Archive for the 'Blogosphäre' Category

Tore tanzt: Film über Eisenacher Sklavenmord im ZDF

Das ZDF zeigt Montagnacht das Psychodrama „Tore tanzt“, in dem das Schicksal eines lernbehinderten jungen Mannes gezeigt wird, der von einem Ehepaar wie ein Sklave gehalten und dessen toter Körper an einer Autobahnausfahrt bei Eisenach abgelegt wurde. Bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes wurde der Film 2013 uraufgeführt.

Es gab Buhrufe bei der Uraufführung.

Einigen war dieser Film, wohl zu grausam, hinterläßt er doch keine Hoffnung für den Protagonisten. Doch der Film “Tore tanzt” ist sehr nah an die wirklichen Geschehnisse angelehnt:

Thies F. mußte Sklavenarbeit verrichten, hungern, madiges Fleisch essen und wurde auf den Homosexuellenstrich geschickt. Sein “Hauptzweck” aber war seine Sozialhilfe, die von seinem Peiniger einbehalten wurde. Der Haupttäter wurde zunächst nur zu einer geringen Haftstrafe (8 Jahre) verurteilt, die nach einer Revision in eine lebenslange Haft umgewandelt wurde.

Der Körper des jungen Mannes wurde zunächst anonym bestattet, sein Kopf wurde in die Gerichtsmedizin nach Jena überstellt.

Nach Ermittlungen und Berichten über den Fall konnte der Leichnam – mit Hilfe einer Spendenaktion – nach Weimar bei Kassel, den Wohnort der Mutter, überführt werden.

Die Mutter des Opfers hat für ihren Sohn eine Webseite gestaltet. Hier findet sich eine Übersicht über die Zeitungsberichte und eine Biographie ihres Sohnes.

Der Film “Tore tanzt” setzt dem jungen Mann nun ein erschütterndes Denkmal. Und er hinterläßt die unbeantwortete Frage, wie derartige Grausamkeiten überhaupt möglich sind. Dramaturgisch wird der Protagonist des Films als überzeugter Christ dargestellt, der der Brutalität des Täters mit einer unerschöpflichen Liebe nach dem Beispiel Jesu begegnen will und letztlich genau daran zugrunde geht.

Was bleibt von Thies?

Die Regisseurin sagt in einem Interview, sie habe beim Lesen des Leidensweges von Thies F. weinen müssen. Sie hat einen Film daraus gemacht, den Du jetzt auch kennst.

Foto- und Ideenklau bei der Thüringer Landeszeitung?

Vor ca. 5 Tagen bekamen wir einen Hinweis per Twitter:

Philipp Wiegand fragte uns, was es mit dieser merkwürdigen Ähnlichkeit dieses TLZ-Projekts und des Projektes “Zeitsprung” aus Weimar auf sich haben könnte.

Wir haben recherchiert und die Beteiligten angeschrieben und angefragt. Die Antwort von Alexander Rutz, dem Erfinder und Macher von Zeitsprung:

Seit Dienstag ist die Seite der TLZ offline. Ein Verantwortlicher von der TLZ ist auch nach Anfrage per Mail und telefonische Bitte um Rückruf für uns nicht erreichbar.

Läßt sich Pegida mit “Entheimatungsangst” erklären?

In der Talk-Sendung “Günter Jauch” zum Thema Pegida tauchte erstmals ein Begriff im öffentlichen Bewußtsein auf, der das, was Menschen, die sich gegen Asylantenzustrom wehren, umtreiben könnte: “Enheimatungsangst”. Was bedeutet dieser Begriff und ist er hilfreich?

muehle1
Ausgesprochen wurde der Begriff “Entheimatungsangst” von dem ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse. Was ist mit diesem Begriff gemeint?
(more…)

Landesmedienanstalt sucht Thüringer Blogger

Wir suchen für ein Projekt einen Blogger, der über interkulturelle Themen schreibt oder sich damit auskennt. Dabei sind keine Grenzen gesetzt – ob der Themenschwerpunkt nun Integration ist oder Ihr viel Kontakt zu Menschen auf der ganzen Welt habt: Hauptsache, es hat was mit dem großen Themengebiet Kulturaustausch zu tun und Ihr bloggt gelegentlich darüber.

Am 21. Juni findet in Gera das Brückenfest statt, ein internationales Kultur- und Musikfest. Für eine Gesprächsrunde beim Fest suchen wir deshalb einen Blogger, der sich in dieser Thematik wiederfindet und Lust hätte, 4-5 Fragen in einem Interview dazu zu beantworten (wäre auch super Werbung für das eigene Blog ;)). Die Fahrt- bzw. Übernachtungskosten werden voll erstattet.

