Archive for the 'Blogosphäre' Category

Endstation Angst

Die neue Ausgabe der Jenaer Studentenzeitschrift Akrützel erscheint am kommendem Donnerstag unter dem Titel “Den Feind im Nacken: Die Strukturen der Neonazi-Szene in Jena”. In einer exklusiven Vorab-Veröffentlichung präsentieren wir hier das Editorial, verbunden mit einem herzlichen Dank an den Autor, Theodor Thornthrop:

Der Schriftsteller Norbert ist ins bayrische München gekommen. Für Menschen mit studentischem Hintergrund gibt es in München keinen Hauptbahnhof, sondern nur eine Endstation: Angst. Aus dem rechtsradikalen Milieu dieser Stadt stammen unter anderem die Kriegsverbrecher Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Hermann Göring. Hier waren sie in diversen Braukellern aktiv, ehe sie nach mißlungenen Putschversuchen die Macht ergriffen. Norbert wohnt im Osten und kommt nur selten in den Westen. “Ich sehe nicht sehr bayrisch aus und ich würde gerne den Westen bereisen aber ich hab einfach zuviel Angst um mich hier frei zu bewegen.” meint Norbert. Norbert hat einen erschreckend aktuellen Roman geschrieben: Evas Präludium. Er handelt von Zeitreisen, einer Fernsehredaktion, die sich ein einträgliches Zubrot mit Buchpromotionen verdient und einer Rose namens Adi. Auch nach zwei Maß Bier traut sich Norbert nicht tiefer in Münchens Keller. Zu der U-Bahnstation möchte er nicht, wo vor zwei Jahren ein Mann zu Tode geprügelt wurde. Zugegeben: Nazis und gewaltbereite Jugendliche treffen wir nicht in der “Hauptstadt der Bewegung”, die sich in den letzten Jahren doch zu einer toleranten und weltoffenen Metropole gewandelt hat. Auf der Rückreise frage ich Norbert: “Vielleicht sollten wir doch zu den Orten der Angst fahren. Dort wo heute die Rechten prügeln und morden und dabei von der Bevölkerung toleriert werden.” Norbert lacht. “Sind wir etwa Journalisten?”

Die Hintergründe dieses Beitrags sind hier nachzulesen.

Aspekte entschuldigt sich bei Jenaern … mit Werbung

Die Aspekte-Redaktion hat nach dem erheblichen Protest gegen einen ossiphoben Beitrag und einem vergeigten Rechtfertigungsversuch endlich die Reißleine gezogen und läßt den Redaktionsleiter Christhard Läpple per Videobotschaft – ein bißchen überheblich – nach Canossa ziehen. Läpple lobt Jena in dieser Botschaft als eine eine:

    “liberale, weltoffene Universitätsstadt, in der Toleranz groß geschrieben wird”

Und er bietet eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit Vertretern der Stadt und des ZDF an. Was diesen Entschuldigungsversuch jedoch mehr als schäbig macht, ist die unverhohlene Werbung am Schluss der Videobotschaft für das Buch von Steven Uhly.

Unterdessen zieht der Protest der Jenaer Blogger immer weitere Kreise. Inzwischen ist man auch in anderen Teilen Ostdeutschlands erbost, erschüttert und entsetzt über die einseitig-stereotypsierende Berichterstattung. Es solidarisieren sich der Flurfunk Dresden, das Berliner Magazin spickmich und die Leipziger Internetzeitung:

In Thüringen und darüber hinaus äußern sich zum Thema noch jenanews, toastbrot, mediarina, ring 2, bildblog, theaterhaus jena und christophergaube.

Antenne Thüringen hat Jenaer zu dem ASPEKTE-Beitrag befragt:

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Und auch der MDR hat einen Audiobeitrag.

Ist die Stadt Jena der Nationalsozialistische Untergrund?

Jenaer Blogger, Regionalmedien und Bürger sind in Aufruhr. Die ZDF-Kultursendung ASPEKTE hat einen Beitrag über den Besuch eines Schriftstellers in Jena gebracht, der kein schönes Bild von der Klassiker- und Universitätsstadt aber auch dem Geburtsort des sogenannten “Nationalsozialistischen Untergrunds” zeichnet. Man verlangt eine öffentliche Entschuldigung, startet eine Petition, verweist auf die Auszeichnung des Oberbürgermeisters für sein Engagement gegen Rechts, kritisiert den Beitrag als arg tendenziös und beklagt die Zeichnung Ostdeutschlands als “braunes Nest”.

Die Redaktion von ASPEKTE hat jetzt eine Stellungnahme zur Kritik veröffentlicht:


    Liebe Zuschauer,

    vielen Dank für Ihre Zuschrift zu unserer Sendung vom 18.11. Wir bedauern, dass unser Beitrag Sie so sehr empört hat. Wir hatten nicht die Absicht „den Osten“ und die Stadt Jena pauschal zu verurteilen.

    Allerdings halten wir es für journalistisch vertretbar, dass wir dem Schriftsteller Steven Uhly, der sich wie viele andere Bürger auch in den östlichen Bundesländern von manifester Fremdenfeindlichkeit und rassistischen Pöbeleien bedroht fühlt, ein Forum gegeben haben. Seine Angstgefühl mag höchst subjektiv sein, ist aber deswegen nicht weniger legitim. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, einem Interviewpartner die Meinung einer Redaktion in den Mund zu legen.

    Nach der Entdeckung eines rechtsterroristischen Netzwerks, das zehn Menschen ermordet hat, haben wir Uhly Gelegenheit gegeben, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Mit diesen Ängsten steht er als Bürger mit ausländischen Wurzeln keineswegs allein da.

    Dass es in Jena viele Menschen gibt, die sich seit Jahren, wie Pfarrer König, im Kampf gegen die rechte Szene engagieren, hat unser Beitrag deutlich gezeigt. Aber gerade er und der Aussteiger Uwe Luthardt bestätigen die Existenz einer gewissen Fremdenfeindlichkeit, also genau den Grund für die Angst von Steven Uhly. Auch der kurdische Imbissbesitzer, bei dem sich Luthardt und Uhly trafen, wollte nicht vor die Kamera. Er habe Angst sich das Geschäft zu verderben, erklärte er seine Ablehnung. Noch immer gibt es in der Universitätsstadt Jena den berühmt berüchtigten Nazitreffpunkt das „Braune Haus“, das zwar zur Zeit aus baurechtlichen Gründen geschlossen ist, dessen Garten aber immer noch für rechtsextreme Versammlungen genutzt wird.

    Von den 156 Menschen, die seit 1990 bei rechtsextremistischen Übergriffen zu Tode kamen, ist die Hälfte im Osten ermordet worden. Wenn man diese Zahl ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen der alten und neuen Bundesländer setzt, dann stellt man fest, dass die Zahl der Übergriffe in den neuen Bundesländern signifikant, nämlich fünfmal höher liegt. Zwar sind die rechten Gewalttaten mit Todesfolge glücklicherweise rückläufig, aber die ostdeutschen Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt berichten, dass sich die Zahl rechter Übergriffe seit Jahren auf einem skandalös hohen Niveau bewegt.

    Wenn unser Beitrag Ihrer Meinung nach die Auseinandersetzung mit dem Problem des Rechtsextremismus nicht gefördert hat, tut uns das leid. Wir können Ihnen aber versichern, dass wir an diesem sensiblen Thema dran bleiben.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Anna Riek,
    Redaktion aspekte

Steve hat diese Stellungnahme hier folgendermaßen kommentiert:

    Schade, dass Sie die Möglichkeit, das Thema “geradezurücken”, nicht wirklich gut genutzt haben…

Religionsfreie Zone Erfurt … live

Anti-Papst-Demo in Erfurt

Aktuelle Fotos von der Demo gegen den Papst gibt es hier und auch hier

Demo gegen den Papst ist keine schlechte Gastfreundschaft

Warum das so ist, erklärt die ennomane:

Ich muss etwas bekennen: Ich bin kein Atheist, kein Agnostiker und kein Anhänger einer Religionsgmeinschaft – meine Ansichten sind einfach nur Privatsache. Mein Bekenntnis: Ich bin ein ganz großer Anhänger der Religionsfreiheit. Ich habe genauso wenig etwas gegen Christen wie gegen Anhänger anderer Religionen oder Atheisten. Wirklich Leute, glaubt was ihr wollt. Es ist mir egal. Ich habe aber ein Problem damit, wie der Katholizismus in Deutschland gegen die Religionsfreiheit verstößt – unter anderem.

Es geht nicht um Hexenverbrennungen, Kreuzzüge oder Galileo Galilei, sondern hier und heute um eine Sexualmoral, die die Menschen psychisch deformiert, krank macht und sie ihrer eigentlich doch nach dem Grundgesetz geschützten Würde beraubt. Der Zölibat ist Ausdruck einer krankhaften Einstellung zur eigenen Körperlichkeit. Ausgerechnet jemand, der noch nie Sex hatte (oder ohne schlechtes Gewissen haben durfte), soll als Seelsorger anderen Menschen bei ihren Gewissensnöten helfen. Homophobie ist ähnlich absurd wie die Angst davor, Freitags Fleisch zu essen. Und Frauen nicht für das Priesteramt geeignet zu halten, ist sexistische Diskriminierung in Reinform.

Das wäre alles noch einigermaßen egal, wenn die Katholiken ein Verein wären, der unter sich bleibt und das Ganze als Privatsache ansieht. Tun sie aber nicht. Kirche und Staat sind in Deutschland verquickt. Ich finanziere als Steuerzahler die Einkommen von Bischöfen, obwohl ich kein Kirchenmitglied bin und keine Kirchensteuer zahle. Ich finanziere Grundschulen, an denen 6jährige Knirpse abgewiesen werden, weil sie die falsche Konfession haben. Ich finanziere Religionslehrer, die Kindern Angst vor ihrer aufkeimenden Sexualität einreden. Ich finanziere Krankenhäuser, die Ärzte feuern, die sich scheiden lassen. Ich will das nicht.

Gegen den Papst zu demonstrieren ist ganz gewiss keine schlechte Gastfreundschaft. Gerade weil die Kirche in Deutschland gesellschaftlich und politisch Macht ausübt, ist es weder borniert noch kleinlich, dem “Staatsgast” Josef Ratzinger laut die Meinung zu sagen. Er ist als Kirchenoberhaupt und gerade als Staatsgast eben auch Politiker – und zwar einer, der öffentlich Homophobie und Sexismus vertritt. Es muss möglich sein, sich kritisch gegen diese servile Papstbesoffenheit in Medien und Bundestag zu äußern. Jakob Augstein bringt die steile These, Papstkritik sei pubertär und Ethik sei in der Politik nicht gut aufgehoben. Also überlassen wir sie ausgerechnet der katholischen Kirche, die Missbrauchsopfern lieber Schweigegeld zahlt, statt einen Päderasten vor Gericht zu bringen?

Den Rest des Beitrages kann man hier weiterlesen

Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt uns einen Anwalt

Von Sven

Die THÜRINGER BLOGZENTRALE hat am Freitag Post erhalten, von der Anwaltskanzlei Dr. Eick & Partner GbR. Diese Kanzlei vertritt die Zeitungsgruppe Thüringen. In dem Schreiben der Anwaltskanzlei werden wir darum gebeten aufgefordert, einen Beitrag aus der THÜRINGER BLOGZENTRALE zu entfernen. Die Kanzlei hat sich 14 Stunden für eine Rückäußerung “vorgemerkt“.

Was ist passiert?

Wir hatten darüber geschrieben, wie es kommt, dass die Zeitungsgruppe Thüringen kürzlich einen Zuwachs von 20.000 Lesern bejubeln konnte – wo doch jedes Kind weiß, dass die Zeitungsgruppe Thüringen immer weniger Zeitungen verkauft und dass vor allem die Stammleser der Zeitungen abwandern.

Das geheimnisvolle Leserwachstum ist nun tatsächlich möglich, weil die Leserzahlen eben nicht (nur) anhand der Zahl der verkauften Auflage ermittelt werden können, sondern auch durch – Achtung – Umfragen(!). Die Thüringer werden also befragt, ob sie Produkte der Zeitungsgruppe Thüringen lesen – wozu vermutlich auch das kostenlose Werbeblättchen “Allgemeiner Anzeiger” gehören dürfte. Die so ermittelte Wahrscheinlichkeit(!), dass jemand ein ZGT-Blatt liest, wird Reichweite genannt und von der „Media Analyse“ ermittelt. Wie genau das geschieht und was der Begriff “Leser” in diesem Fall bedeutet, ist jedenfalls gar nicht so einfach zu verstehen.

Der Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier schreibt zum Thema “Media Analyse”:

    Die Daten der „Media Analyse“, die von Medien und Werbewirtschaft als Währung behandelt werden, sind häufiger seltsam. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Onanier-Zeitschrift „Coupé“: Der sind zwischen 2004 und 2008 drei Viertel der Käufer verloren gegangen. Laut „Media Analyse“ schrumpfte die Leserzahl in diesem Zeitraum aber nur um rund ein Viertel. 2008 müsste nach diesen Werten jede Ausgabe von „Coupé“ durch zehn bis 13 Paar Hände gegangen sein, was man sich wirklich nicht vorstellen möchte.

In dem inkriminierten Beitrag der THÜRINGER BLOGZENTRALE ging es also darum zu zeigen, dass die ZGT hier nicht über den Zuwachs von zahlenden Lesern jubelt, denen die Produkte der ZGT etwas wert sind, sondern über eine zweifelhafte, per Umfrage ermittelte Zahl. Es wurde in unserem Beitrag die “verkaufte Auflage” (gemäß IVW) der “Reichweite” (gemäßt “Media-Analyse”) gegenübergestellt und damit klargemacht, dass zwischen Auflage und Reichweite ein Unterschied besteht, der offenbar eben nicht jedem klar ist.

Der Anwalt der Zeitungsgruppe Thüringen meint nun aber pikanterweise, dass der Beitrag in der THÜRINGER BLOGZENTRALE die IVW-Statistik, das heißt die verkaufbare “Auflage” mit der “Reichweite” verwechsle und damit suggeriere, dass die ZGT mit unzutreffenden Zahlen operiere. Die Zeitungsgruppe Thüringen möchte deshalb, dass wir den Beitrag aus dem Netz nehmen.

Wir haben den Beitrag im Netz gelassen, damit sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden kann. Und damit weiterhin jeder interessierte Leser sehen kann, dass es einen Unterschied zwischen verkaufbarer “Auflage” und einer statistischen Lesewahrscheinlichkeit (“Reichweite”) gibt.

Der Anwalt der Zeitungsgruppe Thüringen hat uns übrigens freundlicherweise zuerst eine Mail geschrieben – so wie im Impressum erbeten – bevor, das vergißt er nicht zu erwähnen, “weitere Schritte” in Erwägung gezogen werden. Welche weiteren Schritte das sein sollen, hat er zunächst offengelassen. Was er wohl meint?

Wir hatten in letzer Zeit jedenfalls viel zu meckern über die Zeitungsgruppe Thüringen. Verständlich, dass man darauf reagiert. Dass die Zeitungsgruppe Thüringen auf die Kritik nun mit einer anwaltlichen Löschungsaufforderung antwortet, macht klar: Es fehlt zwar an Nerven, Stil und Argumenten – aber offenbar nicht an Geld.

Und die Zeitungsgruppe Thüringen will vermutlich vor allem eines: Eine öffentliche Diskussion über die wirkliche Zahl ihrer Leser verhindern.

Veröffentlichung in der Blogzentrale per Safemail

Gestern erreichte die THÜRINGER BLOGZENTRALE sehr interessante Post. Verschickt per Safemail. Kein Absender. Kein erklärender Text. Kein Gruß. Einfach ein Artikel. Gut geschrieben und mit interessantem Inhalt. Es geht – wie so oft in der Blogzentrale – um die Qualität der Erzeugnisse des Thüringer Zeitungsmonopolisten.

Noch gestern veröffentlichte das PR-Portal “Informationsdienst Wissenschaft” einen Beitrag, der feststellt, dass die Monopolstellung eines Druckerzeugnisses in einer Region gerade zu dessen besonderer Qualität beitragen soll. Prof. Dr. Frank Marcinkowski vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster wollte in einer Studie nachgewiesen haben, dass mit zunehmender Intensität des Wettbewerb zwischen Printprodukten die Qualität abnahm. Qualität war bei Marcinkowski definiert mit “Akteursvielfalt, Politisierung und Anti-Provinzialismus” .

Solche Dinge kann man der Zeitungsgruppe Thüringen mit ihren Blättern TLZ, OTZ und TA jedenfalls nicht vorwerfen. Hier mischen sich sehr wenige durchaus gut recherchierte und pointiert formulierte Beiträge mit blöder Propaganda – wobei letztere den eindeutig prominenteren Platz einnimmt.

Nicht dass das Thüringer Publikum hohe journalistische Qualität zu würdigen wüßte … jedenfalls …

Es gibt die Möglichkeit in der THÜRINGER BLOGZENTRALE Beiträge zu veröffentlichen, die einen gewissen Nachrichten- und Unterhaltungswert haben und in den Blättern der Zeitungsgruppe Thüringen ganz sicher nicht erscheinen werden. Per Safemail. Nun ja. Schlimm genug.

Netzarbeiter im Büro

Schleichwerbung und kein Ende

Von Sven

Ich bin ein bißchen in einer Zwickmühle. Ich bekomme Anrufe. Seit Wochen. Nun ja, das ist zunächst mal nichts Schlimmes. Aber jetzt kommts: Der Geschäftsführer einer Firma, die Links in Blogs kauft, will mich dazu zu bewegen, einen Beitrag der THÜRINGER BLOGZENTRALE aus dem Netz zu nehmen. Warum? Weil er von großen deutschen Unternehmen dafür bezahlt wird, Links in Blogs zu kaufen und weil das auch so in der Blogzentrale steht.

Viele der Blogeinträge in der THÜRINGER BLOGZENTRALE aus den letzten Wochen drehten sich nur um dieses eine Thema: Den Einfluss kommerzieller Werbeunternehmen auf Blogger und Journalisten. Dieses Phänomen greift in der Blogosphäre trotz skandalträchtiger Diskussion ungehindert um sich.

Ein Thüringer Blogger schickte uns nun kürzlich folgende Mail zu, die er von einer Werbefirma erhalten hatte:

Hier soll der Blogger ein Produkt besprechen und darf sogar kritische Dinge schreiben. Was vermutlich in der nächsten Mail gekommen wäre: Die Aufforderung zur Setzung eines Links … Wert: 50 Euro.

Auch der News-Aggregations-Dienst WIKIO sucht tolle Autoren:

Der Traum eines jeden Bloggers. Über die Dinge zu schreiben, die ihn interessieren und dafür bezahlt zu werden. Was könnte schöner sein? Bei Wikio Experts können Sie…

  • Geld verdienen, indem Sie über Themen schreiben, die Ihnen liegen
  • Kreativ sein und ganz frei Ihre Meinung äußern
  • Artikel unter Ihrem Namen veröffentlichen
  • Schreiben, wann und wo Sie wollen – die Arbeitsmenge bestimmen Sie selbst
  • Freunde werben & ein Jahr lang eine Prämie von 10% ihrer Einkünfte erhalten
  • Und das allerschönste ist:

      Jeder veröffentlichte Beitrag wird von uns vergütet, entweder mit einem festen Betrag oder über Umsatzbeteiligung. In der Regel zahlen wir pro Artikel 5 bis 15 Euro, je nach Thema und Arbeitsaufwand. Die Beiträge sollen zwischen 300 und 400 Wörtern lang sein. In Frankreich, wo Wikio Experts schon seit 7 Monaten online ist, erhalten unsere Mitglieder oft rund 350 Euro pro Monat.

    WIKIO wirbt mit dem Slogan “Werden Sie Freelance-Autor für Wikio Experts”. Das hört sich an wie … billige Contentgenerierung und Linkkauf.

    Diese Entwicklungen sind besorgniserregend. Noch besorgniserregender ist allerdings die Naivität mit der Blogger in die Fallen der Linkkaufmafia stolpern. Linkkauf und Schleichwerbung in Blogs sind gang und gäbe, das haben wir zur Genüge besprochen. Was daran schlimm ist, auch.

    Bleibt die Frage, was ich mit dem Mann machen soll, der hier einmal die Woche anruft, weil er aus der Google-Trefferliste verschwinden will. Verstehen kann ich sein Anliegen gut. Und nett ist der Mann auch. Aber wäre es richtig, einen Blogeintrag über einen Linkkäufer aus dem Netz zu nehmen, weil der durch die öffentliche Beschreibung seines Tuns seinen Ruf gefährdet sieht?

    Ein schweres Dilemma.