Archive for the 'Wirtschaft' Category

Wie man Wahlen gewinnt am Beispiel Jenas

schuchiMancher, der neu in der Politik ist, glaubt, Wahlen gewinne man mit Einsatz und Idealismus. Mit bitteren Erfahrungen muß man sich eines besseren belehren lassen. Wahlen gewinnt man nur mit stupider Werbung auf allen Kanälen.. Nach dem Motto: Viel hilft viel. Indem der Name eines Kandidaten immer und immer wiederholt wird – möglichst in einem positiven Kontext – entsteht der Eindruck der Vertrautheit. Es handelt sich hier um ein einfaches psychologisches Phänomen. Den sogenannten “Mere exposure effect“. Kontakthäufigkeit = Vertrauen. Man wählt nur was man kennt. Oder was man glaubt zu kennen. Die wenigsten Wähler beschäftigen sich mit Parteiprogrammen oder überhaupt mit Politik. Relevant ist nur, ob der Name, den man ankreuzen soll, irgendwie bekannt klingt. Hängt der Name na jedem Laternenpfahl und steht an jeder größeren Straßenkreuzung ein Großplakat, wird der Eindruck der Bekanntheit und der Wichtigkeit erzeugt. Jemand für den so geworben wird, muss toll sein.

Wahlen sind nichts anderes als Materialschlachten. Wer kann sich die meisten Plakate leisten und wird am häufigsten in Presse, Funk und Fernsehen genannt … heißt, wer hat das meiste Geld zur Verfügung. Das meiste Geld haben die Großparteien SPD und CDU … und die Linke mit ihren schwarzen Kassen.

Frank Cebulla beschreibt das Phänomen sehr schön aus der Perspektive eines enttäuschten Jenaer Piraten:

      Ich kenne Leute, die von sei­nem Kon­ter­fei geträumt haben. Ein­fach, weil es über­all war. Ein Exzess der poli­ti­schen Eitel­keit, sich selbst an allen Mas­ten zu sehen, viel­tau­send­fach, auf Groß­pla­ka­ten, in Anzei­gen in Tages­zei­tun­gen — immer und über­all das glei­che Foto. Wenn man als Par­tei rich­tig Kohle hat, geht das. Man beauf­tragt eine Agen­tur zur Her­stel­lung des Pla­kats und eine andere zum Auf­hän­gen. Man zückt die Geld­börse und schwupp­di­wupp ist schon ein Tag nach der Wahl wie­der alles ver­schwun­den. Das ist so pro­fes­sio­nell und funk­tio­niert so gut, dass gar nicht auf­fällt, dass Inhalte dabei nicht vor­ge­se­hen sind. Man prü­gelt einen Namen und ein (schlecht foto­gra­fier­tes) Abbild eines Kop­fes ins Unter­be­wußte der Wäh­ler und war­tet auf die Stim­men, die wie von selbst kom­men — im Falle von Herrn Schuchardt waren es die­ses Mal 6324. Warum Herr Schuchardt eigent­lich mit so bra­chia­ler Gewalt in den Jenaer Stadt­rat will und was er dort zu tun und zu bewe­gen gedenkt, erschliesst sich mir nicht. Denn auch in der ver­gan­ge­nen Amts­pe­riode ist er dort nicht in Erschei­nung getre­ten. Er ist auch im Wahl­kampf nicht in Erschei­nung getre­ten — wenn man mal von der Seu­che sei­nes Kon­ter­feis in der Stadt absieht.

Nochmal: Geld gewinnt Wahlen, nicht Einsatz, nicht Idealismus.

Das ist die erste schwere Lektion. Und es folgen noch viele weitere …

Deutschland Today vs. Zeitungsgruppe Thüringen

Die Zeitungsgruppe Thüringen ist der Ansicht, dass das Werbeblättchen Deutschland Today mit zu hohen Nutzerzahlen prahlt. Deutschland Today hat deshalb von der Zeitungsgruppe Thüringen eine Abmahnung erhalten. Man schreibt (Deutschland Today hat den Brief der Anwälte der ZGT im Netz veröffentlicht):

“Schließlich ist die Werbung “2 Mio. Online -Klicks” in dieser Form wettbewerbswidrig, da sie zum einen nicht angibt, in welchem Zeitraum die behaupteten Klicks erfolgen. Der Zeitraum ist zur Bewertung der Werbeaussage durchaus erheblich. Zum anderen haben wir aufzufordern, entsprechende Mediadaten offen zu legen, die derartiges nachweisen. Auf den Plakaten ist selbiges nicht ersichtlich.

Ein solcher Vorgang ist besonders bemerkenswert, wenn man weiß, dass die ZGT in der Vergangenheit selbst bereits erhebliche Kreativität in der Darstellung ihrer Nutzer- und Leserzahlen bewiesen hat.

Werbekunden sind die relevante Währung im Zeitungsgeschäft. Mit Anzeigen von Autohäusern und Bordellen wird heute im Journalismus das Geld umgesetzt. Deshalb ist es wichtig, diese Kunden zu werben. Meist mit geschönten Leserzahlen.

Zwei Millionen “Klicks” sind jedenfalls nicht ganz ohne. Deutschland Today kann das mit seinem kläglichen Webauftritt wahrscheinlich höchstens im Jahr generieren. Das lockt aber sicher keinen Zuhälter hinterm Ofen hervor.

Eins findet die Zeitungsgruppe Thüringen übrigens auch noch wichtig: Deutschland Today dürfe sich nicht als “Zeitung” bezeichnen.

Ein Anzeigenblatt, dessen redaktioneller Teil vernachlässigbar erscheint im Vergleich zu der im Blatt bzw. beiliegenden Werbung kann unseres Erachtens nicht für sich in Anspruch nehmen, als “Zeitung” bezeichnet zu werden.

Lustig, oder?

Aljazeera über Jena

Der arabische Sender Aljazeera über den wachsenden Unmut des Westens über den Milliardentransfer in den Osten und einen der wenigen Profiteure: Jena.

Russischer Milliardär verdient an Umweltskandal in Thüringen

Irgendwie hat jeder schon einmal etwas davon mitbekommen und gleich wieder weggehört: Die Werra ist versalzen.

Das klingt wie ein ziemlich langweiliges Nischenthema für strickende Sandalenträger. In Wirklichkeit ist es ein Umweltskandal allererster Güte. Das Großunternehmen Kali und Salz AG – mit mehr als 8000 Arbeitsplätzen – droht mit Schließung, wenn es das Flusswasser der Werra nicht mehr mit Tonnen von Salz verdrecken darf. Das Unternehmen verdient sich mit dieser Erpressung gleichzeitig eine goldene Nase. Die Kosten aber tragen die Werra-Anrainer.

Achtzig Prozent des abgebauten Salzes muss entsorgt werden. Das geschieht auf Abraumhalten, in Katakomben und eben durch Verpressung der Salzlauge ins Erdreich und damit in das Grundwasser und durch direkte Einleitung in die Werra.

Noch absurder: Der Flusslauf wurde von der Quelle an nach der Wende für Millionen von Euro aufwendig gereinigt und steht unter besonderem Schutz. Ab Gerstungen ist die Werra jedoch nur noch eine stinkende Kloake und zerstört Flora und Fauna am Flußlauf. Das Trinkwasser schmeckt salzig und gleicht eher einer trüben Brühe. Über große Strecken hatte die Werra etwa einen Salzgehalt wie die Ostsee. Die starke Versalzung zerstörte und veränderte das Ökosystem nahezu vollständig.

Das ARD-Magazin Panorama sendete im Mai einen Beitrag über den grotesken Umweltskandal:

Das Großunternehmen K+S AG macht derweil glänzende Gewinne (im Jahr 2009 fast 100 Millionen Euro) und beschert seinen Aktionären üppige Dividenden. Die Aktienmehrheit hat ein russischer Milliardär.

Schleichwerbung und kein Ende

Von Sven

Ich bin ein bißchen in einer Zwickmühle. Ich bekomme Anrufe. Seit Wochen. Nun ja, das ist zunächst mal nichts Schlimmes. Aber jetzt kommts: Der Geschäftsführer einer Firma, die Links in Blogs kauft, will mich dazu zu bewegen, einen Beitrag der THÜRINGER BLOGZENTRALE aus dem Netz zu nehmen. Warum? Weil er von großen deutschen Unternehmen dafür bezahlt wird, Links in Blogs zu kaufen und weil das auch so in der Blogzentrale steht.

Viele der Blogeinträge in der THÜRINGER BLOGZENTRALE aus den letzten Wochen drehten sich nur um dieses eine Thema: Den Einfluss kommerzieller Werbeunternehmen auf Blogger und Journalisten. Dieses Phänomen greift in der Blogosphäre trotz skandalträchtiger Diskussion ungehindert um sich.

Ein Thüringer Blogger schickte uns nun kürzlich folgende Mail zu, die er von einer Werbefirma erhalten hatte:

Hier soll der Blogger ein Produkt besprechen und darf sogar kritische Dinge schreiben. Was vermutlich in der nächsten Mail gekommen wäre: Die Aufforderung zur Setzung eines Links … Wert: 50 Euro.

Auch der News-Aggregations-Dienst WIKIO sucht tolle Autoren:

Der Traum eines jeden Bloggers. Über die Dinge zu schreiben, die ihn interessieren und dafür bezahlt zu werden. Was könnte schöner sein? Bei Wikio Experts können Sie…

  • Geld verdienen, indem Sie über Themen schreiben, die Ihnen liegen
  • Kreativ sein und ganz frei Ihre Meinung äußern
  • Artikel unter Ihrem Namen veröffentlichen
  • Schreiben, wann und wo Sie wollen – die Arbeitsmenge bestimmen Sie selbst
  • Freunde werben & ein Jahr lang eine Prämie von 10% ihrer Einkünfte erhalten
  • Und das allerschönste ist:

      Jeder veröffentlichte Beitrag wird von uns vergütet, entweder mit einem festen Betrag oder über Umsatzbeteiligung. In der Regel zahlen wir pro Artikel 5 bis 15 Euro, je nach Thema und Arbeitsaufwand. Die Beiträge sollen zwischen 300 und 400 Wörtern lang sein. In Frankreich, wo Wikio Experts schon seit 7 Monaten online ist, erhalten unsere Mitglieder oft rund 350 Euro pro Monat.

    WIKIO wirbt mit dem Slogan “Werden Sie Freelance-Autor für Wikio Experts”. Das hört sich an wie … billige Contentgenerierung und Linkkauf.

    Diese Entwicklungen sind besorgniserregend. Noch besorgniserregender ist allerdings die Naivität mit der Blogger in die Fallen der Linkkaufmafia stolpern. Linkkauf und Schleichwerbung in Blogs sind gang und gäbe, das haben wir zur Genüge besprochen. Was daran schlimm ist, auch.

    Bleibt die Frage, was ich mit dem Mann machen soll, der hier einmal die Woche anruft, weil er aus der Google-Trefferliste verschwinden will. Verstehen kann ich sein Anliegen gut. Und nett ist der Mann auch. Aber wäre es richtig, einen Blogeintrag über einen Linkkäufer aus dem Netz zu nehmen, weil der durch die öffentliche Beschreibung seines Tuns seinen Ruf gefährdet sieht?

    Ein schweres Dilemma.

    Videocracy: Die Berlusconisierung der Medien

    Videocracy ist ein Dokumentarfilm des italienisch-schwedischen Regisseurs Erik Gandini aus dem Jahr 2009 über Silvio Berlusconis Einfluss auf das italienische Fernsehen und damit auf die italienische Kultur und Politik.

    Das italienische Fernsehen ist zu großen Teilen unter der Kontrolle Berlusconis. Was mit einem privaten Fernsehsender mit leichter Unterhaltung mit “Tutti Frutti”-Elementen begann wurde später zum größten und einflussreichsten Medienunternehmen Italiens.

    Das TV-Programm umkränzt mit leichten Unterhaltungsshows Berlusconis politische Meinungen und Visionen. Zu sehen sind vor allem vollbusige, halbnackten Frauen, sogenannte “Veline” an der Seite ältlicher Showmaster.

    Die Dokumentation zeigt die ganze Bandbreite des Wahnsinns und des Elends einer Nation, die von einem einzigen Mann völlig hypnotisiert zu sein scheint.

    Dieses – nur scheinbar – sehr italienische Phänomen liefert aber auch eine mögliche Erklärung für die unterschiedlichen Meinungen von Volk und Qualitätsmedien zur Guttenberg-Affäre in Deutschland und gibt einen Hinweis darauf, was wir noch zu erwarten haben, wenn einer der größten deutschen Medienkonzerne neben dem Zeitungsmarkt auch noch das Privatfernsehen dominiert.

    Lokaljournalismus 2.0: “Mein Anzeiger” und “Deutschland Today”

    Von Sven

    Lokaljournalismus im Netz sei “das nächste große Ding” … behaupten die Prenzlauer-Berg-Nachrichten. Sie können Ihre Eigenwerbung bei SPIEGEL ONLINE, der taz, dem Deutschlandfunk und dem Medienmagazin ZAPP unterbringen. Währenddessen startete die Zeitungsgruppe Thüringen vorgestern ein lokales Portal, für das schon mal über “Nutzertypologien” und “Meinungsführer” nachgedacht wurde.

    Die THÜRINGER BLOGZENTRALE gibt es jetzt seit 5 Jahren. Wir haben Lokalpolitiker geärgert, Bundes- und Landespolitik zerissen, Kunst und Kultur kritisiert, die Thüringer Medienlandschaft beobachtet und die Entwicklung der deutschen Internetpolitik – mit Schleichwerbung, Netzsperren und Datenschutzkatastrophen – kritisch hinterfragt … wir haben hier deshalb diverse Shitstorms überstanden, sind knapp an einer Abmahnung (eines prominenten anderen Bloggers) vorbeigeschlittert, sind bedroht und beleidigt worden, wir haben Interviews gegeben und Vorträge gehalten. Wir waren im Fernsehen, in der Zeitung und im Radio, stehen in medienwissenschaftlichen Fachpublikationen und Dissertationen. Die THÜRINGER BLOGZENTRALE hat in Hochzeiten mehr als 10.000 Besucher am Tag und ihre Autoren arbeiten auch für die ZEIT, TELEPOLIS, Leipziger Volkszeitung oder die Thüringer Allgemeine. Die THÜRINGER BLOGZENTRALE steht auf Platz vier der hundert beliebtesten Regionalblogs in Deutschland.
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    Betrugsverdacht beim Kinderkanal in Erfurt