Archive for the 'Blogosphäre' Category

Patrick Kurth hat seine Follower überprüft: Alles ok.

Stern.de hat sich mit den angeblichen Fake-Followern der FDP beschäftigt und ist bei seinen Recherchen offenbar auch auf die mutmaßliche Follewerschummelei bei Patrick Kurth in der THÜRINGER BLOGZENTRALE gestoßen. Man hat Kurth persönlich gesprochen und zu den Vorwürfen befragt. Der Autor des Beitrags, Thomas Schmoll, schreibt nun:

    “Deshalb entschloss sich Kurth nach eigener Aussage, seinen Account zu überprüfen. Der Test habe ergeben: alles okay.”

Dazu stellt sich spontan folgendes Bild ein: Patrick Kurth klickt kurz in seine Followerliste bei Twitter. Stellt fest, “alles ok” und klickt weiter. Im Beitrag des Stern werden aber noch bedeutendere Feststellungen über Patrick Kurths Twitteraccount gemacht:

    “Die Zahl echter Follower ist sehr hoch.” Und er hat immerhin knapp 14.500, also deutlich mehr als die FDP-Bundespartei.

DIE ZAHL ECHTER FOLLOWER IST SEHR HOCH!!!??einself? Was bedeutet das? Sehr hoch? 10%? 20? 50? Aber da es Patrick Kurth an Selbstbewußtsein nicht mangelt, hat er auch gleich eine wirklich “gute” Erklärung für seinen “Erfolg” bei Twitter parat:

    “Ich twittere zeitnah und persönlich, auch emotional, und nicht nach strategischen Erwägungen. Das macht den Blog lesenswert.”

Komisch nur, dass sich kaum jemand für seine so “persönlichen” und “emotionalen” Tweets interessiert und so selten jemand reagiert. Weder mit RTs noch mit @s. Retweets:2.0% @Contacts 21.5%.

Zum Vergleich Christian Lindner: Retweets: 6.5% @Contacts 51.5%, und Peter Altmaier: Retweets: 3.0% @Contacts 86.0%

Der Stern.de-Beitrag schließt mit einem Hinweis, der klar macht, wie Kurth früher zu Followern zu kommen versuchte:

    “Kurths Profil war im Bundestagswahlkampf 2009 von Twitter als vermeintlicher Spam-Account gelöscht worden. Zwei Wochen rang er damals mit dem Unternehmen, sein Profil zurückzubekommen. “Das war eine Ewigkeit.”

An der Praxis scheint sich nicht viel geändert zu haben. Vergleicht man Kurths Followerentwicklung bei Twitter Grader so ähnelt diese sehr stark der Verlaufskurve der Twitteraccounts denen er selbst folgt:

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Fraglich bleibt, ob er diese Verfolgungspraxis selbstständig durchführt oder per Bot oder Mitarbeiter automatisiert hat.

Seine etwas erfolgreicheren Politikerkollegen, wie Peter Altmaier oder Volker Beck folgen selbst übrigens deutlich weniger Accounts. Die Mär von den “emotionalen” und “persönlichen” Tweets als Ursache für den Followerreichtum Patrick Kurths erscheint vor diesem Hintergrund unglaubwürdig.

Ergänzt sei noch, dass die Accounts von Christian Lindner und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger offenbar einer Überarbeitung durch Twitter unterliegen. Twitter Grader versagt bei diesen Accounts, was vielleicht auch gar nicht so verwunderlich ist, wenn man sich den Fakefollowerquotienten von Christian Lindner und Sabine Leutheuser-Schnarrenberger anschaut …

Im politischen Berlin ist Patrick Kurth jedenfalls im Gespräch. Hat er es wieder geschafft, das alte Schlitzohr.

Der “Twitterkönig von Thüringen” oder “Fandealergate”

Der THÜRINGER BLOGZENTRALE wird wieder mit dem Rechtsanwalt gedroht. Diesmal durch den Geschäftsführer der Firma “Fandealer”, Mario Rönsch. Fandealer ist in den letzten Tagen ins Gerede gekommen, weil sie der FDP Follower bei Twitter besorgt haben soll.

Bei netzpolitik.de wurde bekannt, dass ein Mann mit dem Namen Mario Rönsch im Jahr 2010 Mitglied der thüringischen FDP geworden sein soll.

Da der Bundestagsabgeordnete der Thüringer FDP, Patrick Kurth, über eine außergewöhnliche Zahl an Twitter-Followern verfügt, stellten wir an Kurth und Rönsch die Frage, ob sie miteinander bekannt seien, ob Rönsch tatsächlich FDP-Mitglied sei und ob die Firma Fandealer am Followerwachstum von Kurths Twitter-Account beteiligt gewesen sein könnte.

Der Bundestagsabgeordete Patrick Kurth antwortete folgendermaßen:

Inzwischen hatte sich dann auch die Firma Fandealer per Twitter und per Mail in die Kommunikation eingeschaltet. Mario Rönsch, war nicht bereit, per Mail irgendwelche Auskünfte zu geben und drohte stattdessen mit einer Rechtsanwaltskanzlei. Per Twitter schrieb man:

(UPDATE: Fandealer hat die Tweets inzwischen gelöscht. Deshalb werden sie nicht mehr im Original-Tweetformat angezeigt. Wir dokumentieren die Rhetorik von Fandealer hier trotzdem mit Hilfe der original Tweetpublishfunktion von Twitter)

Wer mit dem Anwalt droht, hat oft ein begründetes Interesse daran, weitere kritische Nachfragen und Aufdeckungen zu verhindern. Man darf in diesem Fall gespannt sein, was das ist. Jedenfalls scheinen die Nerven bei Fandealer zum Zerreissen gespannt zu sein. Auf die Bitte, unsere Fragen zu beantworten, antwortete man folgendermaßen:

Wir bloggen die Bundestagswahl 2013 in Thüringen

Von Sven

Vor 6 Monaten bekamen wir einen Anruf. Eine große deutsche Partei fragte an, ob wir sie beraten wollen, beim Weg ihrer Bundestagsabgeordneten ins 21. Jahrhundert. Ein schönes Angebot. Es versprach viele Privilegien und einen einmaligen Einblick in die politische Kommunikation. Aber unsere Unabhängigkeit war uns wichtiger. Wir lehnten ab.

Diese kleine Episode verdeutlicht uns mindestens zweierlei:

1. Regionale Blogs und Blogger werden inzwischen durchaus als relevant wahrgenommen

2. Deutsche Parteien bewegen sich noch immer recht unsicher auf digitalem Terrain

Wie peinlich die Suche nach einer Internetstrategie ausfallen kann, wenn die nötige Basiskompetenz fehlt, zeigen die jüngsten Anwanzungsversuche des SPD-Bundestagskandiaten Peer Steinbrück.

Zunächst legte sich Steinbrück mit dem schillernden Medienmann Roman Maria Koidl, den er zum Architekten seiner Onlinestrategie ausrief, ein Ei ins Nest. Koidl war schnell weg vom Fenster, als herauskam, dass er auch schon Hedgefonds beraten hatte.

Ebenso schnell verschwand auch das sogenannte “Peerblog”. Ein Versuch, den amerikanischen Wahlkampf mit seiner privat und anonym finanzierten Parteienwerbung auf Deutschland zu übertragen.

Eine Amerikanisierung des Wahlkampfes mit großer Pose und geheimer Medienfinanzierung hat es auch in Thüringen bereits gegeben.

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Die CDU plakatierte den damaligen Ministerpräsidenten als “großen Führer” und erschien auch recht großzügig und auffällig positiv dargestellt in einer geheimnisvollen Internetpostille, die später auch als gedrucktes Journal fast alle Thüringer Haushalte erreichte. Die Hintermänner und Geldgeber von “Tolles Thüringen” (wir berichteten zuerst) sind bis heute nicht ermittelt.

Und CDU wurde im Landtagswahlkampf dann letztlich auch das Internet zum Verhängnis. Einerseits weil man sich dort ungehemmt über die lächerlichen Wahlplakate lustig machen konnte und weil bundesweit über unglückliche Plakatierungsstufen der Thüringer CDU diskutiert wurde. Andererseits weil bei Wikileaks ruchbar wurde, dass die Junge Union – damals noch angeführt von CDU-Generalsekretär Mario Voigt – gezielt und verdeckt die Wahlkampfauftritte der Linken besuchen und stören sollte. Auch das löste ein bundesweites Medienecho aus.

Was lernen wir daraus?

Das Durchstechen gezielter Indiskretionen findet vor allem in der aufgeheizten Atmosphäre des Wahlkampfes sein interessiertes Publikum auch im Internet.

Diesen Effekt machte sich im damaligen nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf das teilanonym geführte Blog “Wir in NRW” zunutze. Aus Hinterzimmergesprächen und privaten Emails bestand letztlich der Haufen Mist, der von Printjournalisten fleißig weiterverbreitet wurde, so dass Jürgen Rüttgers schließlich stürzte.

Heißt das, Blogs sind wirklich relevant?

