Archive for the 'Feuilleton' Category

Grass hat recht … sagen nur unbelehrbare Antisemiten?

Von Neidhart von Schwarzburg

Nehmen wir mal an, anstelle des Wortes “Israel” hätte in Grass’ Gedicht “USA” gestanden. Es wäre nicht weniger wahr gewesen.

Aber hätte ein solches Gedicht dann dasselbe Echo erhalten? Hätte es ähnlich verbitterte und haßerfüllte Kommentare gegeben? Die gleichen Vorwürfe? Beleidigungen?
Man muss lediglich ein paar Worte austauschen:
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Gealtert und mit letzter Tinte: Das Gedicht von Günter Grass

Von Neidhart von Schwarzburg

Innerhalb von Stunden hat die Empörung über ein Gedicht von Günter Grass einen Höhepunkt erreicht. Grass schreibt darüber, dass er nun – da Deutschland atomwaffenfähige U-Boote nach Israel liefert – sein Schweigen zur israelischen Atom-Politik beenden möchte. Grass schreibt außerdem, er habe bisher geschwiegen, weil jede Kritik an der Politik Israels schnell zum globalen Antisemitismusverdacht wird. Die hysterischen Reaktionen zeigen: Er hatte recht.

Prüfen wir zunächst kurz die Fakten:

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Sven Regener & 51 Tatort-Autoren im Kampf gegen das Internet

Von Neidhart von Schwarzburg

Die Piraten nehmen den Künstlern das Butterbrot weg. Zeit, dass die Künstler sich dagegen wehren. Großzügige Unterstützung bekommen sie in ihrem Kampf gegen das Internet von ihren Feudalherren in der Medienindustrie

In einem Resümee der Tagung der “Film- und Medienwirtschaft” zum Thema “Urheberrecht in der digitalen Medienwelt” wurde kürzlich festgestellt:

    Solange die sogenannten Netzaktivisten dank enormer Außenwirkung eine “Meinungsführerschaft” in Fragen der Reglementierung des Internets für sich beanspruchen können, sieht sich die Politik auf breiter Basis buchstäblich außerstande, Regelungen zu treffen, die ein gefühltes “Grundrecht auf Internet”, wie es MdB Thomas Jarzombek (CDU) formulierte, zu berühren drohen.

Dagegen muss man etwas unternehmen. Und man hat auch schon eine Lösung:
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Liebe Generation meiner Eltern,

Ihr seid entsetzt.

Ihr seid total baff, dass eine Partei wie die Piraten 7,5 Prozent der Wählerstimmen bekommt. Ihr fragt mich, Euren Sohn oder Neffen, wie das kommen kann. Wie solche Chaoten, wie Computerspinner, die kein Programm haben, außer das Urheberrecht abzuschaffen, es in ein Parlament schaffen. Ihr fragt Euch, was das für Leute sind, die solche Sonderlinge wählen. Ich erkläre Euch das jetzt mal:

Wir – die jungen Wähler zwischen 20 und 40 – haben keine Lust mehr auf eine “repräsentative Demokratie”, in der der das Wort “repräsentativ” nicht für “stellvertretend”, sondern für “schöner Schein” steht. Wir haben Lust auf echte Demokratie. Eine Demokratie an der alle beteiligt sind. Mit einer Partei in der Proporz, Nepotismus und “Ochsentour” noch Fremdworte sind.
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Alain de Botton will Atheistenkirche bauen: Ich bin dabei

Von Neidhart von Schwarzburg

Ich bin Atheist. Mindestens in der 3. Generation … und ich wollte Pfarrer werden, solange ich denken kann. Es ist ein wirklich doofes Gefühl. Ich liebe Kirchen und Klöster. Michelangelo und Raffael. Bach und das Miserere von Gregorio Allegri. Ich finde die Bergpredigt im Neuen Testament richtig und unbedingt lehrenswert. Zu den Menschen, die ich am meisten verehre, gehören Pfarrer und Kirchenmitglieder. Ich brauche Vertrauen und das Wissen um Bedeutenderes als mich und die Menschen um mich herum. Ich gehe gern in Gottesdienste und liebe das Orgelspiel und den gemeinsamen Gesang und das Gebet. Das Teilen von Ängsten und die gemeinsame Versicherung eines Grundvertrauens in die Richtigkeit der Ordnung der Welt geben mir Geborgenheit und ein Gefühl von Wärme und Sicherheit.

Aber es gibt nun mal keine Götter. Und der Glaube an Götter ist die Wurzel der größten Verbrechen der Menschheit.

Will ich mit meinen weltanschaulichen Ansichten und Bedürfnissen nicht allein sein, bleiben deshalb nur zwei Optionen. Entweder, ich lebe mit einer Maske unter den Gläubigen (einem Großteil wird es wie mir gehen) und versuche mich anzupassen und einen großen Teil des inhaltlichen Unfugs einfach zu überhören, der in Kirchen verbreitet wird.

Oder aber ich versuche, mich einer der atheistischen Organisationen in Deutschland anzuschließen. Leider bestehen die deutschen Atheistverbände überwiegend aus Religionshassern oder lehnen zumindest jeden Anflug von Religiosität in ihren Organisationen und ihrem Leben ab. Stattdessen wird ein recht simplizistischer Szientismus verbreitet und kultisch betrieben, bei dem es überwiegend um eine kritiklose Befürwortung wissenschaftlicher Forschung im Allgemeinen und eine peinliche Darwinverehrung im Besonderen geht.

Nun will ich aber weder das eine, noch das andere.
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Angela Merkel will gelenkte marktkonforme Demokratie

Warum verplappern sich Politiker eigentlich immer im Deutschlandfunk? Bundespräsident Horst Köhler mußte zurücktreten, weil er im Deutschlandfunk davon sprach, dass “militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, z.B. freie Handelswege”. Irgendwie wurde das Interview versendet. Vom Deutschlandfunk keine Reaktion. Auch sonst nicht viel. Erst im Internet kam dann langsam – etwas später – die Bombe hoch.

Schon im September wurden im Deutschlandfunk Ausschnitte einer Presskonferenz versendet. Dort antwortete Angela Merkel auf folgende Frage (auf den Seiten des Bundeskanzleramtes nachzulesen):

Frage: Frau Bundeskanzlerin, fürchten sie um die Schlagkraft des EFSF, wenn der Bundestag und alle anderen nationalen Parlamente in Europa demnächst bei allen wichtigen Entscheidungen vorab mitbestimmen wollen?

mit den Worten:

“Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben. Ich höre zum Beispiel von unseren Haushaltspolitikern, dass man sich dieser Verantwortung bewusst ist. Aber wir müssen in Europa einen Weg finden, obwohl wir mehrere Länder sind, trotzdem das Richtige zu tun. Dabei müssen die Regierungen und die europäischen Institutionen in Sachen Kommunikation zum Teil hinzulernen, und dabei müssen die Parlamente lernen. Aber ich sehe keinen Grund, warum die Parlamente schlechter als andere sein sollten.

Und erst langsam kommt so ein bißchen Unverständnis hoch. Die ersten waren wohl die nachdenkseiten. Dann kam der Freitag. Und jetzt der unbedingt lesenswerte Essay von Ingo Schulze in der Süddeutschen.

Vielleicht tritt ja bald eine Bundeskanzlerin zurück. Wegen eines Beitrages im Deutschlandfunk.

And no religion too!

Von Neidhart von Schwarzburg

Silvester-Skandal auf dem Times Square: Der Musiker Cee Lo Green sang eine veränderte Version von Lennons „Imagine“. Er ist nicht der erste. Amnesty International hatte die Textzeile einst einfach unterschlagen. Aber Green entstellte den Sinn des Liedes völlig. Statt “… and no religion too” sang er “… and all religion’s true”.

Bei der Silvester-Gala auf dem New Yorker Times-Square trat Cee Lo Green neben Lady Gaga und Justin Bieber auf. Kurz vor dem Jahresende konnten mehr als 2,3 Millionen TV-Zuschauer von “NBC’s New Year’s Eve with Carson Daly” live hören wie Green die letzte Zeile der Strophe des berühmten Liedes

Imagine there’s no countries ~ It isn’t hard to do ~ Nothing to kill or die for ~ And no religion too

kurzerhand in ein “… and all religion’s true” umwandelte.

Diese Änderung rief erheblichen Protest bei Fans und Atheisten hervor. Greens Twitter-Account wurde von einem ordentlichen Shitstorm überrollt. In Internet-Foren finden sich inzwischen diverse Reaktionen.

Andere bemerkten, dass Cee Lo die Zeile “Imagine no possessions” gekleidet in einen teuren Pelz mit goldener Uhr und Designerbrille sang.

Der Blogger Daniel Fincke argwöhnte, dass Cee-Loo seine Fans bald mit Passagen aus den Büchern von Christopher Hitchens’s “God Is Great: How Religion Fixes Everything” oder Richard Dawkins’s “The God Solution überraschen wird.

Cee Lo Green beschimpfte zunächst seine Fans für die Kritik, löschte die Beschimpfungen aber wieder und erklärte in einem – inzwischen ebenfalls gelöschten – Tweet dann folgendes:

‘Yo I meant no disrespect by changing the lyric guys! I was trying to say a world were u could believe what u wanted that’s all,’

Bereits vor vier Jahren startete Amnesty International eine Kampagne zur Rettung der Menschen von Darfur. Im Rahmen dieser Kampagne sangen viele bekannte Stars für ein Benefiz-Album Lieder von John Lennon. Unter anderem auch die Hymne der Atheisten: “Imagine”. Aus dem Lied, in dem es um Frieden und Freiheit und eine Welt ohne Kriege um Besitz und Religionen geht machte Amnesty International mit der Hilfe von Willie Nelson folgende Version:

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