Alles Weitere können wir gern per E-Mail unter info@tlm-okgera.de abklären.

Wir freuen uns über Eure Antwort.

Thüringer Landesmedienanstalt
Offener Kanal Gera
Webergasse 6/8
07545 Gera

Pennälertheater: Premiere für Faust und Intendant

Von Neidhart von Schwarzburg

faust

Nur fünf Vorhänge, höflicher Applaus, ein paar Buhrufe und ein Türenschlagen, das ist die Ausbeute des gestrigen Abends. Der neue Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Hasko Weber, hätte gestern die Gelegenheit gehabt, wieder gut zu machen, was in Stuttgart vor acht Jahren bereits einmal gründlich danebenging: … doch er hatte anderes vor.

materdolorosaAus Goethes zeitlosem Meisterwerk wurde eine würde- und instinktlose Nummernrevue mit Slapstickeinlagen und Klamauk, wie geschaffen für gelangweilte Thüringer Schulklassen, die künftig das DNT besuchen müssen und dann Gelegenheit haben, das mit Obszönitäten und Zoten durchwirkte Stück per Smartphone mit ihren Freunden zu teilen.

Das karge Bühnenbild, die blassen Hauptdarsteller, die schnellen Schnitte zwischen den Szenen, die Videoeinspieler und die Zahl der Protagonisten (acht für alles) geben beredtes Zeugnis von der finanziellen Ausstattung des DNT. Alles wirkte so billig und gewöhnlich wie der Schlager von Karel Gott(!), mit dem Mephisto (Sebastian Kowski als einziger wirklicher Lichtblick der Inszenierung) den Faust (Lutz Salzmann, offenbar überfordert) zur Reise um die Welt zu überreden suchte.

Den größten Mißton dieser Inszenierung setzte allerdings das Gretchen. Hasko Weber läßt sie zur Anrufung der Gottesmutter – dem zartesten und verzweifeltsten Ausdruck ihrer Schande – nicht vor einem Marienbildnis knien, sondern wieder und wieder von Stuhl springen, um das Kind Fausts abzutreiben. Nora Quest unterstützt die Profanisierung der Unschuld Gretchens, indem sie Zeile um Zeile herunterleiert und nur da ein wenig Gefühl zeigt, wo sie schreit.

Dieses Stück setzt den Akzent nicht auf das vielleicht Erlösende im Reinen und im Glauben und Vertrauen, sondern auf das zynische Lob des Schmutzig-Dunklen und Abgeklärt-Egoistischen. Manifest wird dies unter anderem im Osterspaziergang, den Salzmann in herablassend-arroganten Spott kleidet. Das Volk wird mit seinem “Hier bin ich Mensch, hier darf sich sein” von einem angeekelten Faust verhöhnt. Das Lachen, das dieser “Faust” erzeugt ist kein frohes, befreiendes, sondern ein rohes, beklemmendes, wenn man ungläubig zuschauen muss, wie Mephisto Marthe mit einem langen Ringelpenis verführt. Diese groteske Obszönität war wohl einem Zuschauer zuviel, so dass er das Theater laut Türen schlagend verließ. Zum Glück hat man – offenbar in letzter Minute – auf eine Duschszene verzichtet.

Die an überraschenden Regieeinfällen sonst recht arme Inszenierung mit erheblichem Interpreationsspielraum läßt den Darstellern, die sich redlich mühen, viel Gelegenheit, wenigstens ihr komisches Talent unter Beweis zu stellen. Der seltene Szenenapplaus ist jedoch am lautesten als Mephisto sein “Ein Dilettant hat es geschrieben, Und Dilettanten spielen’s auch” zum Besten gibt.

Hasko Webers “Faust” am Weimarer Nationaltheater ist nicht nur enttäuschend, er ist eine Schande. Der neue Intendant sollte in Gretchens Lied einstimmen, er wird es brauchen.

Würstchen

Von Neidhart von Schwarzburg

Jetzt ist es raus. Endlich. Ich hab mich immer gefragt, warum ich ihn eigentlich nicht mag. Jetzt weiß ich es. Robert Basic hat in seinem Blog ein Video eingebettet:

Und er schreibt dazu:

    “Das Video da oben, … glaubt Ihr, dass ich immer nur der nette, liebe tolle Schüler war? Klar habe ich Scheidungskinder in der Grundschule in die Mitte unseren “netten” Gruppe gestellt, gehänselt, bis das Gegenüber geflennt hat. Klar habe ich es sogar mal geschafft, dass eine Schülerin nie wieder in unser ach so tolles humanistisches Gymnasium zurückkehrte, weil ich ein Mobbingspacko war. Klar komme ich nicht in den Himmel, was meinen Atomteilchen herzlich egal ist. Klar habe ich gelernt, wie deppert wir Menschen zueinander sein können.”

Kein Wort des Bedauerns. Kein Mitgefühl. Nicht mal ein halbherziger Versuch der Entschuldigung. Stattdessen selbstgerechter Stolz über seine “mutige Selbstoffenbarung”. Und er nimmt die berechtigte Kritik, die über ihn hereinbrechen wird, gleich vorweg:

    “Charakter gewinnt sich nicht dadurch, dass man immer nur nett und freundlich ist. Charakter formt sich durch alle Gegebenheiten aus. Auf Blogs? Die guten Erlebnisse zeigt man, die schlechten Erlebnisse auch, indem man altklug und vorwurfsvoll auf Dritte zeigt. Ich auch. Was ist aber mit den Dingen, die man nicht aufzeigt, weil man auf sich selbst zeigen müsste? Die blendet man lieber aus. Ich auch.”

Zeigt jetzt bloß nicht mit dem Finger auf mich, weil ich mich so geöffnet habe. Und dann klagt er über den Shitstorm, der nach diesem gefühllosen Mist über ihn hereinbrach:

    “Was lernt man also aus dem Arschlochdasein letztlich wirklich, wenn man beide Seiten kennengelernt hat?
    – Achte auf Deine Mitmenschen, selbst wenn sie riechen, duften, arm oder reich sind
    – Stelle Dich vor die Schwachen und Starken, auch wenn Du keine Freunde mehr haben wirst
    – Verstehe und respektiere beide Seiten, die in Menschen innewohnt
    – Bevor Du selbst höchsrichterlich über Dritte urteilst, lerne zu hinterfragen und ignoriere die Gruppe
    – Gebe nicht auf, obwohl Du dennoch verlieren wirst”

Warum macht man sowas? Wieso brüstet sich jemand öffentlich mit der herzlosen Scheiße, die er irgendwann mal gemacht hat? Basic erklärt das so:

    “das ist klar wie Hühnerbrühe, dass die meisten Vorstellungswelten so sind (mache dies, tue das, sage das, sonst bist du das und dies, wenn nicht…) und beinahe schon müßig es explizit zu schreiben. Was aber, wenn man den Fingerzeig selbst unten lässt, gehen dann die Finger der anderen hoch oder bleiben sie – was mich immer freut und höchst selten passiert – auch unten? Ich fordere Blogger dazu auf, sich mehr zu trauen, auch und weil es gerade die Fingerzeiger gibt und wir langsam in diesen Tabuisierungs-Wellen ersticken.”

Also nutzt er bekannte Reflexe – Arschlöcher auf ihre Arschlochigkeit hinzuweisen – um Aufmerksamkeit zu generieren? Wer sowas macht ist kein Arschloch. Der ist ein Würstchen. Kann man seine SEO-Nuttigkeit eigentlich noch besser unter Beweis stellen? Ich meine: Nein!

Papstwahl: Die ganze Welt schaut nach Rom

science1

Hubble Spies a Space Invader * In Medical First, a Baby With H.I.V. Is Deemed Cured * Man has 75% of his skull replaced with 3D copy * Stomach cancer ‘spotted by breath test’ * Huge lakes of water may exist under Europa’s ice * Nanoparticles loaded with bee venom kill HIV

Latte und Titte: Piraten Thüringen wollen Pornoarchiv anlegen

In einer – inzwischen vom Landesvorstand der Thüringer Piratenpartei wieder zurückgezogenen – Pressemeldung unter dem Titel “Pornografieverbot in Medien ist den Piraten weder Latte noch Titte” hieß es:

    »Wir nutzen unsere sämtlichen finanziellen Mittel, um Speicherkapazitäten in der Cloud anzumieten. Da 30% des Datenvolumens im Internet für Pornos gebraucht werden, müssen die Kapazitäten entsprechend hoch sein«, so Benjamin Ißleib, politischer Geschäftsführer der Piraten Thüringen. »Ein umfangreiches Archiv kann in Zeiten der Prohibition wertvoller als Gold sein. Die Alkoholprohibition in den USA der 20er Jahre hat uns schließlich gelehrt, dass die Renditen in besonders schwierigen Zeiten sehr hoch sind.« Weiter ruft Ißleib alle Leute dazu auf, sich an der Arbeitsgruppe “Save Our Porn” (AG SOP) zu beteiligen.

    Selbstverständlich lässt es sich die in Gründung befindliche AG SOP nicht nehmen, persönlich das eingehende Material zu sichten. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten können leider nur Piraten Mitglied der AG SOP werden.”

Die Wahrheit war den Piraten wohl doch zu heiß. Nachdem sich auch Bundesvorstandsmitglied Klaus Peukert eher angewidert geäußert hatte:

ruderten(! haha,lustig, oder?) die Thüringer Piraten zurück:

Und dabei war die PM schon im Papierkorb der THÜRINGER BLOGZENTRALE gelandet. Mit diesem Coup gelingt es Euch aber auch, ein bißchen Aufmerksamkeit für das eigentlich dahinterliegende Thema zu machen: Totalüberwachung. Denn ein totales Pornoverbot läßt sich nur damit durchsetzen.

In der Pressemeldung heißt es nämlich weiter:

    Das Filtern von Inhalten in Medien ist jedoch nicht möglich ohne staatliche Überwachungsmechanismen. Dass die EU jedoch auch hiervor nicht zurückschreckt, zeigen Projekte wie INDECT oder das gescheiterte ACTA. Hierfür werden immer neue Deckmäntel gesucht. Terroristen und dokumentierter Kindesmissbrauch scheinen nicht mehr zu genügen, es muss ein neuer Sündenbock her.

    Während sich Widerstand regt, z.B. in Form von Protestmails an EU-Abgeordnete, hat das europäische Parlament eine sehr demokratische Methode entdeckt, die Abgeordneten von der Meinung der Bürger abzuschotten. So wurden eigens zu diesem Zweck Filter eingerichtet, um Bürgeranfragen zu dem Thema abzublocken.

Schade, dass Ihr nicht den Arsch in der Hose habt, Leute. Dabei weiß doch keiner besser als Ihr:

.
NACHTRAG: Die Pressemeldung wurde inzwischen um folgenden Wortlaut ergänzt

Ergänzung zum Ban-On-Pornography-Kommentar

Die Absurdität der zunehmenden politischen Angriffe auf die Netzneutralität, die nun im gleichen Zug das freie Ausleben rechtlich unbedenklicher, individueller Sexualität weiter einschränken sollen, lässt die PIRATEN Thüringen nur kopfschüttelnd zurück und kann kaum mehr ohne Zynismus hingenommen werden. Die vorangegangene Mitteilung soll in ihrer Form und Aussage aber natürlich nicht unkommentiert stehen bleiben. Unsere Position zum möglichen Pornografieverbot ist deutlich differenzierter, was sehr gut aus einer Darstellung der Presseabteilung der Piratenpartei Deutschland hervorgeht:

Das Europaparlament wird am morgigen Dienstag über einen Initiativbericht abstimmen, der sich vordergründig gegen Sexismus und strukturelle Diskriminierung von Frauen wendet. Innerhalb des 19-seitigen Dokuments stellt die niederländische EU-Abgeordnete Kartika Tamara Liotard unter anderem die These auf, dass immer mehr junge Frauen und Männer unter so genanntem »Mainstreaming« von Pornografie litten. Deshalb möchte sie Pornografie in allen Medien verbieten. Hierzu, so schreibt der schwedische Europaparlamentarier Christian Engström in seinem Blog, ist es denkbar, dass freiwillige Vereinbarungen mit allen europäischen Internetprovidern getroffen werden.

»Während wir uns für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen und uns das Ende der strukturellen Diskriminierung von Frauen sehr am Herzen liegt, sind wir doch entsetzt über die historische Naivität, die das EU-Parlament mit diesem Initiativbericht an den Tag legt«, kommentiert die kulturpolitische Sprecherin der bayerischen Piraten, Tina Lorenz. »Die Forschung kennt weder eine allgemeingültige Definition von Pornografie, noch kann man Pornos ohne massive Eingriffe in die bürgerlichen Freiheitsrechte einfach so verbieten. Es käme zu Zensurmaßnahmen in bisher ungekanntem Ausmaß. Angesichts des zu bezweifelnden Widerspruchs von Pornografie und Geschlechtergerechtigkeit wäre dies unverhältnismäßig.«

Quellen:
[1] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+REPORT+A7-2012-0401+0+DOC+PDF+V0//EN
[2] http://christianengstrom.wordpress.com/an-eu-proposal-to-ban-porn-through-self-regulation/