagnen des “INTERNETS” wie die aktuelle gegen den SPIEGEL kann man inzwischen jederzeit erleben, wenn man kritisch über Facebook, Google & Co. schreibt. Auch die Blogzentrale war schon mehrfach Opfer eines bezahlten Mobs. Ein Artikel der THÜRINGER BLOGZENTRALE über den das Auslesen der Gmail-Adressbücher durch Facebook hatte einige heftige Kommentare zur Folge. Inzwischen hat Google die umstrittene Praxis abgestellt.

Ein weiteres Phänomen sind politische Kampagnen. Mit der Simulation der Unterstützung bestimmter politischer Kandidaten durch das Internet läßt sich die Illusion einer breiten Zutimmung der Bevölkerung erzeugen. Gesehen hat man das beispielhaft bei der Kampagne für Joachim Gauck zur Wahl des Bundespräsidenten. Die angebliche Grassroots-Bewegung für Gauck wurde u.a. von PR-Experten der SPD und der Grünen initiiert und anschließend groß und breit in der Presse bejubelt. Ein kritischer Kommentar in der Blogzentrale hatte entsprechend giftige Kommentare zu Folge.

Ein ähnlicher Mob ist wohl auch bei diesem Artikel zu erwarten.

Gnade dem, der neu hier ist. Hier, im Internet.

Mythos sozialer Aufstieg: Tellerwäscher bleibt Tellerwäscher

Wer arm geboren wird, stirbt auch arm” und “Je ärmer eine Person aufwächst, umso geringer sind auch ihre Chancen auf einen guten Bildungsabschluss“, das hat der Soziologe Prof. Dr. Michael Hartmann von der TU Darmstadt festgestellt.

Der Aufstieg aus einer “niedrigeren” sozialen Schicht in eine höhere durch harte Arbeit ist ein Mythos. Das zeigt auch die NDR-Dokumentation “Das Märchen vom sozialen Aufstieg“. In “Panorama – die Reporter” sprechen Kinder aus einer Hauptschule und aus dem Eliteinternat “Schloss Salem” über ihre Zukunft. Eine Reportage aus dem Land, das wie kein anderes der westlichen Welt für ungleiche Chancen steht: