Archive for the 'Thüringen' Category

Pennälertheater: Premiere für Faust und Intendant

Von Neidhart von Schwarzburg

faust

Nur fünf Vorhänge, höflicher Applaus, ein paar Buhrufe und ein Türenschlagen, das ist die Ausbeute des gestrigen Abends. Der neue Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Hasko Weber, hätte gestern die Gelegenheit gehabt, wieder gut zu machen, was in Stuttgart vor acht Jahren bereits einmal gründlich danebenging: … doch er hatte anderes vor.

materdolorosaAus Goethes zeitlosem Meisterwerk wurde eine würde- und instinktlose Nummernrevue mit Slapstickeinlagen und Klamauk, wie geschaffen für gelangweilte Thüringer Schulklassen, die künftig das DNT besuchen müssen und dann Gelegenheit haben, das mit Obszönitäten und Zoten durchwirkte Stück per Smartphone mit ihren Freunden zu teilen.

Das karge Bühnenbild, die blassen Hauptdarsteller, die schnellen Schnitte zwischen den Szenen, die Videoeinspieler und die Zahl der Protagonisten (acht für alles) geben beredtes Zeugnis von der finanziellen Ausstattung des DNT. Alles wirkte so billig und gewöhnlich wie der Schlager von Karel Gott(!), mit dem Mephisto (Sebastian Kowski als einziger wirklicher Lichtblick der Inszenierung) den Faust (Lutz Salzmann, offenbar überfordert) zur Reise um die Welt zu überreden suchte.

Den größten Mißton dieser Inszenierung setzte allerdings das Gretchen. Hasko Weber läßt sie zur Anrufung der Gottesmutter – dem zartesten und verzweifeltsten Ausdruck ihrer Schande – nicht vor einem Marienbildnis knien, sondern wieder und wieder von Stuhl springen, um das Kind Fausts abzutreiben. Nora Quest unterstützt die Profanisierung der Unschuld Gretchens, indem sie Zeile um Zeile herunterleiert und nur da ein wenig Gefühl zeigt, wo sie schreit.

Dieses Stück setzt den Akzent nicht auf das vielleicht Erlösende im Reinen und im Glauben und Vertrauen, sondern auf das zynische Lob des Schmutzig-Dunklen und Abgeklärt-Egoistischen. Manifest wird dies unter anderem im Osterspaziergang, den Salzmann in herablassend-arroganten Spott kleidet. Das Volk wird mit seinem “Hier bin ich Mensch, hier darf sich sein” von einem angeekelten Faust verhöhnt. Das Lachen, das dieser “Faust” erzeugt ist kein frohes, befreiendes, sondern ein rohes, beklemmendes, wenn man ungläubig zuschauen muss, wie Mephisto Marthe mit einem langen Ringelpenis verführt. Diese groteske Obszönität war wohl einem Zuschauer zuviel, so dass er das Theater laut Türen schlagend verließ. Zum Glück hat man – offenbar in letzter Minute – auf eine Duschszene verzichtet.

Die an überraschenden Regieeinfällen sonst recht arme Inszenierung mit erheblichem Interpreationsspielraum läßt den Darstellern, die sich redlich mühen, viel Gelegenheit, wenigstens ihr komisches Talent unter Beweis zu stellen. Der seltene Szenenapplaus ist jedoch am lautesten als Mephisto sein “Ein Dilettant hat es geschrieben, Und Dilettanten spielen’s auch” zum Besten gibt.

Hasko Webers “Faust” am Weimarer Nationaltheater ist nicht nur enttäuschend, er ist eine Schande. Der neue Intendant sollte in Gretchens Lied einstimmen, er wird es brauchen.

Konsul Hoffmeister wird die TLZ verlassen

Der polnische Honorarkonsul Hans Hoffmeister wird in Rente geschickt:

    “Hans Hoffmeister, Chefredakteur der “Thüringischen Landeszeitung” (TLZ), geht Ende August nach 22 Jahren an der Spitze der Redaktion in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird der langjährige Chefredakteur der “Leipziger Volkszeitung”, Bernd Hilder.”

läßt die Funke-Mediengruppe, zu der die Zeitungsgruppe Thüringen mit TLZ, OTZ und TA gehört, verkünden.

Ob der stockkonservative Westdeutsche Hilder, der bei der Wahl zum MDR-Intendanten durchfiel, die richtige Lösung ist, darf bezweifelt werden. Zur neuen politischen Firmenlinie der Zeitungsgruppe Thüringen passt er allemal. Und die Landesregierung wird es freuen.

Wie wir finden, dass Hoffmeister seinen Posten verläßt, müssen wir wahrscheinlich nicht weiter erläutern.

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Hochwasserkatastrophe 2013 trifft Thüringen

Im Zeitraffer kann man hier verfolgen, wie das das Ernst-Abbe-Sportfeld Jena in der Saale versinkt (dank FCCAM.de):

Derweil ist eine Talsperre übergelaufen. und die Bundeswehr wurde zu Hilfe gerufen. Ebenso repräsentativ wie das obige Video für die Hochwasserkatastrophe, die inzwischen Thüringer Kulturschätze bedroht, ist dieses Bild.

Popcorn: Bodo Ramelow vs. Zeitungsgruppe Thüringen

Der Streit zwischen Bodo Ramelow und der Zeitungsgruppe Thüringen geht in die nächste Runde. Diesmal sind angebliche Rücktrittsforderungen Ramelows Gegenstand der Auseinandersetzung.

Popcorn02Der Fraktionschef der Linken im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, soll den Landesvorsitzenden der Thüringer Linken, Knut Korschewsky, nach dem Wahlskandal der letzten Woche zum Rücktritt aufgefordert haben. Die Thüringer Allgemeine titelte:

Nach Wahldebakel: Ramelow fordert Rücktritt Korschewskys

Im Text wird die Forderung dann so umschrieben:

“Dann steht Bodo Ramelow, der Landtagsfraktionschef, auf: Er fordert Korschewsky, der seit 2004 im Amt ist, zum Abschied auf. Wer Teil des Problems sei, sagt er, könne nicht Teil der Lösung sein.”

Bei der Thüringischen Landeszeitung las sich das so:

Fraktionschef Bodo Ramelow fordert indes im Vorstand eindeutig einen Rückzug Korschewskys. Wer das Problem sei, könne nicht Teil der Lösung sein, lautet seine Begründung.

Prompt widersprach Ramelow per Facebook, Blog und vermutlich wohl auch per Unterlassungserklärung:

Sehr geehrte Damen und Herren!
Am gestrigen Abend habe ich anlässlich der Landesvorstandssitzung der Thüringer Linken weder den Rücktritt des Landesvorsitzenden Knut Korschewsky beantragt noch verlangt.
Ich habe die Sitzung des Gremiums am späten Abend verlassen nach dem ich ausreichend Gelegenheit hatte, meine Sicht und Analyse vorzutragen und nach Geschäftsordnung meine Redezeit erschöpft war.
Die Entscheidungen des Landesvorstandes nehme ich mit Respekt zur Kenntnis.
Bodo Ramelow

Jedenfalls ist die angebliche Rücktrittsforderung nun im Onlineauftritt der Zeitungsgruppe Thüringen nicht mehr – wie ursprünglich – mit der eigentlichen Schlagzeile zu finden. Obwohl sowohl Martin Debes als auch Elmar Otto, beides erfahrene Politkorrespondenten, übereinstimmend behauptet hatten, Ramelow hätte den Rücktritt Korschewskys gefordert.

