Thüringen: Neuigkeiten?
Von Paulus Bünzly
Wer waren die ersten drei Politiker? Die Heiligen Drei Könige! Sie legten die Arbeit nieder, zogen schöne Gewänder an und gingen auf Reisen.
Wenn man sich ein bißchen für Politik interessiert, fragt man sich manchmal, was Berufspolitiker eigentlich so den ganzen Tag machen. Was macht z.B. so eine Ministerpräsidentin in ihrem ersten Amtsjahr?. Nehmen wir doch die von Thüringen. Die legte sich tatsächlich einen einzigen Anzug (Merkel-Barock in silbergrau) zu und fliegt z.B. nach Kanada oder nach Kleinpolen, um wahlweise Investoren zu werben oder die Partnerschaft zu bekräftigen. Sie empfängt den britischen, französischen und italienischen Botschafter und unterhält sich mit den Thüringer Bischöfen über Kindertagesstättengesetz und das Thüringer Erziehungsgeldgesetz, Schulen in freier Trägerschaft, die Weiterentwicklung des Thüringer Schulsystems und das Reformationsjubiläum 2017. Dass Deutschland zur Zeit von einem Mißbrauchsskandal erschüttert wird, der auch Thüringen betrifft, spielte offenbar keine Rolle.
So sieht also Regierung aus.
Vor sechs Monaten verlor die Thüringer CDU die absolute Mehrheit und mußte eine Koalition mit der SPD eingehen. Ministerpräsident Althaus trat zurück und die neue Ministerpräsidentin, Christine Lieberknecht, wurde erst im dritten Wahlgang gewählt. Das Kabinett wurde hier und da umgestaltet, d.h. Posten wurden getauscht und mit dem Koalitionsvertrag wurde eine Fortsetzung der bewährten Politik versprochen:
Und so kam es dann ja auch.
Denn was ist in den letzten 6 Monaten, seit Amtsantritt der halberneuerten Thüringer Regierung eigentlich tatsächlich passiert?
Nichts.
Oder besser: fast nichts. Passiert ist natürlich schon so Einiges. Aber das hatte bisher wenig mit der Arbeit der Regierungskoalition zu tun.
Zunächst wechselte Dieter Althaus, ohne jede Rücksicht auf politische Befindlichkeiten, in den Lobbyismus und wurde Berater für MAGNA, den Konzern, der sich in der “Bieterschlacht” um die deutschen Opelstandorte nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Und er erklärte, dass er auch wieder Ski fahren werde.
Der Bund der Steuerzahler stellte fest, dass die Rentenansprüche der Thüringer Landtagsabgeordneten zu früh erworben werden und in der Üppigkeit den Vergleich mit den alten Bundesländern nicht nur nicht scheuen müssen, sondern diese teilweise weit übertreffen.
Da passt es natürlich, dass Thüringen auf Platz zwei der am stärksten alternden und schrumpfenden Bundesländer steht. Nach neuesten Berechnungen werden im Jahr 2060 fast nur noch halb soviele Menschen in Thüringen leben wie zur Zeit. 36 Prozent der Bevölkerung in den neuen Bundesländern werden dann 65 Jahre und älter sein, wie das Statistische Bundesamt im Februar mitteilte.
Dann stellte man fest, dass die ehrgeizigen Pläne des umtriebigen Wirtschaftsministers Machnig, Thüringen zum Solarparadies zu mästen, mit den Vorstellungen des Bundesumweltministers nicht kompatibel sind. Geplant ist eine Kürzung der Einspeisevergütungen für Solarstrom, der ja eigentlich die Zukunft Thüringens werden soll.
Die Eisenacher Opel-Arbeitsplätze stehen weiterhin in der Diskussion. Die Bundesregierung verzögert die Entscheidung über Jobgarantien bei Opel bis in die Zeit nach der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 9. Mai, während die britische Regierung bereits fleißig Zusagen in dreistelligen Millionenbeträgen an den Opel-Mutterkonzern General Motors macht.
Aber der thüringische Wirtschaftsminister Machnig fordert im Interview mit der Tageszeitung Die Welt schonmal “Die Löhne müssen steigen”.
Die ehrgeizigen Pläne des neuen Kultusministers Matschie, das Volksbegehren für eine bessere Familienpolitik 1:1 in Gesetzsprechung umzuwandeln, steht inzwischen, nach vorübergehender Einigkeit im Januar, wieder zur Disposition . Denn der Haushalt für das kommende Jahr wird zur Zeit heftig und erbittert diskutiert. Das Geld ist natürlich knapp und da erwägt man jetzt auch ein paar Kürzungen hier und da. Der Zweck heiligt in diesem Fall natürlich die Mittel. Und das neue Thüringer Kindergartengesetz steht da erheblich auf der Kippe.
(Ab)Geschafft hat die schwarz-rote Regierung bisher einzig und allein die Verwaltungsgebühr für Studenten. Das raubt dem Thüringer Landeshaushalt natürlich ebenfalls einige Millionen.
Überhaupt, der Haushalt. Ein spannendes Thema. Am spannendsten sind die Stellen an denen plötzlich gespart werden muss. Dazu später mehr.
Barack Obama hat im ersten Jahr seiner Amtszeit den Friedensnobelpreis erhalten und eine historische Reform der Krankenversicherung auf den Weg gebracht. Christine Lieberknecht hat sich erstmal einen neuen Anzug gekauft. Und den trägt sie jetzt wirklich überall.
Es ist eigentlich eine Bombe, die da gestern in Thüringen einschlug. Und sie war doch nur ein Vorbeben zu dem, was momentan in der Presselandschaft um sich greift: Allzu mächtige und deshalb unliebsame Chefs werden von politischen Gegnern einfach abgesetzt. Gestern der Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen, heute der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. 