Nicht per se. Die unterschiedlichen Standpunkte von Blogliebhabern hie und Blogverächtern da durchrauschen ja das jeweilige Medium in bemerkenswerter Regelmäßigkeit und denkbar kakophoner Dissonanz seit es das Phänomen Blog gibt.

Einerseits beklagten Vertreter der Holzmedien kürzlich wieder die “Volksreporter” und “Wie sich das Leben verändern wird, wenn unsere Kinder keine Zeitung mehr lesen”, um sich dann – man beachte(!) – durch das Internet vorhalten lassen zu müssen, dass sie ganz ganz schlecht recherchieren.

Andererseits bejubeln Professoren ohne Doktortitel im Magazin “pressesprecher” vollmundig und kenntnisarm die zunehmende “Substanz” der Blogosphäre, um doch letztendlich auch nur die üblichen Verdächtigen (Niggemeier, Lobo, Knüwer) als Kronzeugen einer professionellen Medienstrategie von Bloggern anzuführen.

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Da beklagen FAZ-Autoren das Bloggen als “rastlose Masturbation“, die ein unüberschaubares Überangebot an – ja auch guten – Texten produziert. Und Deutschlandradion ruft gar eine “Krise der Blogger” aus.

Dieser kulturpessimistischen Sicht stellt sich dann Teresa Maria Bücker in der FAZ ganz entspannt entgegen. Sie meint – am Ende eines langen, lesenswerten Essays:

“Bloggen kann eine Freiheitspraxis sein. Als ein Gespräch mit anderen oder mit sich selbst sind Blogs krisenfest, denn sie sind an nichts gebunden. Nicht einmal ans Netz.”

Dem wollen wir uns anschließen. Allein die Tatsache, dass es in Deutschland keinen Drudge-Report und keine Huffington Post gibt, heißt nicht, dass Blogs nicht relevant sind. In Deutschland herrschen andere Gesetze der Internetöffentlichkeit. Durch das Studium des amerikanischen Wahlkampfes und die blinde Übertragung auf deutsche Verhältnisse macht man aus einem Willy Brandt keinen Jack Kennedy und schon gar keinen Barack Obama aus einem Peer Steinbrück.  Zuallerletzt im anonymen Internet, in dem keine Schwäche ungesühnt bleibt und in dem uncoole Kandidaten gnadenlos zur Strecke gebracht werden.

Vielleicht ist das ja auch eine Folge des Systems, in dem in Deutschland die Kanzlerkandidaten von der Parteiführung ausgerufen und auf einem Parteitag nur nachträglich bestätigt werden. Anders als in den USA, in denen die Kandidaten bereits mehrere Vorwählkampfe bestehen müssen, ehe sie auf die breite Öffentlichkeit losgelassen werden.

Blogger sind frei. Auch in Deutschland.  Und auch hier läßt sich die Unterstützung für einen schlechten Kandidaten nicht simulieren. Schon gar nicht, da verschiedene Manipulationsversuche durch “Astroturfing” – vor allem durch Blogs – aufgedeckt wurden.

Unterstützung für Steinbrück in Weblogs entlarvt sich eigentlich selbst. Wer will diesen Mann schon ernstlich unterstützen? Mit der Unterstützung für andere Kandidaten zur Bundestagswahl sieht das wohlmöglich anders aus.

Blogs werden im Bundestagswahlkampf in Thüringen jedenfalls eine Rolle spielen. Nur ganz sicher anders, als es sich die  Strategen in den Parteizentralen erhoffen.

Das macht Hoffnung.

Hier im Blog herrschte in den letzten 6 Monaten Stille. Mancher schrieb die THÜRINGER BLOGZENTRALE deshalb schon ab. Aber anders als periodisch erscheinende Druckerzeugnisse sind Blogs eben nicht an irgendetwas gebunden, lediglich an Zeit und Lust von Autoren und Lesern. Die Bundestagswahl ist am 22. September. Bis dahin gibt es noch viele interessante Dinge zu sagen. Frei, ungefiltert, unbeeinflusst. Packen wir es an!

Bloggen wir die Bundestagswahl 2013 in Thüringen!

 

Where the hell is Matt 2012

… unter anderem an der Frauenkirche Dresden …

Digitale Demokratie. Wie das Internet die Politik verändert

Von Sven

Wer am 2. Mai aus dem Feiertagskoma erwacht ist und dann um 18 Uhr noch Lust hat, in einem Hörsaal zu sitzen, der darf sich auf den Besuch von Bloggerprominenz in Thüringen freuen. Don Dahlmann kommt nach Jena und will den geladenen Politikern erzählen, was sie im Internet tun und lassen sollten. (Vielleicht ist das auch eine Gelegenheit für den Jenaer OB-Kandidaten Albrecht Schröter (SPD) – der gerade mit dem Vorwurf unlauterer Parteienwerbung im Internet zu kämpfen hat – ein wenig dazuzulernen.)

Ich werde auf dem Podium die THÜRINGER BLOGZENTRALE vertreten und vielleicht ein bißchen über die wahnsinnig erfolgreiche Social-Media-Offensive der Thüringer Politik und der Thüringer Medien erzählen.


(more…)

@gora: Thüringer Bloggermesse

Von Sven

Drei richtig große Bloggertreffen gab es in Thüringen jetzt bereits. Die Thüringer Bloglesungen. Und mit fast jeder Lesung wurde die Zahl der Teilnehmer und Zuhörer aber auch das Interesse der Öffentlichkeit größer. Begonnen hat alles vor 3 Jahren im Quirinus, mit einer ziemlich enthusiastischen Thüringer Blogosphäre (auch wenn man das den Gesichtern auf den Bildern nicht immer ansieht, die Teilnehmer waren allesamt begeistert):

Ein Jahr später brauchten wir bereits eine größere Location. Fünfzig Gäste lauschten der Lesung vor Ort im Kulturbahnhof in Jena und nochmal 50 Fans verfolgten die Veranstaltung per Livestream von Zuhause aus. Es war bis jetzt die größte Thüringer Bloglesung aller Zeiten:

Zur dritten Thüringer Bloglesung wechselten wir erneut die Location und hatten Dank des einzigartigen organisatorischen Engagements von urbandesire, bastih und jojo eine ziemlich coole Bloglesung im Markt 11:

Also ja, ein Thüringer Bloggertreffen. Wir haben viele schöne Sachen zusammen gemacht: Blogwanderungen, Bloglesungen, Webmondays und Glühweinsocializing. Ich würde das Kommerzialisierungs-Kriegsbeil jetzt eigentlich gern mal begraben und die Meute der Thüringer Blogger mal wieder auf einem Haufen haben.

Ich würde aber dieses Mal die Bloglesung nur als einen Programmbestandteil einer umfassenderen Veranstaltung sehen wollen. Denn die Bloglesungen hatten einen entscheidenden Nachteil: Der einzelne Thüringer Blogger ging bei der Konzentration auf das Podium und die prominenten Referenten ein wenig unter. Und das fand ich eignentlich sehr schade. Deshalb kam mir gesten eine Idee:

Ich träume nämlich von so einer Art Bloggermesse Und heißen soll die: @gora

Eine optimale Möglichkeit jedes Thüringer Bloggers auf der @gora an einem eigenen Stand sein eigenes Blog mit einem Poster oder Bildern oder Handarbeiten oder Zeichnungen oder was auch immer vorstellen zu können, dabei mit anderen Bloggern derselben Branche (Fotoblogs, Blawgs, Handarbeitsblogs, Politik-Blogs, Fashion-Blogs usw.) ins Gespräch zu kommen und am Ende z.B. den “Goldenen Blogger” für den besten Blogeintrag zu wählen. Es sollte auch kleine Referate zu wichtigen Blogger-Themen geben. Und man könnte ein paar prominente Blogger einladen, die dann über ihre Erfahrungen im Web 2.0 berichten …

Ich denke, dass man für eine solche Veranstaltung – mit potentiell 500 Thüringer Blogs – auch Sponsoren bräuchte. Ja, Sponsoren. Und vielleicht finden sich ja ein paar Firmen aus dem Thüringer Silicon Valley, oder Parteien oder NGOs, die Bock hätten, die @gora zu unterstützen.

Und vielleicht kommen ja auch das Radio (Landeswelle hat ein eigenes Blog) oder Zeitung (die Zeitungsgruppe Thüringen hat auch Blogs) oder auch das Fernsehen. Die sind ja neugierig geworden, was hier so im Netz abgeht.

Thüringer Blogs

Architektur-Blogs/Baublogs/Wohn-Blogs:
Innensanierung der Stadtkirche Jena
Traco Manufactur (Bad Langensalza)
Unser DEURA-Haus in Oberndorf (Erfurt)
Immo-San GmbH (Greiz)
Bergmann (Weimar)
das blog.haus (Weimar)
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Thüringer Bloggerin im Fernsehen

Vor ein paar Wochen fragte man bei der THÜRINGER BLOGZENTRALE an, ob es denn Thüringer Blogger gäbe, die gern ins Fernsehen wollen. Wir leiteten die Anfrage per Twitter weiter:
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Und gestern war es dann soweit. Die Bloggerin Sandy aus Jena wurde mit ihrem Blog Confiture de Vivre im MDR porträtiert: