Archive for the 'Wirtschaft' Category

Russischer Milliardär verdient an Umweltskandal in Thüringen

Irgendwie hat jeder schon einmal etwas davon mitbekommen und gleich wieder weggehört: Die Werra ist versalzen.

Das klingt wie ein ziemlich langweiliges Nischenthema für strickende Sandalenträger. In Wirklichkeit ist es ein Umweltskandal allererster Güte. Das Großunternehmen Kali und Salz AG – mit mehr als 8000 Arbeitsplätzen – droht mit Schließung, wenn es das Flusswasser der Werra nicht mehr mit Tonnen von Salz verdrecken darf. Das Unternehmen verdient sich mit dieser Erpressung gleichzeitig eine goldene Nase. Die Kosten aber tragen die Werra-Anrainer.

Achtzig Prozent des abgebauten Salzes muss entsorgt werden. Das geschieht auf Abraumhalten, in Katakomben und eben durch Verpressung der Salzlauge ins Erdreich und damit in das Grundwasser und durch direkte Einleitung in die Werra.

Noch absurder: Der Flusslauf wurde von der Quelle an nach der Wende für Millionen von Euro aufwendig gereinigt und steht unter besonderem Schutz. Ab Gerstungen ist die Werra jedoch nur noch eine stinkende Kloake und zerstört Flora und Fauna am Flußlauf. Das Trinkwasser schmeckt salzig und gleicht eher einer trüben Brühe. Über große Strecken hatte die Werra etwa einen Salzgehalt wie die Ostsee. Die starke Versalzung zerstörte und veränderte das Ökosystem nahezu vollständig.

Das ARD-Magazin Panorama sendete im Mai einen Beitrag über den grotesken Umweltskandal:

Das Großunternehmen K+S AG macht derweil glänzende Gewinne (im Jahr 2009 fast 100 Millionen Euro) und beschert seinen Aktionären üppige Dividenden. Die Aktienmehrheit hat ein russischer Milliardär.

Schleichwerbung und kein Ende

Von Sven

Ich bin ein bißchen in einer Zwickmühle. Ich bekomme Anrufe. Seit Wochen. Nun ja, das ist zunächst mal nichts Schlimmes. Aber jetzt kommts: Der Geschäftsführer einer Firma, die Links in Blogs kauft, will mich dazu zu bewegen, einen Beitrag der THÜRINGER BLOGZENTRALE aus dem Netz zu nehmen. Warum? Weil er von großen deutschen Unternehmen dafür bezahlt wird, Links in Blogs zu kaufen und weil das auch so in der Blogzentrale steht.

Viele der Blogeinträge in der THÜRINGER BLOGZENTRALE aus den letzten Wochen drehten sich nur um dieses eine Thema: Den Einfluss kommerzieller Werbeunternehmen auf Blogger und Journalisten. Dieses Phänomen greift in der Blogosphäre trotz skandalträchtiger Diskussion ungehindert um sich.

Ein Thüringer Blogger schickte uns nun kürzlich folgende Mail zu, die er von einer Werbefirma erhalten hatte:

Hier soll der Blogger ein Produkt besprechen und darf sogar kritische Dinge schreiben. Was vermutlich in der nächsten Mail gekommen wäre: Die Aufforderung zur Setzung eines Links … Wert: 50 Euro.

Auch der News-Aggregations-Dienst WIKIO sucht tolle Autoren:

Der Traum eines jeden Bloggers. Über die Dinge zu schreiben, die ihn interessieren und dafür bezahlt zu werden. Was könnte schöner sein? Bei Wikio Experts können Sie…

  • Geld verdienen, indem Sie über Themen schreiben, die Ihnen liegen
  • Kreativ sein und ganz frei Ihre Meinung äußern
  • Artikel unter Ihrem Namen veröffentlichen
  • Schreiben, wann und wo Sie wollen – die Arbeitsmenge bestimmen Sie selbst
  • Freunde werben & ein Jahr lang eine Prämie von 10% ihrer Einkünfte erhalten
  • Und das allerschönste ist:

      Jeder veröffentlichte Beitrag wird von uns vergütet, entweder mit einem festen Betrag oder über Umsatzbeteiligung. In der Regel zahlen wir pro Artikel 5 bis 15 Euro, je nach Thema und Arbeitsaufwand. Die Beiträge sollen zwischen 300 und 400 Wörtern lang sein. In Frankreich, wo Wikio Experts schon seit 7 Monaten online ist, erhalten unsere Mitglieder oft rund 350 Euro pro Monat.

    WIKIO wirbt mit dem Slogan “Werden Sie Freelance-Autor für Wikio Experts”. Das hört sich an wie … billige Contentgenerierung und Linkkauf.

    Diese Entwicklungen sind besorgniserregend. Noch besorgniserregender ist allerdings die Naivität mit der Blogger in die Fallen der Linkkaufmafia stolpern. Linkkauf und Schleichwerbung in Blogs sind gang und gäbe, das haben wir zur Genüge besprochen. Was daran schlimm ist, auch.

    Bleibt die Frage, was ich mit dem Mann machen soll, der hier einmal die Woche anruft, weil er aus der Google-Trefferliste verschwinden will. Verstehen kann ich sein Anliegen gut. Und nett ist der Mann auch. Aber wäre es richtig, einen Blogeintrag über einen Linkkäufer aus dem Netz zu nehmen, weil der durch die öffentliche Beschreibung seines Tuns seinen Ruf gefährdet sieht?

    Ein schweres Dilemma.

    Videocracy: Die Berlusconisierung der Medien

    Videocracy ist ein Dokumentarfilm des italienisch-schwedischen Regisseurs Erik Gandini aus dem Jahr 2009 über Silvio Berlusconis Einfluss auf das italienische Fernsehen und damit auf die italienische Kultur und Politik.

    Das italienische Fernsehen ist zu großen Teilen unter der Kontrolle Berlusconis. Was mit einem privaten Fernsehsender mit leichter Unterhaltung mit “Tutti Frutti”-Elementen begann wurde später zum größten und einflussreichsten Medienunternehmen Italiens.

    Das TV-Programm umkränzt mit leichten Unterhaltungsshows Berlusconis politische Meinungen und Visionen. Zu sehen sind vor allem vollbusige, halbnackten Frauen, sogenannte “Veline” an der Seite ältlicher Showmaster.

    Die Dokumentation zeigt die ganze Bandbreite des Wahnsinns und des Elends einer Nation, die von einem einzigen Mann völlig hypnotisiert zu sein scheint.

    Dieses – nur scheinbar – sehr italienische Phänomen liefert aber auch eine mögliche Erklärung für die unterschiedlichen Meinungen von Volk und Qualitätsmedien zur Guttenberg-Affäre in Deutschland und gibt einen Hinweis darauf, was wir noch zu erwarten haben, wenn einer der größten deutschen Medienkonzerne neben dem Zeitungsmarkt auch noch das Privatfernsehen dominiert.

    Lokaljournalismus 2.0: “Mein Anzeiger” und “Deutschland Today”

    Von Sven

    Lokaljournalismus im Netz sei “das nächste große Ding” … behaupten die Prenzlauer-Berg-Nachrichten. Sie können Ihre Eigenwerbung bei SPIEGEL ONLINE, der taz, dem Deutschlandfunk und dem Medienmagazin ZAPP unterbringen. Währenddessen startete die Zeitungsgruppe Thüringen vorgestern ein lokales Portal, für das schon mal über “Nutzertypologien” und “Meinungsführer” nachgedacht wurde.

    Die THÜRINGER BLOGZENTRALE gibt es jetzt seit 5 Jahren. Wir haben Lokalpolitiker geärgert, Bundes- und Landespolitik zerissen, Kunst und Kultur kritisiert, die Thüringer Medienlandschaft beobachtet und die Entwicklung der deutschen Internetpolitik – mit Schleichwerbung, Netzsperren und Datenschutzkatastrophen – kritisch hinterfragt … wir haben hier deshalb diverse Shitstorms überstanden, sind knapp an einer Abmahnung (eines prominenten anderen Bloggers) vorbeigeschlittert, sind bedroht und beleidigt worden, wir haben Interviews gegeben und Vorträge gehalten. Wir waren im Fernsehen, in der Zeitung und im Radio, stehen in medienwissenschaftlichen Fachpublikationen und Dissertationen. Die THÜRINGER BLOGZENTRALE hat in Hochzeiten mehr als 10.000 Besucher am Tag und ihre Autoren arbeiten auch für die ZEIT, TELEPOLIS, Leipziger Volkszeitung oder die Thüringer Allgemeine. Die THÜRINGER BLOGZENTRALE steht auf Platz vier der hundert beliebtesten Regionalblogs in Deutschland.
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    Betrugsverdacht beim Kinderkanal in Erfurt

    Wieviele Menschenleben kostet erneuerbare Energie?

    Von Neidhart von Schwarzburg

    Ein hoher Funktionär der Thüringer CDU unterhält Verbindungen zu einem dubiosen Verein, der den Klimawandel infragestellt. Bezahlt wird dieser Verein von Auto- und Erdölkonzernen wie Chevron, DaimlerChrysler und ExxonMobil.

    Während sich im mexikanischen Cancún die Staatsmänner der Welt zur abschließenden Sitzung der UN-Klimaschutzkonferenz trafen, fand in Berlin die jährliche Gegenkonferenz statt. Eingeladen zu dieser “Internationalen Energie- und Klimakonferenz” hatten die Gegner der Annahme von der menschengemachten Klimaerwärmung, das sogenannte EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie) und die europäische Dependance des US-amerikanischen Vereins CFACT (Committee For A Constructive Tomorrow). Beide Vereine teilen sich ein Postfach in Jena. Präsident bzw. Vorsitzender ist in beiden Fällen ein und dieselbe Person.

    Das ZDF-Magazin Frontal21 berichtete Anfang Dezember über diese “Internationale Energie- und Klimakonferenz” und ihre Ausrichter. Diese haben ausgezeichnete Verbindungen zur FDP, deren Friedrich-Naumann-Stiftung ebenfalls als Organisator auftritt. Ein weiterer Ausrichter dieser Konferenz ist die Berliner Zentrale des “Manhattan Instituts“, eines neokonservativen Thinktanks, dessen Aufgabe es ist, die “Prinzipien der freien Marktwirtschaft” zu propagieren.

    Während EIKE vor allem durch lautstarke Klimaskeptikerpropaganda auffällt und reißerische Artikel mit dem Titel “Wie viele Menschenleben kostet erneuerbare Energie?” oder „Nutznießer der Klimakatastrophe im Umweltministerium und im PIK“ veröffentlicht, macht CFACT mit tollen Aktionen von sich reden:

    Die Umweltschutzorganisation Greenpeace berichtet (PDF), dass CFACT allein 2004 von von dem US-amerikanischen Erdölkonzern ExxonMobil rund 125.000 US-Dollar erhielt, davon 50.000 US-Dollar für den bezeichnenden Titel „Grassroot Efforts on Climate Change Issues“.

    Mit der Mobilisierung politischer “Grassroots” und ihrer Vortäuschung kennt sich auch ein Thüringer CDU-Spitzenpolitiker aus. Hat er doch ein Buch zum Thema “Grassroots und Mobilisierung im Bundestagswahlkampf 2005″ mit herausgegeben. Im Landtagswahlkampf 2009 ging eine von ihm inszenierte “Grassroots“-Kampagne gegen den Spitzenkandidaten der Linken, Bodo Ramelow, jedoch schief, weil der Aufruf des damaligen Landesvorsitzenden der Jungen Union – bei Veranstaltungen Ramelows in “zivil” zu erscheinen und gezielt “kontrastierende Werbung” zu verbreiten – bei Wikileaks gelandet war.

    Der Mann sitzt nun zufällig auch im Beirat des gut finanzierten Klimaskeptikerverein ohne Büro. Er und der CFACT/EIKE-Chef kennen sich noch aus Zeiten früher Zusammenarbeit in der CDU-Nachwuchsorganisation RCDS, deren Vorsitzender und Co-Vorsitzender die beiden einst waren. Gemeinsam gab man eine Broschüre zur Geschichte des RCDS heraus. Heute organisiert der eine, Dr. Holger Thuss, Lobbykonferenzen und der andere, Dr. Mario Voigt, die mitgliederstärkste Partei Thüringens.

    Wie anpassungsfähig der Generalsekretär der Thüringer CDU ist, zeigen seine jüngsten Äußerungen zur Energiepolitik. Hier erklärt er Thüringen zum “Musterland der erneuerbaren Energie” und schilt den energiepolitischen Kurs der SPD als „realitätsfern und ideologisch aufgeladen“.

    Fehlenden Pragmatismus will er sich offenbar nicht vorwerfen lassen.

    Winter: Ausnahmezustand in Thüringen

    Warnhinweis eingeschränkter Winterdienst

    “Gesperrte Autobahnen, verwehte Straßen: Der Winterdienst gelangt zunehmend an seine Grenzen. Auf den Bergen ist die Ein-Meter-Grenze überschritten. Doch auch im Tal kommen jeden Tag mindestens 10 Zentimeter Neuschnee hinzu. Damit wird das Verkehrschaos zum Dauerzustand. Ende ungewiss.” schreibt die Thüringer Allgemeine heute.

    Die Ursachen für diese katastrophenartigen Zustände könnten hausgemacht sein – und damit ist nicht Thüringer Beitrag zum “Treibhauseffekt” gemeint. Die Thüringer Straßenmeistereien wurden 2002 komplett privatisiert. Das ist ein für das Bundesgebiet einmaliger Zustand.

    Die Dienstleistungsgewerkschaft verdi schreibt dazu:

    “Veranschlagt man im Bundesdurchschnitt für Winterdienst pro Kilometer Bundes- oder Landstraße je Winterperiode 2500,- Euro, so kostete der Winterdienst je Kilometer Landstraße in Thüringen 4950,- und je Kilometer Bundesstraße sogar 7470,- Euro. Diese Zahlen hat der Landesrechnungshof ermittelt. Kommunen in Thüringen haben bereits reagiert und führen den Winterdienst in den Ortsdurchfahrten wieder in eigener Regie durch – das ist für sie günstiger.

    Im Januar diesen Jahres fragte die Abgeordnete der Grünen im Thüringer Landtag, Jennifer Schubert, wie hoch denn die Ausgaben für den Winterdienst in den vergangenen Jahren seit 2002 lagen. Die Antwort der Thüringer Landesregierung (PDF):

    Die Winterdienstkosten betrugen gerundet in Mio. € 2002/03 10,9, 2003/04 12,9,2004/05 16,5, 2005/06 18,6 Mio. €, 2006/07 10,1 Mio. €, 2007/08 14,9 Mio. € und 2008/09 20,7 Mio. €.

    Bei einer angenommenen Verdopplung der Kosten hat das Land Thüringen damit in den letzten 8 Jahren 50 Millionen Euro zuviel ausgegeben.

    Der Landesrechnungshof bemängelte das in seinem Bericht von 2008:

    Das mit der Privatisierung des Straßenbetriebsdienstes verfolgte Ziel einer nachhaltigen Kostensenkung wurde bisher verfehlt. Die Ausgaben für den Winterdienst auf den Landesstraßen in Thüringen haben sich seit der Winterperiode 2001/2002 mehr als verdoppelt.

    Das wird vom Betreiber unter anderem auf den verdoppelten Streusalzverbrauch und die abgerechneten Räumkilometer zurückgeführt.

    Der Winter 2010/11 wird die Thüringer also damit ganz sicher noch teurer zu stehen kommen.

    Protected: Thüringen: Neuigkeiten?

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    Ostdeutscher Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen, durch Westdeutschen ersetzt

    lochti.jpgEs ist eigentlich eine Bombe, die da gestern in Thüringen einschlug. Und sie war doch nur ein Vorbeben zu dem, was momentan in der Presselandschaft um sich greift: Allzu mächtige und deshalb unliebsame Chefs werden von politischen Gegnern einfach abgesetzt. Gestern der Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen, heute der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.

    Sowohl Lochthofen als auch Brender waren zu mächtig und zu selbstständig geworden. Lochthofen, der in den Wendewirren von der damaligen Belegschaft der Thüringer Allgemeinen ins Amt gewählt(!) wurde, muss einem “Erneuerungsprozess” des Thüringer Zeitungsmonopolisten weichen. Die drei Titel Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung sollen stärker zentralisiert und vereinheitlicht werden. “Regionalen Newsdesk” nennt sich die Sparmaßnahme, mit der Redaktionen zusammengelegt und damit Kosten gespart werden sollen. Gegenüber “FAZ.net” verglich Lochthofen das Vorgehen des Verlages mit den Methoden des Stalin-Regimes.

    An die Stelle des Ostdeutschen Chefredakteuers, eines der wenigen profilierten und einflussreichen ehemaligen DDR-Bürger, die auch im Westen ernstgenommen wurden, soll nun der Chefredakteuer der Braunschweiger Zeitung treten.


    Hintergrundinfos gibts bei DNews und bei Meedia

    Wir hatten Herrn Lochthofen im September 2007 im Blogzentrale-Interview

    Protected: Einer von uns: Verteidigungsminister Guttenberg

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