Bis hierhin hätte man das Ganze als ein kollektives Versehen oder übereifrige Hermeneutik interpretieren können. Aber die Thüringer Allgemeine legt nach: In einem Leitartikel unter dem merkwürdigen Titel “Der doppelte Ramelow” wird die Behauptung wiederholt und dann Bodo Ramelow in Rechnung gestellt: Mit zurückgenommenen Rücktrittsforderungen mache Ramelow den Parteichef Korschewsky “flügellahm”.

Hier macht die Thüringer Allgemeine offenbar Politik. Welche Art von Politik ist nicht schwer zu erraten.

Die Auseinandersetzung zwischen Bodo Ramelow und der Zeitungsgruppe Thüringen hat jedenfalls eine längere Geschichte, in der auch schonmal der Deutsche Presserat eingeschaltet wurde und in der eine ausgewogene Berichterstattung offenbar explizit eingefordert werden muss.

 

Ein Hauch von Digitaler Demokratie in Thüringen

Die Thüringer Parteien sind sich einig: Das Internet ist gefährlich. Aber man kann es gut zur “Vermittlung” der eigenen Politik benutzen. Hier glaubt jeder, er sei ganz vorn. Die eigentliche Sensation wurde gestern im Thüringer Landtag eher nebenbei erwähnt.

podium

Ach, die Stimmung war glänzend gestern im Thüringer Landtag. Die Fraktionsvorsitzenden der Thüringer Landtagsparteien saßen in so großer Eintracht beisammen, dass der aus Berlin zugereiste Tagesspiegel-Journalist Joachim Huber, der die Veranstaltung moderierte, ganz verwundert in die Runde fragte, ob das hier immer so liefe.


Thüringen, Land der Harmonie.

Es lag wahrscheinlich am Thema. Alle Beteiligten auf dem Podium waren sich nämlich vor allem in ihrer Unkenntnis und ihrer Skepsis dem Internet gegenüber einig. Was man wußte war, dass es dort “anonymes Cybermobbing” gibt, da, in “diesem” Internet. Ach ja, und dass man das vielleicht benutzen kann, um “dem Bürger” die eigene Politik zu “erklären”. Ja, und das war dann im Grunde auch der Tenor der Veranstaltung, die die Thüringer Landesmedienanstalt zusammen mit der Landeszentrale für politische Bildung organisiert hatte.

Die Gäste durften sich drei Vorträge anhören, bis die Fraktionsvorsitzenden der Parteien langsam eintrudelten und das Podium einnahmen. In den Vorträgen ging es überwiegend um die Gefahren, die vom Internet ausgehen: die Gefahr für den Ruf, die Gefahr für den Kreislauf, die Gefahr für die Demokratie.

Einzig die Referentin Frau Thimm brach eine Lanze für das demokratische Potential des Internets als Sprachrohr der sonst Ungehörten.

thimm

Für die Politiker auf dem Podium war dagegen relevant, welchen Zweck das Medium für sie erfüllen könnte. Und so stritten sich die Herren darüber, wer den längsten Twitteraccount hat und wurden bei dem Thema “anonyme Kommentare” plötzlich zu Pastorentöchtern. Das ginge gar nicht. TLM-Chef Fasco verstieg sich sogar zu der Behauptung, wer anonym beleidige, mißbrauche seine Freiheit:

Jochen Fasco war aber auch ganz spontan – auf den Vorschlag von Veranstaltungsteilnehmern – bereit, hinter dem Podium eine unmoderierte Twitterwall zu eröffnen. Und so bekam die sonst recht dröge Veranstaltung erheblichen Drive. Wenn sich die Fraktionsvorsitzenden in Bandwurmsätzen lobend über die Social-Media-Strategie ihrer Fraktion ergingen, konnten die Zuhörer im Raum korrigierend eingreifen.

Die eigentliche Sensationsinformation der gesamten Veranstaltung wurde fast nebenbei fallengelassen: In ihrer einführenden Rede erwähnte die Thüringer Landtagspräsidentin Diezel, dass der Thüringer Landtag das erste Parlament mit einem offenen Diskussionsforum für Gesetzesvorhaben sei. Die Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge müssen von den Abgeordneten gelesen werden und würden in die Entscheidungsfindung des jeweilig befassten Ausschusses einbezogen werden. Der Ausschußvorsitzende sei verpflichtet, hierüber Bericht zu erstatten.

Das ist tatsächlich neu. So neu, dass das im Dezember gestartete Forum bisher kaum Resonanz bekam.

forum

Also, ja, doch, ein bißchen Aufbruchsstimmung im kleinen Thüringen. Wenn sich die Parteien jetzt nur noch darauf verstehen könnten, wer das größere Ohr und nicht den größeren Mund hat, dann wird das zunehmend besser klappen mit der digitalen Demokratie, hier, im Land der Harmonie.

Eine umfassende Beschreibung der Veranstaltung kann man sich bei der Thüringer Allgemeinen nachlesen. Die Twitterwall gibt es unter den Hashtags #tlm und #tlm2013

Ramelow vs. Ponader

Am 4.7.2012 erklärt der politische Geschäftsführer der Piratenpartei, Johannes Ponader, er wolle sich künftig von der Arbeitsagentur nicht mehr gängeln lassen und wolle auf Sozialleistungen verzichten. Bis dahin bezog der arbeitlose Autor, Regisseur, Schauspieler und Theaterpädagoge Arbeitslosengeld II, das sogenannte Hartz IV. Das war in der Talk-Sendung “Günter Jauch” öffentlich geworden und hatte erhebliche Kritik ausgelöst. Tenor: Die Piratenpartei läßt sich das Personal durch den Steuerzahler finanzieren.

Einer der prononciertesten Kritiker Ponaders war der Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow. Der griff den Bundesgeschäftsführer der Piratenpartei zunächst per Twitter an.

Das rief ein kleines “Shitstürmchen” hervor, dem Bodo Ramelow mit einiger Gelassenheit begegnete. Die Auseinandersetzung gipfelt nun in einem Streitgespräch, das heute ab 11 Uhr live ins Internet übertragen wird. Ein Novum, das man nicht verpassen sollte. Hier kann man Parteien, die vom Mainstream ignoriert werden, bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit beobachten und den Erfolg unmittelbar messen. Ponader und Ramelow sind beide unterhaltsame Rhetoren. Es könnte also durchaus spannend werden.

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NACHTRAG (12.00 Uhr):

Aber es war leider alles andere als spannend. Ein höflich-langweiliger Austausch bekannter Positionen zweier Politiker, die sich im Vorfeld abstimmten, ob sie sich vor der Kamera nun duzen oder siezen sollten.

Die für 10 Uhr angekündigte Livesendung verschob sich wegen technischer Schwierigkeiten auf 10.35 Uhr.

Der frühe Zeitpunkt (10 Uhr) war neben der so uninformierten wie drögen Moderation, die Ramelow und Ponader ermöglichte, sich uneingeschränkt und nahezu unhinterfragt auszubreiten und den technischen Schwierigkeiten, wohl der wichtigste Grund, warum die Zuschauerzahl nicht einmal die 1000er-Marke knackte. Lediglich rund 300 Neugierige verirrten sich auf den Livestream.

Für Bodo Ramelow war dieses “Gipfel”-Treffen im Erfurter Studio des Lokalsenders Salve-TV aber trotz alledem gleichbedeutend mit nichts weniger als der Gründung der SPD.

Nun ja, es war immerhin ein Anfang. Besser kann man es immer noch machen. Was man für so etwas aber in jedem Fall braucht, ist ein professioneller und informierter Moderator.

Brief der Redaktion der Thüringer Allgemeinen an ihren Chefredakteur Paul-Josef Raue

Sehr geehrter Herr Raue,

wir Redakteurinnen und Redakteure der Thüringer Allgemeinen beobachten die Entwicklung unserer Zeitung mit großer Sorge. Die Auflagenzahl sinkt ungebremst, die Abbestellungen befinden sich auf dramatischem Niveau. Offenbar brachten der Neustart der Zeitung mit anderem Layout und veränderter Seitenfolge sowie die versuchte Umorganisation der Redaktion nicht den von uns allen gewünschten Erfolg.

Im Gegenteil. Die Zeitung verliert in den Augen vieler Leser an Relevanz. Es mangelt zunehmend an spannenden Geschichten, exklusiven Nachrichten und gut lesbaren Autorenbeiträgen. Im Mantel findet sich ein hoher Anteil an Agenturbeiträgen. Der Thüringen-Teil lässt Brisanz vermissen. Die Aufmachung der Beiträge wirkt oft bieder. Ein Leseanreiz mittels innovativer, aber maßvoller Optik findet kaum statt.

Ihre Antwort kennen wir aus Ihren Ansprachen: Die Redakteurinnen und Redakteure tragen die Schuld. Sie seien ja dazu angehalten, spannende Geschichten zu produzieren und die Ausgaben zu gestalten – und scheiterten daran. Diesen Vorwurf haben Sie auch unseres Wissens des Öfteren außerhalb der Redaktion öffentlich geäußert. Damit führen Sie allerdings selber Ihre redaktionelle Verantwortung als Chefredakteur ad absurdum.

Jeder von uns muss seine Arbeit täglich kritisch überdenken. In einer Redaktion sollte es selbstverständlich sein, über die Qualität der Beiträge, die Themenfindung und die Aufmachung der Artikel ständig zu reden. Nur durch Kommunikation kann es zu Verbesserungen kommen, gerade durch den Austausch entstehen Ideen.

An dieser redaktionellen Kommunikation fehlt es. Sie wird geradezu unter Ihrer Leitung verhindert. Ein organisierter, vertrauensvoller Kontakt zwischen den Redakteuren findet nicht mehr statt. Redaktionskonferenzen, wie sie in allen relevanten Zeitungen zur bewährten Praxis gehören, wurden formlos abgeschafft. Redaktionelle Belange werden allenfalls im kleinsten Kreis Ihres Stellvertreters und der beiden Desk-Chefs besprochen. In den Telefonrunden des Regional-Tisches mit den Lokalredaktionen wird diktiert statt kommuniziert.

Mit dieser Glaskasten-Mentalität schätzen Sie demonstrativ die Kreativität und Kompetenzen der Mitarbeiter gering. In den seltenen Reporterberatungen geht es nicht um die Tagesausgabe, sondern um langfristige Projekte.

Diese Projekte – Grenzwanderungen, Serien oder Foren – binden sowohl in den Lokalredaktionen als auch in der Mantel-Belegschaft große Teile der geringer gewordenen Personalressourcen. Positive Reaktionen der Leser darauf sind überschaubar. Aus persönlichen Kontakten, Anrufen und Zusendungen wissen wir, dass es einen Übersättigungseffekt bei Serien mit zum Teil mehr als 20 Folgen gibt. Oft sind die Serien historisierend: Es geht meistens um Vergangenheitsbewältigung. Häufig schreibt die Thüringer Allgemeine in belehrendem und gelegentlich sogar missionierendem Ton an Lebenswelt und Bedürfnissen ihrer Leser vorbei.

Dies alles findet vor dem Hintergrund eines stetigen Personalrückganges statt. In den Lokalredaktionen herrscht chronischer Personalmangel. Eine Reaktion auf die Klagen der Kollegen in den Lokalredaktionen und an den Produktions-Tischen über die wachsende Arbeitsbelastung ist nicht erkennbar. Die Kollegen fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen. Die jeweilige Zuständigkeiten von Regional-Tisch und Lokalredaktionen sind nur unzureichend geregelt.

In der Mantelredaktion hat sich in den vergangenen drei Jahren die Belegschaft in den Ressorts Kultur, Wirtschaft und Landesredaktion halbiert. Die Ressorts Politik und Unterhaltung verschwanden ganz. Mehrere, vor allem jüngere Mitarbeiter kündigten. Ein Widerstand oder Bedauern Ihrerseits waren nicht spürbar.

Das verbliebene Redaktionspersonal ist kaum noch organisiert. Inhaltliche Zuständigkeiten bleiben immer öfter dem individuellen Engagement der Kollegen überlassen. Ist der betreffende Mitarbeiter im Urlaub oder krank, findet das Thema nicht mehr statt. Bestimmte Themen werden gar nicht mehr behandelt.

Die beiden Verantwortlichen für die Produktionstische können die Lücke nicht schließen. In ihrer Funktion wurden Aufgaben gebündelt, die früher von einer vierköpfigen Chefredaktion, einem Chef vom Dienst und den Lokalchefs und Ressortleitern übernommen wurden. Personalplanung, Redaktionsorganisation, Terminmanagement, Themenfindung, Blattproduktion, Qualitätssicherung – niemand kann dieser Personalunion sinnvoll gerecht werden.

Diese Situation hat das Klima in der gesamten Redaktion auf einen bisher ungekannten Tiefpunkt sinken lassen. Demotivation wird geradezu organisiert. Blattmacher und Reporter, Lokal- und Mantelredakteure aber auch zunehmend einzelne Mitarbeiter werden gezielt gegeneinander ausgespielt. Die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Produkt sinkt. Entsprechende Hinweise des Betriebsrates führten zu keiner erkennbaren Reaktion seitens der Chefredaktion. Der Betriebsfrieden ist inzwischen gefährdet.

Die Herausforderung bleibt bestehen, angesichts der wirtschaftlichen Zwänge des Verlags, der demografischen Entwicklung und eines sich verändernden Medienkonsums den erfolgreichen Fortbestand der Tageszeitungen der Zeitungsgruppe Thüringen zu sichern. Wir wollen mit Ihnen gemeinsam daran arbeiten.

Deshalb fordern wir:

1. Die Wiedereinführung einer täglichen Redaktionskonferenz, die für die gesamte Redaktion offen ist und in die die Ergebnisse und Einschätzungen einer echten Lokal-Konferenz gleichberechtigt einfließen, in welcher eine inhaltliche Debatte ermöglicht wird.

2. Die Einrichtung von zwei Arbeitsgruppen, die jeweils bis Ende Juni Vorschläge zur Verbesserung der Organisationsstruktur Mantelredaktion-Newsdesk und Lokalredaktionen-Regionaldesk erstellen und alle Projekte unter Berücksichtigung der Ressourcen neu bewerten.

3. Eine offene Debatte über inhaltliche Veränderungen der Zeitung und nötige Anpassungen der Blattstruktur, die eine noch stärkeren Gewichtung der Lokal- und Regionalberichterstattung ermöglichen und gleichzeitig den überregionalen Anspruch einer wichtigen Stimme in Ostdeutschland wieder herstellen – um einem möglichst breiten Leser-Spektrum und der demokratischen Funktion einer Zeitung gerecht zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Hoffmeister schlägt wieder zu

In der THÜRINGISCHEN LANDESZEITUNG vom 04.06.2012, S. 3, schreibt Chefredakteur Hans Hoffmeister unter dem Titel “Warum wir die Linke brauchen”:

    Eine starke, als kompetent wahrgenommene Linke als Oppositions-, besser Treibmittel der ”Großen” wäre endlich zu wünschen gewesen. Ihre Zukunft steht jetzt in den Sternen. Ihre nächste Krise kommt bestimmt. Und so unselige, dubiose Bewegungen wie die Piraten auch.

Bereits vor zwei Wochen schlug Hoffmeister vor, die Piraten “auszutrocknen”.