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Läßt sich Pegida mit “Entheimatungsangst” erklären?

In der Talk-Sendung “Günter Jauch” zum Thema Pegida tauchte erstmals ein Begriff im öffentlichen Bewußtsein auf, der das, was Menschen, die sich gegen Asylantenzustrom wehren, umtreiben könnte: “Enheimatungsangst”. Was bedeutet dieser Begriff und ist er hilfreich?

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Ausgesprochen wurde der Begriff “Entheimatungsangst” von dem ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse. Was ist mit diesem Begriff gemeint?

Thierse hat diesen Begriff im Gespräch mit dem Deutschlandfunk noch einmal kontextualisiert:

    “Da (bei Pegida d. Red.) gibt es wirkliche Neonazis, da sind Hooligans, Rechtsextreme, Rassisten dabei, viele Frustrierte, Wütende und eine Menge Menschen, die Ängste haben höchst unterschiedlicher Art, Verunsicherungsängste, Ängste vor Verlust der Heimat, also eine Art von Entheimatungsängste, vor einer dramatisch sich verändernden Gesellschaft, die nicht Ja sagen können zur einfach Realität, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, dass es dafür Gründe gibt und dass diese Einwanderung dieses Land auch verändert, und das heißt, darauf muss man reagieren.”

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Wovor also fürchten sich Menschen mit “Entheimatungsangst”?

Sie fürchten die Veränderung ihrer Stadt, ihres Viertels, ihres Hauses. Sie fürchten, dass über viele Jahre entwickelte Regeln des Zusammenlebens nicht mehr gelten. Sie fürchten, dass die Stadt nicht mehr aussieht wie sie immer ausgesehen hat. Sie fürchten, dass anders gesprochen, anders gestikuliert, anders gelacht wird. Sich fürchten sich vor dem Verlust von Ordnung und Sicherheit, von Verläßlichkeit, von Kultur für sich und vor allem für ihre Kinder. Sie fürchten Kriminalität, sie fürchten Hass und Entwertung durch Benachteiligte.

Mit anderen Menschen kommen andere Kulturen des Umgangs mit sich und mit anderen. Und da Ausländer und Asylanten in Medien meist stereotyp und selektiv (rückständig, kriminell, barbarisch) präsentiert werden, entsteht die Angst vor einem völligen Kulturverlust und einem Rückfall in die Barberei im Sinne der entsetzlichen Gräuel des Islamischen Staats oder der Großstadtviertel mit hohem Ausländeranteil.

Menschen mit “Entheimatungsängsten” wollen Zustände wie in westlichen Großstädten, in denen die Zuwanderung das Stadtbild massiv verändert hat, verhindern. Wer in Dresden auf die Straße geht, demonstriert nicht gegen bestehende Verhältnisse, sondern gegen künftige.

Muss man diese Entheimatungsängste nun überwinden, wie Wolfgang Thierse sagt? Hat man die Pflicht, sich dieser Angst zu stellen und sie zu verlieren? Thierse sagt, die Realität sei, dass wir ein “Einwanderungsland” seien. Die Ängste der Menschen müßten ernst genommen und ihnen müßte bei der Überwindung dieser Ängste geholfen werden.

Doch was, wenn es sich bei dieser “Entheimatungsangst” weder um Angst, noch um den Überlegenheitsgestus einer bestimmten Kultur oder gar Ethnie im Sinne der verbrecherischen Naziideologie handelt, sondern lediglich das sentimentale Gefühl, dass “Heimat” einfach Heimat bleiben soll, weil es sich gut anfühlt. Dass es keine Angst vor Fremden gibt, sondern lediglich den Wunsch, dass beim Bäcker und auf dem Amt Sächsisch gesprochen wird. Dass über Witze gelacht wird, die man kennt. Dass man weiß, worauf man sich in Staat, Kultur und Gesellschaft verlassen kann. Dass Vertrauen herrscht, Frieden.

Ostdeutschland hat vor 25 Jahren einen massiven kuturellen Wandel erlebt. Diese grundlegende Veränderung verlief plötzlich und hatte einschneidende Folgen. Das Vertrauen ging verloren und es kam zur Umwertung aller Werte und Verlust bestehender Machtsstrukturen, die letztlich Auswüchse wie in Rostock Lichtenhagen zur Folge hatten:

Menschen mit “Entheimatungsängsten” wollen weder rechtsradikale Ausschreitungen, noch Ausländerkriminalität. Sie wollen die Bewahrung und Mehrung ihrer Kultur. Deshalb wird bei Pegida auch die Pflicht zur Integration gefordert. Dass die Kultur so bleibt wie sie ist und keinerlei Veränderung hin zu einer anderen Kultur unterworfen ist.

Doch was, wenn Barbaren in Deutschland wieder an die Macht kommen? Was, wenn Menschen wieder politisch verfolgt, entrechtet, ermordet werden? Was, wenn der dritte Weltkrieg ausgerufen wird. Was, wenn man seine Heimat Deutschland verlassen, fliehen muss, um wenigstens das nackte Leben und das der Kinder zu schützen? Was, wenn man zum Schutz des eigenen Lebens, auf der Flucht vor Barabaren die Heimat verliert. Wenn die Angst vor Verlust der Heimat Realität wird?

Viele Großeltern können von der Vertreibung aus Schlesien, dem Sudetenland, Pommern erzählen. Wenn sie nichts mehr hatten als das, was sie am Leibe trugen. Wenn sie die Gräber der Lieben hinter sich lassen mußten und Vergewaltigung und Hunger erlebten.

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Was passiert mit der eigenen Kultur? Was passiert mit der Heimat im Herzen? Muss man sie vergessen, sie ablegen, sich ganz und gar den kulturellen Gegebenheiten der Gastkultur anpassen? Oder darf man den Heimatdialekt zuhause sprechen, Kochen und backen wie zuhause, darf man spielen und tanzen wie zuhause? Darf man seine Kinder erziehen wie man es gelernt hat. Darf man beten wie man es gelernt hat, wenn man nicht nur Angst vor Heimatverlust hat, sondern seine Heimat tatsächlich verloren hat? Darf man mitreden, wählen, sich beteiligen an der Gastkultur? Darf man sie mit eigenen Werten und Ansichten bereichern? Darf man die Fremde zur neuen Heimat für sich und seine Kinder machen?

Heimat ist ein starkes Gefühl. “Entheimatungsangst” ist belastend. Was wiegt der tatsächliche Verlust der Heimat?

Landesmedienanstalt sucht Thüringer Blogger

Wir suchen für ein Projekt einen Blogger, der über interkulturelle Themen schreibt oder sich damit auskennt. Dabei sind keine Grenzen gesetzt – ob der Themenschwerpunkt nun Integration ist oder Ihr viel Kontakt zu Menschen auf der ganzen Welt habt: Hauptsache, es hat was mit dem großen Themengebiet Kulturaustausch zu tun und Ihr bloggt gelegentlich darüber.

Am 21. Juni findet in Gera das Brückenfest statt, ein internationales Kultur- und Musikfest. Für eine Gesprächsrunde beim Fest suchen wir deshalb einen Blogger, der sich in dieser Thematik wiederfindet und Lust hätte, 4-5 Fragen in einem Interview dazu zu beantworten (wäre auch super Werbung für das eigene Blog ;)). Die Fahrt- bzw. Übernachtungskosten werden voll erstattet.

Alles Weitere können wir gern per E-Mail unter info@tlm-okgera.de abklären.

Wir freuen uns über Eure Antwort.

Thüringer Landesmedienanstalt
Offener Kanal Gera
Webergasse 6/8
07545 Gera

Pennälertheater: Premiere für Faust und Intendant

Von Neidhart von Schwarzburg

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Nur fünf Vorhänge, höflicher Applaus, ein paar Buhrufe und ein Türenschlagen, das ist die Ausbeute des gestrigen Abends. Der neue Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Hasko Weber, hätte gestern die Gelegenheit gehabt, wieder gut zu machen, was in Stuttgart vor acht Jahren bereits einmal gründlich danebenging: … doch er hatte anderes vor.

materdolorosaAus Goethes zeitlosem Meisterwerk wurde eine würde- und instinktlose Nummernrevue mit Slapstickeinlagen und Klamauk, wie geschaffen für gelangweilte Thüringer Schulklassen, die künftig das DNT besuchen müssen und dann Gelegenheit haben, das mit Obszönitäten und Zoten durchwirkte Stück per Smartphone mit ihren Freunden zu teilen.

Das karge Bühnenbild, die blassen Hauptdarsteller, die schnellen Schnitte zwischen den Szenen, die Videoeinspieler und die Zahl der Protagonisten (acht für alles) geben beredtes Zeugnis von der finanziellen Ausstattung des DNT. Alles wirkte so billig und gewöhnlich wie der Schlager von Karel Gott(!), mit dem Mephisto (Sebastian Kowski als einziger wirklicher Lichtblick der Inszenierung) den Faust (Lutz Salzmann, offenbar überfordert) zur Reise um die Welt zu überreden suchte.

Den größten Mißton dieser Inszenierung setzte allerdings das Gretchen. Hasko Weber läßt sie zur Anrufung der Gottesmutter – dem zartesten und verzweifeltsten Ausdruck ihrer Schande – nicht vor einem Marienbildnis knien, sondern wieder und wieder von Stuhl springen, um das Kind Fausts abzutreiben. Nora Quest unterstützt die Profanisierung der Unschuld Gretchens, indem sie Zeile um Zeile herunterleiert und nur da ein wenig Gefühl zeigt, wo sie schreit.

Dieses Stück setzt den Akzent nicht auf das vielleicht Erlösende im Reinen und im Glauben und Vertrauen, sondern auf das zynische Lob des Schmutzig-Dunklen und Abgeklärt-Egoistischen. Manifest wird dies unter anderem im Osterspaziergang, den Salzmann in herablassend-arroganten Spott kleidet. Das Volk wird mit seinem “Hier bin ich Mensch, hier darf sich sein” von einem angeekelten Faust verhöhnt. Das Lachen, das dieser “Faust” erzeugt ist kein frohes, befreiendes, sondern ein rohes, beklemmendes, wenn man ungläubig zuschauen muss, wie Mephisto Marthe mit einem langen Ringelpenis verführt. Diese groteske Obszönität war wohl einem Zuschauer zuviel, so dass er das Theater laut Türen schlagend verließ. Zum Glück hat man – offenbar in letzter Minute – auf eine Duschszene verzichtet.

Die an überraschenden Regieeinfällen sonst recht arme Inszenierung mit erheblichem Interpreationsspielraum läßt den Darstellern, die sich redlich mühen, viel Gelegenheit, wenigstens ihr komisches Talent unter Beweis zu stellen. Der seltene Szenenapplaus ist jedoch am lautesten als Mephisto sein “Ein Dilettant hat es geschrieben, Und Dilettanten spielen’s auch” zum Besten gibt.

Hasko Webers “Faust” am Weimarer Nationaltheater ist nicht nur enttäuschend, er ist eine Schande. Der neue Intendant sollte in Gretchens Lied einstimmen, er wird es brauchen.

Würstchen

Von Neidhart von Schwarzburg

Jetzt ist es raus. Endlich. Ich hab mich immer gefragt, warum ich ihn eigentlich nicht mag. Jetzt weiß ich es. Robert Basic hat in seinem Blog ein Video eingebettet:

Und er schreibt dazu:

    “Das Video da oben, … glaubt Ihr, dass ich immer nur der nette, liebe tolle Schüler war? Klar habe ich Scheidungskinder in der Grundschule in die Mitte unseren “netten” Gruppe gestellt, gehänselt, bis das Gegenüber geflennt hat. Klar habe ich es sogar mal geschafft, dass eine Schülerin nie wieder in unser ach so tolles humanistisches Gymnasium zurückkehrte, weil ich ein Mobbingspacko war. Klar komme ich nicht in den Himmel, was meinen Atomteilchen herzlich egal ist. Klar habe ich gelernt, wie deppert wir Menschen zueinander sein können.”

Kein Wort des Bedauerns. Kein Mitgefühl. Nicht mal ein halbherziger Versuch der Entschuldigung. Stattdessen selbstgerechter Stolz über seine “mutige Selbstoffenbarung”. Und er nimmt die berechtigte Kritik, die über ihn hereinbrechen wird, gleich vorweg:

    “Charakter gewinnt sich nicht dadurch, dass man immer nur nett und freundlich ist. Charakter formt sich durch alle Gegebenheiten aus. Auf Blogs? Die guten Erlebnisse zeigt man, die schlechten Erlebnisse auch, indem man altklug und vorwurfsvoll auf Dritte zeigt. Ich auch. Was ist aber mit den Dingen, die man nicht aufzeigt, weil man auf sich selbst zeigen müsste? Die blendet man lieber aus. Ich auch.”

Zeigt jetzt bloß nicht mit dem Finger auf mich, weil ich mich so geöffnet habe. Und dann klagt er über den Shitstorm, der nach diesem gefühllosen Mist über ihn hereinbrach:

    “Was lernt man also aus dem Arschlochdasein letztlich wirklich, wenn man beide Seiten kennengelernt hat?
    – Achte auf Deine Mitmenschen, selbst wenn sie riechen, duften, arm oder reich sind
    – Stelle Dich vor die Schwachen und Starken, auch wenn Du keine Freunde mehr haben wirst
    – Verstehe und respektiere beide Seiten, die in Menschen innewohnt
    – Bevor Du selbst höchsrichterlich über Dritte urteilst, lerne zu hinterfragen und ignoriere die Gruppe
    – Gebe nicht auf, obwohl Du dennoch verlieren wirst”

Warum macht man sowas? Wieso brüstet sich jemand öffentlich mit der herzlosen Scheiße, die er irgendwann mal gemacht hat? Basic erklärt das so:

    “das ist klar wie Hühnerbrühe, dass die meisten Vorstellungswelten so sind (mache dies, tue das, sage das, sonst bist du das und dies, wenn nicht…) und beinahe schon müßig es explizit zu schreiben. Was aber, wenn man den Fingerzeig selbst unten lässt, gehen dann die Finger der anderen hoch oder bleiben sie – was mich immer freut und höchst selten passiert – auch unten? Ich fordere Blogger dazu auf, sich mehr zu trauen, auch und weil es gerade die Fingerzeiger gibt und wir langsam in diesen Tabuisierungs-Wellen ersticken.”

Also nutzt er bekannte Reflexe – Arschlöcher auf ihre Arschlochigkeit hinzuweisen – um Aufmerksamkeit zu generieren? Wer sowas macht ist kein Arschloch. Der ist ein Würstchen. Kann man seine SEO-Nuttigkeit eigentlich noch besser unter Beweis stellen? Ich meine: Nein!

Papstwahl: Die ganze Welt schaut nach Rom

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Hubble Spies a Space Invader * In Medical First, a Baby With H.I.V. Is Deemed Cured * Man has 75% of his skull replaced with 3D copy * Stomach cancer ‘spotted by breath test’ * Huge lakes of water may exist under Europa’s ice * Nanoparticles loaded with bee venom kill HIV

Latte und Titte: Piraten Thüringen wollen Pornoarchiv anlegen

In einer – inzwischen vom Landesvorstand der Thüringer Piratenpartei wieder zurückgezogenen – Pressemeldung unter dem Titel “Pornografieverbot in Medien ist den Piraten weder Latte noch Titte” hieß es:

    »Wir nutzen unsere sämtlichen finanziellen Mittel, um Speicherkapazitäten in der Cloud anzumieten. Da 30% des Datenvolumens im Internet für Pornos gebraucht werden, müssen die Kapazitäten entsprechend hoch sein«, so Benjamin Ißleib, politischer Geschäftsführer der Piraten Thüringen. »Ein umfangreiches Archiv kann in Zeiten der Prohibition wertvoller als Gold sein. Die Alkoholprohibition in den USA der 20er Jahre hat uns schließlich gelehrt, dass die Renditen in besonders schwierigen Zeiten sehr hoch sind.« Weiter ruft Ißleib alle Leute dazu auf, sich an der Arbeitsgruppe “Save Our Porn” (AG SOP) zu beteiligen.

    Selbstverständlich lässt es sich die in Gründung befindliche AG SOP nicht nehmen, persönlich das eingehende Material zu sichten. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten können leider nur Piraten Mitglied der AG SOP werden.”

Die Wahrheit war den Piraten wohl doch zu heiß. Nachdem sich auch Bundesvorstandsmitglied Klaus Peukert eher angewidert geäußert hatte:

ruderten(! haha,lustig, oder?) die Thüringer Piraten zurück:

Und dabei war die PM schon im Papierkorb der THÜRINGER BLOGZENTRALE gelandet. Mit diesem Coup gelingt es Euch aber auch, ein bißchen Aufmerksamkeit für das eigentlich dahinterliegende Thema zu machen: Totalüberwachung. Denn ein totales Pornoverbot läßt sich nur damit durchsetzen.

In der Pressemeldung heißt es nämlich weiter:

    Das Filtern von Inhalten in Medien ist jedoch nicht möglich ohne staatliche Überwachungsmechanismen. Dass die EU jedoch auch hiervor nicht zurückschreckt, zeigen Projekte wie INDECT oder das gescheiterte ACTA. Hierfür werden immer neue Deckmäntel gesucht. Terroristen und dokumentierter Kindesmissbrauch scheinen nicht mehr zu genügen, es muss ein neuer Sündenbock her.

    Während sich Widerstand regt, z.B. in Form von Protestmails an EU-Abgeordnete, hat das europäische Parlament eine sehr demokratische Methode entdeckt, die Abgeordneten von der Meinung der Bürger abzuschotten. So wurden eigens zu diesem Zweck Filter eingerichtet, um Bürgeranfragen zu dem Thema abzublocken.

Schade, dass Ihr nicht den Arsch in der Hose habt, Leute. Dabei weiß doch keiner besser als Ihr:

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NACHTRAG: Die Pressemeldung wurde inzwischen um folgenden Wortlaut ergänzt

Ergänzung zum Ban-On-Pornography-Kommentar

Die Absurdität der zunehmenden politischen Angriffe auf die Netzneutralität, die nun im gleichen Zug das freie Ausleben rechtlich unbedenklicher, individueller Sexualität weiter einschränken sollen, lässt die PIRATEN Thüringen nur kopfschüttelnd zurück und kann kaum mehr ohne Zynismus hingenommen werden. Die vorangegangene Mitteilung soll in ihrer Form und Aussage aber natürlich nicht unkommentiert stehen bleiben. Unsere Position zum möglichen Pornografieverbot ist deutlich differenzierter, was sehr gut aus einer Darstellung der Presseabteilung der Piratenpartei Deutschland hervorgeht:

Das Europaparlament wird am morgigen Dienstag über einen Initiativbericht abstimmen, der sich vordergründig gegen Sexismus und strukturelle Diskriminierung von Frauen wendet. Innerhalb des 19-seitigen Dokuments stellt die niederländische EU-Abgeordnete Kartika Tamara Liotard unter anderem die These auf, dass immer mehr junge Frauen und Männer unter so genanntem »Mainstreaming« von Pornografie litten. Deshalb möchte sie Pornografie in allen Medien verbieten. Hierzu, so schreibt der schwedische Europaparlamentarier Christian Engström in seinem Blog, ist es denkbar, dass freiwillige Vereinbarungen mit allen europäischen Internetprovidern getroffen werden.

»Während wir uns für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen und uns das Ende der strukturellen Diskriminierung von Frauen sehr am Herzen liegt, sind wir doch entsetzt über die historische Naivität, die das EU-Parlament mit diesem Initiativbericht an den Tag legt«, kommentiert die kulturpolitische Sprecherin der bayerischen Piraten, Tina Lorenz. »Die Forschung kennt weder eine allgemeingültige Definition von Pornografie, noch kann man Pornos ohne massive Eingriffe in die bürgerlichen Freiheitsrechte einfach so verbieten. Es käme zu Zensurmaßnahmen in bisher ungekanntem Ausmaß. Angesichts des zu bezweifelnden Widerspruchs von Pornografie und Geschlechtergerechtigkeit wäre dies unverhältnismäßig.«

Quellen:
[1] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+REPORT+A7-2012-0401+0+DOC+PDF+V0//EN
[2] http://christianengstrom.wordpress.com/an-eu-proposal-to-ban-porn-through-self-regulation/

Patrick Kurth hat seine Follower überprüft: Alles ok.

Stern.de hat sich mit den angeblichen Fake-Followern der FDP beschäftigt und ist bei seinen Recherchen offenbar auch auf die mutmaßliche Follewerschummelei bei Patrick Kurth in der THÜRINGER BLOGZENTRALE gestoßen. Man hat Kurth persönlich gesprochen und zu den Vorwürfen befragt. Der Autor des Beitrags, Thomas Schmoll, schreibt nun:


    “Deshalb entschloss sich Kurth nach eigener Aussage, seinen Account zu überprüfen. Der Test habe ergeben: alles okay.”

Dazu stellt sich spontan folgendes Bild ein: Patrick Kurth klickt kurz in seine Followerliste bei Twitter. Stellt fest, “alles ok” und klickt weiter. Im Beitrag des Stern werden aber noch bedeutendere Feststellungen über Patrick Kurths Twitteraccount gemacht:

    “Die Zahl echter Follower ist sehr hoch.” Und er hat immerhin knapp 14.500, also deutlich mehr als die FDP-Bundespartei.

