Archive for the 'Blogosphäre' Category

Papstwahl: Die ganze Welt schaut nach Rom

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Hubble Spies a Space Invader * In Medical First, a Baby With H.I.V. Is Deemed Cured * Man has 75% of his skull replaced with 3D copy * Stomach cancer ‘spotted by breath test’ * Huge lakes of water may exist under Europa’s ice * Nanoparticles loaded with bee venom kill HIV

Latte und Titte: Piraten Thüringen wollen Pornoarchiv anlegen

In einer – inzwischen vom Landesvorstand der Thüringer Piratenpartei wieder zurückgezogenen – Pressemeldung unter dem Titel “Pornografieverbot in Medien ist den Piraten weder Latte noch Titte” hieß es:

    »Wir nutzen unsere sämtlichen finanziellen Mittel, um Speicherkapazitäten in der Cloud anzumieten. Da 30% des Datenvolumens im Internet für Pornos gebraucht werden, müssen die Kapazitäten entsprechend hoch sein«, so Benjamin Ißleib, politischer Geschäftsführer der Piraten Thüringen. »Ein umfangreiches Archiv kann in Zeiten der Prohibition wertvoller als Gold sein. Die Alkoholprohibition in den USA der 20er Jahre hat uns schließlich gelehrt, dass die Renditen in besonders schwierigen Zeiten sehr hoch sind.« Weiter ruft Ißleib alle Leute dazu auf, sich an der Arbeitsgruppe “Save Our Porn” (AG SOP) zu beteiligen.

    Selbstverständlich lässt es sich die in Gründung befindliche AG SOP nicht nehmen, persönlich das eingehende Material zu sichten. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten können leider nur Piraten Mitglied der AG SOP werden.”

Die Wahrheit war den Piraten wohl doch zu heiß. Nachdem sich auch Bundesvorstandsmitglied Klaus Peukert eher angewidert geäußert hatte:

ruderten(! haha,lustig, oder?) die Thüringer Piraten zurück:

Und dabei war die PM schon im Papierkorb der THÜRINGER BLOGZENTRALE gelandet. Mit diesem Coup gelingt es Euch aber auch, ein bißchen Aufmerksamkeit für das eigentlich dahinterliegende Thema zu machen: Totalüberwachung. Denn ein totales Pornoverbot läßt sich nur damit durchsetzen.

In der Pressemeldung heißt es nämlich weiter:

    Das Filtern von Inhalten in Medien ist jedoch nicht möglich ohne staatliche Überwachungsmechanismen. Dass die EU jedoch auch hiervor nicht zurückschreckt, zeigen Projekte wie INDECT oder das gescheiterte ACTA. Hierfür werden immer neue Deckmäntel gesucht. Terroristen und dokumentierter Kindesmissbrauch scheinen nicht mehr zu genügen, es muss ein neuer Sündenbock her.

    Während sich Widerstand regt, z.B. in Form von Protestmails an EU-Abgeordnete, hat das europäische Parlament eine sehr demokratische Methode entdeckt, die Abgeordneten von der Meinung der Bürger abzuschotten. So wurden eigens zu diesem Zweck Filter eingerichtet, um Bürgeranfragen zu dem Thema abzublocken.

Schade, dass Ihr nicht den Arsch in der Hose habt, Leute. Dabei weiß doch keiner besser als Ihr:

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NACHTRAG: Die Pressemeldung wurde inzwischen um folgenden Wortlaut ergänzt

Ergänzung zum Ban-On-Pornography-Kommentar

Die Absurdität der zunehmenden politischen Angriffe auf die Netzneutralität, die nun im gleichen Zug das freie Ausleben rechtlich unbedenklicher, individueller Sexualität weiter einschränken sollen, lässt die PIRATEN Thüringen nur kopfschüttelnd zurück und kann kaum mehr ohne Zynismus hingenommen werden. Die vorangegangene Mitteilung soll in ihrer Form und Aussage aber natürlich nicht unkommentiert stehen bleiben. Unsere Position zum möglichen Pornografieverbot ist deutlich differenzierter, was sehr gut aus einer Darstellung der Presseabteilung der Piratenpartei Deutschland hervorgeht:

Das Europaparlament wird am morgigen Dienstag über einen Initiativbericht abstimmen, der sich vordergründig gegen Sexismus und strukturelle Diskriminierung von Frauen wendet. Innerhalb des 19-seitigen Dokuments stellt die niederländische EU-Abgeordnete Kartika Tamara Liotard unter anderem die These auf, dass immer mehr junge Frauen und Männer unter so genanntem »Mainstreaming« von Pornografie litten. Deshalb möchte sie Pornografie in allen Medien verbieten. Hierzu, so schreibt der schwedische Europaparlamentarier Christian Engström in seinem Blog, ist es denkbar, dass freiwillige Vereinbarungen mit allen europäischen Internetprovidern getroffen werden.

»Während wir uns für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen und uns das Ende der strukturellen Diskriminierung von Frauen sehr am Herzen liegt, sind wir doch entsetzt über die historische Naivität, die das EU-Parlament mit diesem Initiativbericht an den Tag legt«, kommentiert die kulturpolitische Sprecherin der bayerischen Piraten, Tina Lorenz. »Die Forschung kennt weder eine allgemeingültige Definition von Pornografie, noch kann man Pornos ohne massive Eingriffe in die bürgerlichen Freiheitsrechte einfach so verbieten. Es käme zu Zensurmaßnahmen in bisher ungekanntem Ausmaß. Angesichts des zu bezweifelnden Widerspruchs von Pornografie und Geschlechtergerechtigkeit wäre dies unverhältnismäßig.«

Quellen:
[1] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+REPORT+A7-2012-0401+0+DOC+PDF+V0//EN
[2] http://christianengstrom.wordpress.com/an-eu-proposal-to-ban-porn-through-self-regulation/

Patrick Kurth hat seine Follower überprüft: Alles ok.

Stern.de hat sich mit den angeblichen Fake-Followern der FDP beschäftigt und ist bei seinen Recherchen offenbar auch auf die mutmaßliche Follewerschummelei bei Patrick Kurth in der THÜRINGER BLOGZENTRALE gestoßen. Man hat Kurth persönlich gesprochen und zu den Vorwürfen befragt. Der Autor des Beitrags, Thomas Schmoll, schreibt nun:


    “Deshalb entschloss sich Kurth nach eigener Aussage, seinen Account zu überprüfen. Der Test habe ergeben: alles okay.”

Dazu stellt sich spontan folgendes Bild ein: Patrick Kurth klickt kurz in seine Followerliste bei Twitter. Stellt fest, “alles ok” und klickt weiter. Im Beitrag des Stern werden aber noch bedeutendere Feststellungen über Patrick Kurths Twitteraccount gemacht:

    “Die Zahl echter Follower ist sehr hoch.” Und er hat immerhin knapp 14.500, also deutlich mehr als die FDP-Bundespartei.

DIE ZAHL ECHTER FOLLOWER IST SEHR HOCH!!!??einself? Was bedeutet das? Sehr hoch? 10%? 20? 50? Aber da es Patrick Kurth an Selbstbewußtsein nicht mangelt, hat er auch gleich eine wirklich “gute” Erklärung für seinen “Erfolg” bei Twitter parat:

    “Ich twittere zeitnah und persönlich, auch emotional, und nicht nach strategischen Erwägungen. Das macht den Blog lesenswert.”

Komisch nur, dass sich kaum jemand für seine so “persönlichen” und “emotionalen” Tweets interessiert und so selten jemand reagiert. Weder mit RTs noch mit @s. Retweets:2.0% @Contacts 21.5%.

Zum Vergleich Christian Lindner: Retweets: 6.5% @Contacts 51.5%, und Peter Altmaier: Retweets: 3.0% @Contacts 86.0%

Der Stern.de-Beitrag schließt mit einem Hinweis, der klar macht, wie Kurth früher zu Followern zu kommen versuchte:

    “Kurths Profil war im Bundestagswahlkampf 2009 von Twitter als vermeintlicher Spam-Account gelöscht worden. Zwei Wochen rang er damals mit dem Unternehmen, sein Profil zurückzubekommen. “Das war eine Ewigkeit.”

An der Praxis scheint sich nicht viel geändert zu haben. Vergleicht man Kurths Followerentwicklung bei Twitter Grader so ähnelt diese sehr stark der Verlaufskurve der Twitteraccounts denen er selbst folgt:

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Fraglich bleibt, ob er diese Verfolgungspraxis selbstständig durchführt oder per Bot oder Mitarbeiter automatisiert hat.

Seine etwas erfolgreicheren Politikerkollegen, wie Peter Altmaier oder Volker Beck folgen selbst übrigens deutlich weniger Accounts. Die Mär von den “emotionalen” und “persönlichen” Tweets als Ursache für den Followerreichtum Patrick Kurths erscheint vor diesem Hintergrund unglaubwürdig.

Ergänzt sei noch, dass die Accounts von Christian Lindner und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger offenbar einer Überarbeitung durch Twitter unterliegen. Twitter Grader versagt bei diesen Accounts, was vielleicht auch gar nicht so verwunderlich ist, wenn man sich den Fakefollowerquotienten von Christian Lindner und Sabine Leutheuser-Schnarrenberger anschaut …

Im politischen Berlin ist Patrick Kurth jedenfalls im Gespräch. Hat er es wieder geschafft, das alte Schlitzohr.

Der “Twitterkönig von Thüringen” oder “Fandealergate”

Der THÜRINGER BLOGZENTRALE wird wieder mit dem Rechtsanwalt gedroht. Diesmal durch den Geschäftsführer der Firma “Fandealer”, Mario Rönsch. Fandealer ist in den letzten Tagen ins Gerede gekommen, weil sie der FDP Follower bei Twitter besorgt haben soll.

Bei netzpolitik.de wurde bekannt, dass ein Mann mit dem Namen Mario Rönsch im Jahr 2010 Mitglied der thüringischen FDP geworden sein soll.

Da der Bundestagsabgeordnete der Thüringer FDP, Patrick Kurth, über eine außergewöhnliche Zahl an Twitter-Followern verfügt, stellten wir an Kurth und Rönsch die Frage, ob sie miteinander bekannt seien, ob Rönsch tatsächlich FDP-Mitglied sei und ob die Firma Fandealer am Followerwachstum von Kurths Twitter-Account beteiligt gewesen sein könnte.

Der Bundestagsabgeordete Patrick Kurth antwortete folgendermaßen:

Inzwischen hatte sich dann auch die Firma Fandealer per Twitter und per Mail in die Kommunikation eingeschaltet. Mario Rönsch, war nicht bereit, per Mail irgendwelche Auskünfte zu geben und drohte stattdessen mit einer Rechtsanwaltskanzlei. Per Twitter schrieb man:

(UPDATE: Fandealer hat die Tweets inzwischen gelöscht. Deshalb werden sie nicht mehr im Original-Tweetformat angezeigt. Wir dokumentieren die Rhetorik von Fandealer hier trotzdem mit Hilfe der original Tweetpublishfunktion von Twitter)

Wer mit dem Anwalt droht, hat oft ein begründetes Interesse daran, weitere kritische Nachfragen und Aufdeckungen zu verhindern. Man darf in diesem Fall gespannt sein, was das ist. Jedenfalls scheinen die Nerven bei Fandealer zum Zerreissen gespannt zu sein. Auf die Bitte, unsere Fragen zu beantworten, antwortete man folgendermaßen:

Wir bloggen die Bundestagswahl 2013 in Thüringen

Von Sven

Vor 6 Monaten bekamen wir einen Anruf. Eine große deutsche Partei fragte an, ob wir sie beraten wollen, beim Weg ihrer Bundestagsabgeordneten ins 21. Jahrhundert. Ein schönes Angebot. Es versprach viele Privilegien und einen einmaligen Einblick in die politische Kommunikation. Aber unsere Unabhängigkeit war uns wichtiger. Wir lehnten ab.

Diese kleine Episode verdeutlicht uns mindestens zweierlei:

1. Regionale Blogs und Blogger werden inzwischen durchaus als relevant wahrgenommen

2. Deutsche Parteien bewegen sich noch immer recht unsicher auf digitalem Terrain

Wie peinlich die Suche nach einer Internetstrategie ausfallen kann, wenn die nötige Basiskompetenz fehlt, zeigen die jüngsten Anwanzungsversuche des SPD-Bundestagskandiaten Peer Steinbrück.

Zunächst legte sich Steinbrück mit dem schillernden Medienmann Roman Maria Koidl, den er zum Architekten seiner Onlinestrategie ausrief, ein Ei ins Nest. Koidl war schnell weg vom Fenster, als herauskam, dass er auch schon Hedgefonds beraten hatte.

Ebenso schnell verschwand auch das sogenannte “Peerblog”. Ein Versuch, den amerikanischen Wahlkampf mit seiner privat und anonym finanzierten Parteienwerbung auf Deutschland zu übertragen.

Eine Amerikanisierung des Wahlkampfes mit großer Pose und geheimer Medienfinanzierung hat es auch in Thüringen bereits gegeben.

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Die CDU plakatierte den damaligen Ministerpräsidenten als “großen Führer” und erschien auch recht großzügig und auffällig positiv dargestellt in einer geheimnisvollen Internetpostille, die später auch als gedrucktes Journal fast alle Thüringer Haushalte erreichte. Die Hintermänner und Geldgeber von “Tolles Thüringen” (wir berichteten zuerst) sind bis heute nicht ermittelt.

Und CDU wurde im Landtagswahlkampf dann letztlich auch das Internet zum Verhängnis. Einerseits weil man sich dort ungehemmt über die lächerlichen Wahlplakate lustig machen konnte und weil bundesweit über unglückliche Plakatierungsstufen der Thüringer CDU diskutiert wurde. Andererseits weil bei Wikileaks ruchbar wurde, dass die Junge Union – damals noch angeführt von CDU-Generalsekretär Mario Voigt – gezielt und verdeckt die Wahlkampfauftritte der Linken besuchen und stören sollte. Auch das löste ein bundesweites Medienecho aus.

Was lernen wir daraus?

Das Durchstechen gezielter Indiskretionen findet vor allem in der aufgeheizten Atmosphäre des Wahlkampfes sein interessiertes Publikum auch im Internet.

Diesen Effekt machte sich im damaligen nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf das teilanonym geführte Blog “Wir in NRW” zunutze. Aus Hinterzimmergesprächen und privaten Emails bestand letztlich der Haufen Mist, der von Printjournalisten fleißig weiterverbreitet wurde, so dass Jürgen Rüttgers schließlich stürzte.

Heißt das, Blogs sind wirklich relevant?

Nicht per se. Die unterschiedlichen Standpunkte von Blogliebhabern hie und Blogverächtern da durchrauschen ja das jeweilige Medium in bemerkenswerter Regelmäßigkeit und denkbar kakophoner Dissonanz seit es das Phänomen Blog gibt.

Einerseits beklagten Vertreter der Holzmedien kürzlich wieder die “Volksreporter” und “Wie sich das Leben verändern wird, wenn unsere Kinder keine Zeitung mehr lesen”, um sich dann – man beachte(!) – durch das Internet vorhalten lassen zu müssen, dass sie ganz ganz schlecht recherchieren.

Andererseits bejubeln Professoren ohne Doktortitel im Magazin “pressesprecher” vollmundig und kenntnisarm die zunehmende “Substanz” der Blogosphäre, um doch letztendlich auch nur die üblichen Verdächtigen (Niggemeier, Lobo, Knüwer) als Kronzeugen einer professionellen Medienstrategie von Bloggern anzuführen.

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Da beklagen FAZ-Autoren das Bloggen als “rastlose Masturbation“, die ein unüberschaubares Überangebot an – ja auch guten – Texten produziert. Und Deutschlandradion ruft gar eine “Krise der Blogger” aus.

Dieser kulturpessimistischen Sicht stellt sich dann Teresa Maria Bücker in der FAZ ganz entspannt entgegen. Sie meint – am Ende eines langen, lesenswerten Essays:

“Bloggen kann eine Freiheitspraxis sein. Als ein Gespräch mit anderen oder mit sich selbst sind Blogs krisenfest, denn sie sind an nichts gebunden. Nicht einmal ans Netz.”

Dem wollen wir uns anschließen. Allein die Tatsache, dass es in Deutschland keinen Drudge-Report und keine Huffington Post gibt, heißt nicht, dass Blogs nicht relevant sind. In Deutschland herrschen andere Gesetze der Internetöffentlichkeit. Durch das Studium des amerikanischen Wahlkampfes und die blinde Übertragung auf deutsche Verhältnisse macht man aus einem Willy Brandt keinen Jack Kennedy und schon gar keinen Barack Obama aus einem Peer Steinbrück.  Zuallerletzt im anonymen Internet, in dem keine Schwäche ungesühnt bleibt und in dem uncoole Kandidaten gnadenlos zur Strecke gebracht werden.

Vielleicht ist das ja auch eine Folge des Systems, in dem in Deutschland die Kanzlerkandidaten von der Parteiführung ausgerufen und auf einem Parteitag nur nachträglich bestätigt werden. Anders als in den USA, in denen die Kandidaten bereits mehrere Vorwählkampfe bestehen müssen, ehe sie auf die breite Öffentlichkeit losgelassen werden.

Blogger sind frei. Auch in Deutschland.  Und auch hier läßt sich die Unterstützung für einen schlechten Kandidaten nicht simulieren. Schon gar nicht, da verschiedene Manipulationsversuche durch “Astroturfing” – vor allem durch Blogs – aufgedeckt wurden.

Unterstützung für Steinbrück in Weblogs entlarvt sich eigentlich selbst. Wer will diesen Mann schon ernstlich unterstützen? Mit der Unterstützung für andere Kandidaten zur Bundestagswahl sieht das wohlmöglich anders aus.

Blogs werden im Bundestagswahlkampf in Thüringen jedenfalls eine Rolle spielen. Nur ganz sicher anders, als es sich die  Strategen in den Parteizentralen erhoffen.

Das macht Hoffnung.

Hier im Blog herrschte in den letzten 6 Monaten Stille. Mancher schrieb die THÜRINGER BLOGZENTRALE deshalb schon ab. Aber anders als periodisch erscheinende Druckerzeugnisse sind Blogs eben nicht an irgendetwas gebunden, lediglich an Zeit und Lust von Autoren und Lesern. Die Bundestagswahl ist am 22. September. Bis dahin gibt es noch viele interessante Dinge zu sagen. Frei, ungefiltert, unbeeinflusst. Packen wir es an!

Bloggen wir die Bundestagswahl 2013 in Thüringen!

 

Where the hell is Matt 2012

… unter anderem an der Frauenkirche Dresden …

Die deutsche Blogosphäre ist am Ende … und keinen interessiert’s

Von Neidhart von Schwarzburg

Kaum noch Interaktion zwischen Blogs, meist SEO, PR, Pressemeldungen und Spam überall. Facebook, Twitter und traditionelle Medienunter- nehmen übermächtig. Diesen Eindruck kann man bekommen, wenn man zu einem beliebigen Thema das Internet befragt.

Die übliche Google-Suche listet zu aktuellen Themen zuerst meist News-Beiträge und Aggregatoren.

Auch wenn man tiefer und spezifischer sucht, bei Google-Blogsuche, Icerocket-Blogsuche oder Twitter-Search, die Suchergebnisse bestehen meist aus einem wüsten Gemisch aus Partei-Propaganda, Gadget-Werbung, Sex- und Jobangeboten.

Deutsche ehemalige Spitzenblogger sind inzwischen überwiegend zu Social-Media-Experten gegoren und verdingen sich bei Parteien und Unternehmen oder waren schon immer im Propagandageschäft und nutzen ihre quasi-journalistische Tätigkeit zur Selbstwerbung.

Große Debatten finden in der deutschen Blogopshäre praktisch nicht mehr statt. Falls doch irgendwo eine Diskussion hochkocht, wird sie sofort von etablierten Medien aufgregriffen und mit exzessiver Berichterstattung, Expertenbefragungen und Twitterschnipseln totgesendet.

Michael Stepper malt bei Philibuster den Teufel der Rückkehr zur alten Ordnung an die Wand. Seine Diagnose:


    “Während Blogger landauf, landab ihren einstigen Tatendrang langsam verlieren (weil a) nach wie vor kein funktionierendes Geschäftsmodell für ihr zeitintensives Hobby erkennbar wird und b) sie ihre Zeit, Gedanken und Inhalte laut Sascha Lobo lieber an die Social-Web-Mafia verschenken), schwänzelt die Mainstream-Journaille immer erfolgreicher um die Netzgemeinde herum. Besetzt nach und nach Themenbereiche, für die sich noch vor kurzem nur Blogs zu interessieren schienen.”

Im selben Ausmaß in dem jedoch professionelle bezahlte PR-Fachleute in das Internet eindringen und es mit irrelevanten Informationen zumüllen, läßt das Interesse der Blogger nach, sich weiter (füreinander) zu engagieren. Die Blogosphäre ist unübersichtlich geworden. Man fühlt sich wie ein Müllsucher im Jahrmarkt-Geschrei der I-follow-back-Experten.

Wer bei Social Collider nach dem Target “Thüringen” sucht, muss schier verzweifeln. Außer Linkspartei und Piraten, Sex, Jobs, Übernachtungsangeboten ist dort nichts zu finden:

Die zunehmende Professionalisierung durch Kommerzialisierung und Ideologisierung ist auch bei Blogpostaggregatoren zu beobachten. Dienste wie Rivva oder Ebuzzing, die eine Übersicht über die aktuell heiß diskutierten Themen verschaffen sollen, kommen nicht ohne Apple-Werbung und Einfach-Geld-von-Zuhause-verdienen-Seiten aus.

Steve Rückwardt kennt dagegen andere Gründe für die Blogmüdigkeit:

    Neid
    Link-Geiz
    Kommentar-Faulheit
    Rechtsunsicherheit

Das ist natürlich Quatsch. Neid oder Link-Geiz sind unnötig und ein guter Blogeintrag ist allemal einen Kommentar wert. Allein die Rechtsunsicherheit könnte so manchen von der Veröffentlichung einer kontroversen Meinung abhalten.

Dem entgegen stehen lautstarke Aufrufe “kleine geile Blogs” aufzumachen oder sich gegenseitig wieder stärker zu vernetzen.

Das nuf schreibt – einer Meinung mit Sascha Pallenberg:

    “Wir sollten uns wohl öfter gegenseitig erwähnen und Blogrolls wieder auferstehen lassen und so andere daran teilhaben lassen, was sie gerne lesen (deswegen ein Hoch auf Quote.fm!). Und damit bin ich sogar einer Meinung mit Herrn Pallenberg, der zur Beschreibung seiner re:publica Session geschrieben hat: “Anstatt sich staerker zu vernetzen und miteinander zu kooperieren, ist sie (die deutsche Blogosphäre) staerker denn je fragmentiert, kreist aber immer noch wunderbar um sich selbst.”

Das mit dem “öfter gegenseitig” erwähnen wird schwer, bei einer Überrepräsentanz von etablierten Massenmedien, die zusammen mit Facebook auch noch den letzten Rest Aufmerksamkeit fressen. Diese letzten verzweifelten Aufrufe verpuffen jedenfalls mit einem leisen ‘blobb’. Lediglich 3-4 Blogbeiträge zum Thema, das vor vier Jahren ganze Blogparaden provoziert hätte.

Die Blosophäre ist fragmentiert. Das sieht man beispielhaft auch an der Thüringer Blogosphäre, die sich zwar noch zu Barcamps oder auf Bürofluren trifft – aber eben nicht als Blogger, sondern als Mitarbeiter irgendeiner E-Commerce-Klitsche.

Zwei der bekanntesten Dystopien der Weltliteratur beschreiben den möglichen Einfluss der Massenmedien auf die Kontrolle der öffentlichen Meinung. Wenn man sich die Entwicklung der deutschen Blogosphäre im Internet so betrachtet, wäre das dann wohl ein 1:0 für Aldous Huxley:
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Digitale Demokratie. Wie das Internet die Politik verändert

Von Sven

Wer am 2. Mai aus dem Feiertagskoma erwacht ist und dann um 18 Uhr noch Lust hat, in einem Hörsaal zu sitzen, der darf sich auf den Besuch von Bloggerprominenz in Thüringen freuen. Don Dahlmann kommt nach Jena und will den geladenen Politikern erzählen, was sie im Internet tun und lassen sollten. (Vielleicht ist das auch eine Gelegenheit für den Jenaer OB-Kandidaten Albrecht Schröter (SPD) – der gerade mit dem Vorwurf unlauterer Parteienwerbung im Internet zu kämpfen hat – ein wenig dazuzulernen.)

Ich werde auf dem Podium die THÜRINGER BLOGZENTRALE vertreten und vielleicht ein bißchen über die wahnsinnig erfolgreiche Social-Media-Offensive der Thüringer Politik und der Thüringer Medien erzählen.


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