DIE ZAHL ECHTER FOLLOWER IST SEHR HOCH!!!??einself? Was bedeutet das? Sehr hoch? 10%? 20? 50? Aber da es Patrick Kurth an Selbstbewußtsein nicht mangelt, hat er auch gleich eine wirklich “gute” Erklärung für seinen “Erfolg” bei Twitter parat:

    “Ich twittere zeitnah und persönlich, auch emotional, und nicht nach strategischen Erwägungen. Das macht den Blog lesenswert.”

Komisch nur, dass sich kaum jemand für seine so “persönlichen” und “emotionalen” Tweets interessiert und so selten jemand reagiert. Weder mit RTs noch mit @s. Retweets:2.0% @Contacts 21.5%.

Zum Vergleich Christian Lindner: Retweets: 6.5% @Contacts 51.5%, und Peter Altmaier: Retweets: 3.0% @Contacts 86.0%

Der Stern.de-Beitrag schließt mit einem Hinweis, der klar macht, wie Kurth früher zu Followern zu kommen versuchte:

    “Kurths Profil war im Bundestagswahlkampf 2009 von Twitter als vermeintlicher Spam-Account gelöscht worden. Zwei Wochen rang er damals mit dem Unternehmen, sein Profil zurückzubekommen. “Das war eine Ewigkeit.”

An der Praxis scheint sich nicht viel geändert zu haben. Vergleicht man Kurths Followerentwicklung bei Twitter Grader so ähnelt diese sehr stark der Verlaufskurve der Twitteraccounts denen er selbst folgt:

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Fraglich bleibt, ob er diese Verfolgungspraxis selbstständig durchführt oder per Bot oder Mitarbeiter automatisiert hat.

Seine etwas erfolgreicheren Politikerkollegen, wie Peter Altmaier oder Volker Beck folgen selbst übrigens deutlich weniger Accounts. Die Mär von den “emotionalen” und “persönlichen” Tweets als Ursache für den Followerreichtum Patrick Kurths erscheint vor diesem Hintergrund unglaubwürdig.

Ergänzt sei noch, dass die Accounts von Christian Lindner und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger offenbar einer Überarbeitung durch Twitter unterliegen. Twitter Grader versagt bei diesen Accounts, was vielleicht auch gar nicht so verwunderlich ist, wenn man sich den Fakefollowerquotienten von Christian Lindner und Sabine Leutheuser-Schnarrenberger anschaut …

Im politischen Berlin ist Patrick Kurth jedenfalls im Gespräch. Hat er es wieder geschafft, das alte Schlitzohr.

Der “Twitterkönig von Thüringen” oder “Fandealergate”

Der THÜRINGER BLOGZENTRALE wird wieder mit dem Rechtsanwalt gedroht. Diesmal durch den Geschäftsführer der Firma “Fandealer”, Mario Rönsch. Fandealer ist in den letzten Tagen ins Gerede gekommen, weil sie der FDP Follower bei Twitter besorgt haben soll.

Bei netzpolitik.de wurde bekannt, dass ein Mann mit dem Namen Mario Rönsch im Jahr 2010 Mitglied der thüringischen FDP geworden sein soll.

Da der Bundestagsabgeordnete der Thüringer FDP, Patrick Kurth, über eine außergewöhnliche Zahl an Twitter-Followern verfügt, stellten wir an Kurth und Rönsch die Frage, ob sie miteinander bekannt seien, ob Rönsch tatsächlich FDP-Mitglied sei und ob die Firma Fandealer am Followerwachstum von Kurths Twitter-Account beteiligt gewesen sein könnte.

Der Bundestagsabgeordete Patrick Kurth antwortete folgendermaßen:

Inzwischen hatte sich dann auch die Firma Fandealer per Twitter und per Mail in die Kommunikation eingeschaltet. Mario Rönsch, war nicht bereit, per Mail irgendwelche Auskünfte zu geben und drohte stattdessen mit einer Rechtsanwaltskanzlei. Per Twitter schrieb man:

(UPDATE: Fandealer hat die Tweets inzwischen gelöscht. Deshalb werden sie nicht mehr im Original-Tweetformat angezeigt. Wir dokumentieren die Rhetorik von Fandealer hier trotzdem mit Hilfe der original Tweetpublishfunktion von Twitter)

Wer mit dem Anwalt droht, hat oft ein begründetes Interesse daran, weitere kritische Nachfragen und Aufdeckungen zu verhindern. Man darf in diesem Fall gespannt sein, was das ist. Jedenfalls scheinen die Nerven bei Fandealer zum Zerreissen gespannt zu sein. Auf die Bitte, unsere Fragen zu beantworten, antwortete man folgendermaßen: